POLITIK
31/03/2016 07:28 CEST | Aktualisiert 31/03/2016 08:05 CEST

Von wegen Truppenabzug: So belügt Putin den Westen im Syrienkrieg

NATALIA KOLESNIKOVA via Getty Images
Russian President Vladimir Putin speaks during his annual press conference in Moscow on December 17, 2015. Russian President Vladimir Putin fired off an angry tirade against Turkey on December 17, ruling out any reconciliation with its leaders and accusing Ankara of shooting down a Russian warplane to impress the United States. AFP PHOTO / NATALIA KOLESNIKOVA / AFP / NATALIA KOLESNIKOVA (Photo credit should read NATALIA KOLESNIKOVA/AFP/Getty Images)

  • Putin kündigte einen Teilabzug russischer Truppen in Syrien an

  • Nach Informationen des US-Militärs trifft das Gegenteil zu

  • Moskau rüstet demnach einen Luftwaffenstützpunkt im Nordwesten des Landes auf

Die Nachricht kam selbst für US-Geheimdienste überraschend: Vor zwei Wochen gab Wladimir Putin den Abzug des größten Teils der russischen Soldaten aus Syrien bekannt.

Der Militäreinsatz in Syrien an der Seite des Machthabers Baschar al-Assad konnte einen "Durchbruch im Kampf gegen den Terrorismus" herbeiführen, begründete der Kremlchef die Entscheidung. Und weiter: Russland wolle fortan eine größere Rolle im Friedensprozess einnehmen, um den Konflikt zu beenden.

Nur 20 Prozent der Luftstreitkräfte bislang abgezogen

Nach Informationen des US-Magazins "Foreign Policy" ist Putin allerdings weit entfernt, ein syrischer Friedensengel zu sein. Unter Berufung auf US-Militärkreise berichtet das Magazin, dass Russland bislang nur 20 Prozent der feststationierten Luftstreitkräfte aus Syrien abgezogen hat.

Kampfjets mit größerer Reichweite stünden zudem weiter in Russland bereit und könnten in kurzer Zeit zum Einsatz ins Land fliegen.

Flugplatz in Hmeimim wird weiter "funktionieren"

Über die letzten Zeit Monate hatte die russische Militärallianz mit den Truppen Bashar al-Assads dem syrischen Machthaber den Rücken gestärkt. Die größten Erfolge erzielten sie im Norden des Landes um die Stadt Aleppo, der ehemaligen Finanzhauptstadt Syriens. Mit Hilfe russischer Luftschläge konnte die Allianz dort große Teile der Anti-Assad Rebellen zurückdrängen.

Als Moskau den Rückzug der Truppen ankündigte, knüpfte Putin diese Entscheidung an eine Bedingung, die nicht nur als Randnotiz zu verstehen ist: "Der russische Stützpunkt und der Flugplatz in Hmeimim (bei Latakia) werden weiter funktionieren. Sie sollen zuverlässig geschützt werden."

Neue Luftstreitkräfte identifziert

Dem "Foreign Policy"-Bericht zufolge haben US-Militärs dort eine Ausweitung des Waffenstützpunktes beobachtet: "Es gibt Hinweise über neue russische Waffen in Latakia, wo Moskau einen offensiv ausgerichteten Stützpunkt betreibt." Demnach habe das russische Verteidigungsministerium Videos von Luftstreitkräften veröffentlicht, die Militärbeobachter als neu hinzugezogene Streitkräfte identifizieren konnten.

Darunter Helikopter vom Typ Mi-28 “Havoc”, die zur Unterstützung von Bodentruppen und zur Verteidigung von Stützpunkten eingesetzt werden, ähnlich zum "Appache"-Helikopter der US-Streitkräfte.

Zu glauben, Putin würde sich mit der Ankündigung des Truppenabzugs der Waffenruhe anschließen wollen, um eine Friedenspolitik in Syrien zu verfolgen, ist nach Ansicht der "Foreign Policy" ein Trugschluss.

Putin wolle weiterhin Assads Regime um jeden Preis stützen, berichtet das Magazin, Moskau würde die Ende Februar in Kraft getretene Waffenruhe nun dafür ausnützen. Das habe Putin bereits in den ersten Märzwochen gezeigt, als russische Militärs an Seiten des syrischen Machthaber mehrfach die Waffenruhe gebrochen hatten.

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