POLITIK
01/04/2016 17:31 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 19:07 CEST

Humorfeind Erdogan ziert den "Spiegel"-Titel

  • Die Proteste des türkischen Präsidenten Erdogan gegen deutsche Satire sind nach hinten losgegangen

  • Der aktuelle "Spiegel"-Titel stellt ihn als unbeherrschten Giftzwerg dar

  • CSU-Politiker kritisieren Erdogan als Demokratiefeind

In seiner Heimat ist der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein mächtiger Mann - nun prüft er, wie weit seine Macht in Deutschland reicht. Er bestellte den deutschen Botschafter in Ankara ein, um ein Video der NDR-Satiresendung "Extra 3" verbieten zu lassen. Das blieb ohne Erfolg - auch wenn die Bundesregierung mit einiger Verzögerung zumindest ihr Missfallen über den Beitrag kundtat.

Die Reaktion auf den Protest des Machtmenschen ist noch mehr Spott - der Meinungs- und Pressefreiheit sei Dank. So ist Erdogan, als Karikatur gezeichnet, nun "Coverboy" der aktuellen Ausgabe des "Spiegel". Die Satire auf dem Titelblatt ist glatt noch besser als Jan Böhmermanns heftiges Erdogan-Gedicht.

Der Präsident ist gut getroffen: Zu sehen ist ein Erdogan mit hochrotem Kopf, der schreit und bedrohlich die Faust reckt - nachdem er von einem aus Zeitungspapier gefalteten Papierflieger ins Gesäß getroffen wurde.

Die Titelseite knüpft sich allerdings auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor: Sie steht im Hintergrund, eine Hand beschämt vor dem Gesicht, während die andere einen Koffer mit Geld und Europaflagge hält - ein Hinweis auf ihren Flüchtlingsdeal mit Erdogan.

"Anschlag auf unser Grundgesetz"

War es auch dieser Kompromiss zum Austausch von Flüchtlingen zwischen der EU und Griechenland, der die Bundesregierung so lange hat schweigen lassen? Nun jedenfalls ist die Kritik in Richtung Bosporus umso heftiger: "Die Türkei liefert doch nahezu täglich neue Argumente, warum man Visaerleichterungen und beschleunigte Verhandlungen über einen EU-Beitritt kritisch sehen muss", sagte etwa Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dem Magazin.

Drastisch äußert sich auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: "Erdogans Angriff auf die Pressefreiheit ist ein Anschlag auf unser Grundgesetz." Die Türkei habe sich in ihren Werten immer weiter von denen der EU entfernt. Das müsse "von allen Demokraten klar kritisiert werden".

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