POLITIK
31/03/2016 03:27 CEST | Aktualisiert 31/03/2016 04:13 CEST

"Krise wird mit billigem Geld überdeckt": Neuer Ifo-Chef macht düstere Aussage zu unserer Zukunft

Der Nachfolger des Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn, Clemens Fuest
Reuters
Der Nachfolger des Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn, Clemens Fuest

  • Der neue Chef des Ifo-instituts kritisiert die europäische Finanzpolitik

  • Die EZB schaffe Anreize zur Verschuldung und enteigne Sparer

  • Daher würden viele Menschen im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben

Der "Klartext"-Ökonom Hans-Werner Sinn geht als Präsident des Ifo-Instituts. Doch sein künftiger Nachfolger zeigt bereits, dass er mehr als bereit ist, in seine Fußstapfen zu treten. Der neue Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest nimmt bei der Kritik an der Wirtschaftspolitik der Euro-Zone kein Blatt vor den Mund.

Fuest sieht die Euro-Krise keineswegs als überwunden an. "Das Euro-Grundgerüst ist nicht stabil", sagt Fuest im Interview mit der "FAZ". Zwar habe sich die Wirtschaft auch in einigen Krisenstaaten wieder etwas erholt, doch sei die Verschuldung nach wie vor sehr hoch.

"Viele Menschen werden im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben"

"Das wird nur überdeckt von billigem Geld." Die Europäische Zentralbank (EZB) habe angekündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Mitgliedstaaten aufzukaufen, denen private Investoren nicht mehr vertrauen.

"Dadurch werden für einzelne Staaten Anreize gesetzt, sich auf Kosten anderer zu verschulden", warnt Fuest, der am 1. April das Amt des Ifo-Chefs von Hans-Werner Sinn übernimmt.

Er sehe die Gefahr, dass die Eurozone zu einer Schulden-Haftungsgemeinschaft mutiere, sagt der 47 Jahre alte Finanzexperte.

Fuest kritisiert die expansive Geldpolitik der EZB. "Die Risiken sind neue Blasen auf den Finanz- und Immobilienmärkten und eine Destabilisierung der Banken", sagt er. Viele Kleinsparer fühlten sich zudem enteignet. Die private Altersvorsorge werde durch die niedrigen Zinsen unattraktiv.

"Viele Menschen werden länger arbeiten müssen oder im Alter einen niedrigeren Lebensstandard haben", sagt Fuest. All das seien unerwünschte Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik.

Energiewende führte zur Planwirtschaft

In Deutschland warnt Fuest davor, die Arbeitsmarktreformen zurückzudrehen. Außerdem kritisiert er die Energiewende-Politik als "grundlegend falsch".

"Wir haben im Grunde ein planwirtschaftliches, von Subventionen getriebenes System errichtet, das jetzt von sehr starken Lobbys verteidigt wird. Die Wind-Lobby und die Solar-Lobby streiten jetzt um Subventionen, und es ist schwer für die Politik, dem entgegenzutreten. Das ist völlig daneben gegangen."

Nach mehr als 17 Jahren an der Spitze des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung geht der ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstagabend in den Ruhestand. Fuest tritt am Freitag die Nachfolge an. Seine offizielle Amtseinführung erfolgt dann bei der Ifo-Jahresversammlung am 28. April in München.

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