WIRTSCHAFT
01/04/2016 07:01 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 12:12 CEST

EZB-Chef Draghi hält 1300 Euro Geldgeschenk für jeden EU-Bürger für "sehr interessante Idee"

EZB erwägt 1300 Euro Geldgeschenk für jeden Bürger.
EMMANUEL DUNAND via Getty Images
EZB erwägt 1300 Euro Geldgeschenk für jeden Bürger.

  • EZB erwägt ein Geldgeschenk von 1300 Euro an jeden EU-Bürger

  • Es handelt sich bei dem Vorschlag um ein sogenanntes Helikoptergeld

  • Hoffnung der Befürworter: Die Menschen geben das Geld aus und kurbeln so die Wirtschaft an

Es ist eine Forderung, die vor allem bei deutschen Politikern auf heftigen Widerstand stoßen dürfte. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle auf einen Schlag jedem EU-Bürger 1300 Euro schenken. Das fordert zumindest eine schwedische Bank.

Und, was noch vor einigen Jahren als komplett unrealistischer Vorschlag verworfen worden wäre, stößt bei der EZB mittlerweile tatsächlich auf vorsichtige Zustimmung. EZB-Chef Mario Draghi findet die Idee eines sogenannten Helikoptergelds, also eine bestimmte Summe Geld an jeden Bürger zu verteilen, "sehr interessant".

Das berichten übereinstimmend die österreichische Zeitung "Die Presse“ sowie die"Süddeutsche Zeitung".

EZB-Chef nennt Helikoptergeld "sehr interessantes Konzept"

Als der Präsident der europäischen Notenbank vor zweieinhalb Wochen bei einer Pressekonferenz von einem Journalisten danach gefragt wurde, ob er Bürgern Geld schenken könnte, nannte der EZB-Chef das Helikoptergeld ein "sehr interessantes Konzept". Er räumte allerdings ein, dass sich die EZB offiziell noch nicht damit befasst habe.

Der Chefvolkswirt der EZB Peter Praet sagte wenig später ebenfalls, dass theoretisch alle Notenbanken dieses "extreme Instrument" einsetzen könnten.

Helikoptergeld ist frisch hergestelltes Zentralbankgeld, das an die Bevölkerung verschenkt wird und einen Schub bei der Konsumgüternachfrage auslösen soll. So soll die Konjunktur angekurbelt werden.

Der Grund, dass die eigentlich alte Forderung aktuell sogar von prominenten Bankern aufgegriffen wird, ist die derzeitige wirtschaftliche Lage in der EU. In weiten Teilen Europas, insbesondere im Süden des Kontinents, ist das Wirtschaftswachstum noch immer sehr schwach und die Arbeitslosigkeit hoch.

Befürworter: Wirtschaft wird angekurbelt

Staaten wie Griechenland oder Italien leiden unter einer viel zu geringen Nachfrage der Verbraucher. Zudem sparen viele Regierungen massiv – was ebenfalls die Wirtschaftsleistung drosselt. Die Hoffnung der Befürworter des Helikoptergeldes: Die Menschen geben das Geld aus und kurbeln so auch die Wirtschaft an.

Da die Zinsen für Erspartes europaweit extrem niedrig sind, stehen die Chancen tatsächlich gut, dass die Menschen solche Geldgeschenke tatsächlich für den Konsum ausgeben. Schon seit Längerem wächst unter den anerkannten Ökonomen die Zahl derer, die sich für eine stärker nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik aussprechen.

Ob das Helikoptergeld tatsächlich kommt, ist aber äußerst fragwürdig. Insbesondere bei Regierungen aus den Staaten wie Deutschland, die mit besonders großen Summen für eventuelle Verluste der EZB gerade stehen müssten, gibt es Widerstand.

Selbst in der in Frankfurt residierenden Europäischen Zentralbank gibt es allerdings Kritiker: EZB-Direktor Benoît Coeuré hat in dieser Woche dem Helikoptergeld eine Absage erteilt – zumindest auf absehbare Zeit. Die Führung der Zentralbank diskutiere ein solches Konzept nicht, sagte der Franzose der Zeitung "Politico". "Als Ökonom finde ich die akademische Debatte spannend", so Coeuré. Als Mitglied des EZB-Rats habe er jedoch eine gehörige Portion Skepsis.

Hans-Werner Sinn lehnt Helikotpergeld ab

Wenig überraschend: Auch Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts in München, lehnt das Helikoptergeld ab. Er glaubt nicht, dass es die Wirtschaft nachhaltig beleben werde.

"Es ist eine ökonomische Binsenweisheit, dass die Ausgabe von Helikoptergeld dasselbe ist wie die Kombination aus einer expansiven Fiskalpolitik und einer expansiven Geldpolitik", schreibt er in einem Gastbeitrag für die "FAZ“. Für ihn ist klar: Was bislang schon nicht funktioniert hat, wird auch dann nicht funktionieren, wenn man es anders verpackt.

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