LIFESTYLE
30/03/2016 08:12 CEST | Aktualisiert 30/03/2016 08:15 CEST

So bewegend reagiert ein Serienstar auf die Häme der Internetnutzer

facebook
Wentworth Miller

Am Montag veröffentlichte das amerikanische Unterhaltungsportal „The LAD Bible“ einen Post auf Facebook, der zwei Bilder des Schauspielers Wentworth Miller zeigte, der mit der Serie „Prison Break“ große Erfolge feiern konnte.

Auf dem linken Foto sieht man den Schauspieler, wie man ihn aus der Serie kennt: Durchtrainiert und tätowiert. Auf dem rechten Bild ist er mit eindeutig mehr Körpergewicht zu sehen. Über den beiden Fotos steht: „Wenn du aus dem Gefängnis ausbrichst und herausfindest, dass McDonald’s eine Monopolstellung hat."

Today I found myself the subject of an Internet meme. Not for the first time. This one, however, stands out from the...

Posted by Wentworth Miller on Montag, 28. März 2016


Der hämische Beitrag erhielt viel Aufmerksamkeit und wurde von unzähligen Internetnutzern mit spöttischen Bemerkungen kommentiert.

Den Spott sah auch Wentworth Miller und er postete den Beitrag selbst auf seiner Facebook-Seite mit folgenden bewegenden Worten:

„Heute sah ich mich selbst wieder als Internet-Meme dargestellt. Nicht das erste Mal. Dieses Meme hebt sich aber vom Rest ab.

2010 zog ich mich von der Schauspielerei zurück, ich versuchte aus verschiedenen Gründen, von der Bildfläche zu verschwinden.

Vor allem aber, weil ich selbstmordgefährdet war. Darüber habe ich mittlerweile geschrieben, gesprochen und es mit anderen geteilt.

Aber zu dieser Zeit litt ich schweigend vor mich hin, so wie es viele tun. Das Ausmaß meines Leidens war nur wenigen Menschen bekannt. Voller Scham und Schmerz sah ich mich selbst als „geschädigte Ware“. Und die Stimmen in meinem Kopf zwangen mich, den Weg in die Selbstzerstörung immer weiter zu gehen. Nicht zum ersten Mal.

Ich kämpfe seit meiner Kindheit mit Depressionen. Es ist ein Kampf, der mich Zeit, Möglichkeiten, Beziehungen und tausende schlaflose Nächte gekostet hat.

Essen war das Einzige, was mir Freude bereitete

2010 war ich am tiefsten Punkt meines Lebens als Erwachsener angelangt, ich suchte überall nach Entlastung/Trost/Ablenkungen. Und ich wandte mich dem Essen zu. Es hätte alles sein können: Drogen, Alkohol, Sex. Aber Essen wurde zu der einen Sache, die mir Freude bereitete.

Ich konnte darauf zählen, dass es mir weiterhalf. Über lange Strecken war das Highlight meiner Woche mein Lieblingsessen und eine neue Episode von „Top Chef“. Manchmal war das genug. Musste genug sein. Und ich nahm zu. Eine verdammt große Sache.

Eines Tages ging ich mit einem Freund in Los Angeles spazieren, als unsere Wege die einer Film-Crew einer Reality-Show kreuzten. Paparazzi umkreisten mich, ohne dass ich es wusste. Sie machten Fotos von mir und diese Fotos wurden neben anderen Bildern von mir aus einer anderen Zeit meiner Karriere veröffentlicht.

"Hunk To Chunk." (vom heißen Typen zum Klotz) "Fit To Flab." (von fit zu fett) etc.

Meine Mutter hatte diese „Freunde“, die dir immer als Erste schlechte Nachrichten überbringen. Sie schickten ihr die Bilder aus einem dieser Artikel eines beliebten Magazins. Sie rief mich an – voller Sorge.

Ich habe überlebt - die Bilder auch

2010 war das das Letzte, was ich brauchen konnte, während ich gegen meine psychischen Erkrankungen kämpfte. Um es kurz zu halten: Ich habe überlebt.

Aber das haben auch diese Bilder.

Ich bin froh.

Jetzt, wenn ich dieses Foto von mir in einem roten T-Shirt sehe, mit einem seltenen Lächeln im Gesicht, dann erinnere ich mich wieder an meine Kämpfe. Meine Ausdauer und mein Durchhaltevermögen angesichts all dieser Dämonen. Manche in mir. Manche außerhalb.

Wie ein Löwenzahn, der am Gehsteig wächst, halte ich durch.

Trotzdem. Noch.

Das erste Mal, als ich dieses Meme in meinem Social-Media-Feed sah, schmerzte es so sehr, dass es mir den Atem nahm. Aber so wie alles im Leben, kann ich über dessen Bedeutung selbst bestimmen. Und die Bedeutung, die ich ihm gebe ist: Stärke, Heilung, Vergebung. Mir selbst und anderen.

Wenn du oder jemand, den du kennst, Probleme hat, dann gibt es Hilfe. Mach dich bemerkbar. Schreibe. Schicke eine Mail. Geh ans Telefon. Jemand sorgt sich um dich. Sie wartend darauf, von dir zu hören. In Liebe, W.M.“

Wentworth Millers Antwort erhielt bisher über 740.000 Likes und wurde fast 250.000 Mal geteilt. Viele Menschen bedankten sich für seine mutigen Worte und sprachen ihm ihre Bewunderung zu.

Wentworth hat Selbstmordversuche hinter sich

Wentworth sprach 2013 bei einem Event der „Human Rights Campaign“ in Seattle über seine unterdrückte Homosexualität, seine psychischen Erkrankungen und Selbstmordversuche als Teenager. Mittlerweile geht es ihm wieder besser. Er ist auch heute noch als Schauspieler und Autor im Filmbusiness tätig.

Die Seite „The LAD Bible“ hat sich mittlerweile bei Wentworth für ihren Post entschuldigt: „Wir haben zwei Bilder von dir auf unserer Facebook-Seite gepostet, aber heute wollen wir uns dafür entschuldigen. Wir lagen falsch. Psychische Erkrankungen sind kein Witz und nichts, worüber man lachen sollte.“

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