POLITIK
30/03/2016 03:18 CEST | Aktualisiert 30/03/2016 11:17 CEST

Auf dieser Flüchtlingsroute gibt es einen dramatischen Anstieg

  • Es gibt eine sprunghaften Anstieg der Flüchtlinge aus Libyen

  • Alleine am Dienstag wurden 1500 von Schiffen gerettet

Während die Aufmerksamkeit Europas noch auf die Situation in Griechenland gerichtet ist, beginnt der Zuzug von Flüchtlingen aus einer ganz anderen Richtung dramatisch anzusteigen.

Es gibt einen sprunghaften Anstieg der Flüchtlingszahlen aus Libyen. Die italienische Küstenwache teilte mit, dass aus dem nordafrikanischen Land in den ersten Monaten dieses Jahres mehr Flüchtlinge mit Booten eingetroffen sind, als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres.

Mehr Boots-Flüchtlinge als 2015

In den ersten drei Monaten seien fast 16.100 Menschen von seeuntüchtigen Schmugglerbooten zwischen Libyen und Sizilien in Sicherheit gebracht worden, teilte das Innenministerium am Dienstag mit. Das waren den Angaben zufolge fast 6000 mehr als im selben Zeitraum 2015.

Allein am Dienstag seien in elf Einsätzen mehr als 1500 Menschen gerettet worden, hieß es weiter. Die Küstenwache habe sich dabei mit der italienischen Marine und der EU-Rettungsmission abgestimmt.

Die geretteten Migranten und Asylsuchenden werden zu Häfen im Süden Italiens gebracht, wo zunächst ihre Dokumente überprüft werden.

Bundeswehr sammelte 105 Flüchtlinge auf

Auch die Deutsche Marine rettet mehr und mehr Flüchtlinge. Gestern wurden 105 Flüchtlinge aufgelesen. Sie wurden nach Angaben der Bundeswehr vom Dienstag rund 50 Kilometer nördlich der libyschen Stadt Tripolis in einem Schlauchboot gesichtet.

Der Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main" habe die Menschen, darunter 51 Frauen und 2 Kinder, im Rahmen der Operation Sophia an Bord genommen und einer italienischen Fregatte übergeben, die sie in einen Hafen brachte.

Nach der Schließung der Balkanroute wird nach anderen Wegen gesucht

Unklar ist, ob der Anstieg der Flüchtlingszahlen aus Libyen mit der Schließung der Balkan-Route und dem Abschluss des Abkommens zwischen der EU und der Türkei zusammenhängt.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) geht davon aus, dass nach dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts neue Fluchtrouten unter Umgehung Griechenlands entstehen könnten.

Allerdings gebe es dazu bislang noch keine klaren Erkenntnisse, sagte der für Europa zuständige UNHCR-Sprecher William Spindler am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Genf.

Hundertausende sollen in Libyen warten

Dem am Sonntag in Kraft getreten Abkommen zufolge werden Flüchtlinge in die Türkei zurückgebracht, wenn sie von dort auf illegalen Wegen - meist mit Booten über das Mittelmeer - nach Griechenland gekommen sind. Dafür nimmt Europa direkt aus der Türkei syrische Kriegsflüchtlinge auf. Angesichts dessen sei es "logisch, dass Leute andere, noch gefährlichere Routen suchen, wie sie es zuvor getan haben", sagte Spindler.

Wie viele Flüchtlinge dieses Jahr kommen könnten, weiß niemand so genau. Vor wenigen Tagen hat Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian gesagt, dass in Libyen rund 800.000 Migranten auf eine Überfahrt nach Europa hofften.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini befürchtet einem Bericht von "politico.eu" zufolge, dass sich mehr als 450.000 von dem Bürgerkriegsland aus auf den Weg machen könnten.

Mit Material der DPA und der AP

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit dem Spendenportal Betterplace.org stellt die Huffington Post spannende Projekte vor, die ihr direkt unterstützen könnt:


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