LIFESTYLE
31/03/2016 12:54 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 13:22 CEST

Wenn Du die Liebe Deines Lebens zum falschen Zeitpunkt triffst

Peter Zelei via Getty Images
Young couple having relationship difficulties, outdoor shot

Gitarre. Eine schleppende Stimme. Ich bin wieder 21. Wir sitzen auf meinem Bett und hören Musik. Ich finde es komisch, dass du schon so selbstverständlich da bist. Du findest es unfassbar, dass ich Tocotronic nicht kenne.

“Du warst das erste Mal bei mir / Ich hatte immer noch keine Sitzgelegenheit”

So ging es los, unsere Beziehung, unser Sommer. Unser einer Sommer. Wir waren so voneinander angetan, dass ich keine fünf Minuten mehr erleben konnte, ohne sie mit dir teilen zu wollen. Immer war da ein lustiges Straßenschild, ein absurder Kommentar, eine sprießende Blume, die ich zu Dir tragen wollte, um zu sehen, wie du dich freust. Um zu sehen, wie die Welt durch deine Augen aussieht.

Ich musste mir verbieten, ständig von dir zu reden. Dabei hätte ich am liebsten nur von dir erzählt. Meine Gefühle, diese tobenden, strahlenden Emotionen in mir drin waren so stark, dass ich das schon ganz schnell gar nicht anders nennen konnte, als: Liebe. Große Liebe. Wir schauten uns an, wir wussten voneinander. Diese Liebe in mir war so stark, dass sie sich anfühlte, wie eine innere Rüstung.

Mich interessierte die Welt nicht mehr. Mich interessierte nur noch die Welt mit Dir drin.

“Und einmal hab ich Dich getroffen / Ich glaube fast es war irgendwann im Mai”

Wir waren an den Strand gefahren. Wir hatten unser WG-Wohnzimmer in einer Farbe gestrichen, für die uns die anderen verfluchten. Wir waren über Weidegatter geklettert. Wir hatten uns vorgelesen. Wir hatten uns echte Briefe geschrieben. Wir hatten uns vermisst, bis zum Schmerz.

Einen Sommer lang. Dann war es vorbei. Es war einfach vorbei. Ich sah dich plötzlich anders. Ich wollte diese Beziehung nicht mehr. Ich fand es viel reizvoller, mit anderen Männern zu knutschen. Fand mich auf einmal viel zu jung für diese große Liebe. Fand dich auf einmal viel zu klammernd. Mein Herz war zum Kaktus geworden.

Wir trennten uns. Wir versuchten, Freunde zu bleiben. Ich schmiss ein Buch nach Dir. Es hat nicht funktioniert.

“Das letzte Mal war’s komisch / Doch ich muss gestehen ich glaub es lag an mir”

Nach drei Jahren haben wir es dann immerhin geschafft, weil wir beide höfliche Menschen sind, zwei Bier trinken zu gehen. Das war zu dem Zeitpunkt, als ich schon längst heimlich Pläne schmiedete, wie ich dich zurückgewinnen könnte. Musste.

Denn da war mir längst klar geworden, dass du einzigartig warst. Für mich. Wie wir nur Blicke gebraucht hatten, um in schallendes Gelächter auszubrechen. Wie du deinen Kopf abgestützt hattest, wenn du mir zuhörtest. Wie mich dein Lockenschopf in einer Menschenmenge schon von weitem beruhigte.

Alles vorbei. Meine Schuld. Und jetzt saß ich da, mit dir in der Bar und versuchte maximal charmant zu sein und witzig und unwiderstehlich. Weil ich dich so sehr zurückwollte. Aber merken musste, dass unsere Zeit, endgültig, vorbei war. Denn du sahst mich nicht mehr. Nicht mehr so.

“Wir sind uns lange nicht begegnet”

Alles so lange her. Aber manchmal frage ich mich: Wären wir noch zusammen, wenn ich in diesem einen Sommer nicht so egoistisch gewesen wäre? Hätten wir unsere Leben irgendwie zusammen leben können, die uns in den letzten zehn Jahren in ganz andere Städte gestreut hat? Hätte, wäre? Ich weiß es nicht. Und trotzdem könnte ich manchmal wütend gegen eine Wand schlagen, wenn ich daran denke, wie wir es nicht geschafft haben.

Es gibt Menschen, die treffen sich, verlieben sich, werden ein Paar. Und bleiben ein Paar. Aber es gibt auch Menschen, die kämpfen, die trennen sich, kommen wieder zusammen und trennen sich. Menschen sind schwierig und die Liebe, die Liebe ist oft ein einziges Chaos.

Du bist verheiratet. Du hast zwei kleine Kinder. Ob ich deine große Liebe war? Auch das weiß ich nicht. Aber das ist auch egal. Das, was wir hatten, das bleibt. Ich kann es warm halten, als eine süße Erinnerung, eine magische Zeit. Allein der Gedanke an unseren Sommer macht mich glücklich. Mir fallen so viele Kleinigkeiten ein: Die Erdbeeren vor unserem Haus, unser grünes Büchlein, Spaziergänge am Fluss, und immer wieder du.

Es ist bittersüß, aber es ist gut so. Die Realität, der Alltag, wird unsere Beziehung nie einholen.

Denn in meinen Erinnerungen ist unsere gemeinsame Zeit, ist unsere Liebe, sicher.

Auch auf HuffPost:

So sehen normale Menschen beim Orgasmus aus