POLITIK
31/03/2016 18:33 CEST | Aktualisiert 01/04/2016 07:16 CEST

Eklat in Frankreich: Ministerin brandmarkt islamische Mode als "unverantwortlich"

muslim woman in red hijab swimming in a pool (lying on a back)
LiudmylaSupynska via Getty Images
muslim woman in red hijab swimming in a pool (lying on a back)

  • Immer mehr Modelabels entdecken Muslimas als Kundinnen für sich

  • Die französische Familienministerin findet das "unverantwortlich"

  • Eine Islam-Organisation fordert nun den Rücktritt der Politikerin

Das öffentliche Tragen einer Ganzkörperverschleierung ist in Frankreich bereits seit April 2011 verboten. Der französischen Familienministerin Laurence Rossignol reicht das offenbar nicht. Ihr ist auch spezielle Mode für Muslimas ein Dorn im Auge. Zu dem Modetrend gehören Burkinis oder Kopftücher, die in Anzeigen auch von Muslimas beworben werden.

Die Sozialistin kritisierte am Mittwoch in einem Interview mit dem Radiosender RMC große Firmen wie Mango, Dolce & Gabbana oder Marks & Spencer, die Muslima als Kundschaft entdeckt hatten.

Burkinis im Trend

Wer gläubig und gleichzeitig modebewusst ist, kann sich bei Marks & Spencer zum Beispiel einen Burkini kaufen - also eine Badebekleidung irgendwo zwischen Burka und Bikini, die ausreichend nackte Haut und Haar bedeckt und den Frauen den Besuch im Schwimmbad ermöglicht.

burkini

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In Australien ermöglichte es das Kleidungsstück Muslima sogar schon, freiwillige Rettungsschwimmerin zu werden:

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Auch H&M hatte vergangenen Oktober ein Werbevideo mit einem muslimischen Model veröffentlicht, die ein Kopftuch trug, um die bisher stiefmütterlich behandelte Zielgruppe zu erschließen.

Doch Rossignol findet das "unverantwortlich". Die Firmen würden sich ihrer "sozialen Verantwortung" entziehen und "für ein Einsperren des weiblichen Körpers" werben.

Rossignol zieht bedenklichen Vergleich

Ihre Politisierung von Mode rechtfertigt die Ministerin, indem sie gläubige Muslimas als Radikale brandmarkt: Die Kundinnen seien zum Großteil Aktivistinnen eines politischen Islam, die von Salafisten zur Verhüllung angehalten würden.

Auf den Einwand, dass sich muslimische Frauen ja auch freiwillig entsprechend ihres Glaubens kleiden können, reagierte sie mit einem haarsträubenden Vergleich: "Es gab auch amerikanische Neger, die für Sklaverei waren", sagte sie. Kurz darauf entschuldigte sie sich für die Verwendung des Wortes "Neger", doch die Entrüstung konnte das nicht besänftigen.

Der Präsident der Beobachtungsstelle für Islamfeindlichkeit, Abdallah Zekri, forderte sogar den Rücktritt der Familienministerin - bisher haben fast 22.000 eine entsprechende Onlinepetition unterzeichnet.

Modelabels als "Komplizen der "Diktatur" oder schlicht als Wirtschaftsunternehmen?

Aus der Modewelt bekommt Rossignol bisher allerdings Zustimmung: Der Mitbegründer des Modelabels Yves Saint Laurent, Pierre Bergé, nannte die islamische Mode im Sender "Europe 1" "skandalös".

Wörtlich sagte er: "Ich dachte immer, dass ein Modeschöpfer dazu da sei, Frauen schöner zu machen, ihnen Freiheit zu geben, und nicht Komplizen dieser Diktatur zu sein, die Frauen zwingt, sich zu verstecken."

Konter bekommt der Unternehmer und langjährige Lebenspartner des Modeschöpfers Laurent aus Bloggerkreisen zu hören. Dort heißt es, man solle vielleicht einfach mal pragmatisch sein. Das Angebot reagiere lediglich auf die Nachfrage - Kapitalismus statt Diktatur eines radikalen Islam also.

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