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29/03/2016 12:36 CEST | Aktualisiert 30/03/2016 05:15 CEST

Forscher finden Weg, Sonnenlicht zu recyceln - er könnte unsere Energieversorgung revolutionieren

studio023 via Getty Images
Forscher finden Weg, Sonnenlicht zu recyceln - er könnte unsere Energieversorgung revolutionieren

Sehen wir es ein: Es steht nicht gut um uns. Die Menschheit steht davor, sich selbst auszurotten. Und das alles nur, weil wir unseren eigenen Lebensraum zerstören.

Katastrophale Dürren, überschwemmte Küstengebiete, verheerende Stürme - die Folgen des Klimawandels stellen die Welt vor eine gigantische Herausforderung. Sie ist nur durch einen radikalen Umbau unserer Energieversorgung zu meistern.

Autos müssten ohne Benzin und Diesel fahren, Kraftwerke dürften keine Kohle mehr verbrennen, unsere Wohnungen müssten mit sauberer Energie geheizt werden.

Doch wie ist das zu schaffen?

Eine Möglichkeit, auf die Experten weltweit setzen, ist Strom aus Solarkraftwerken. Die Idee ist bestechend: Denn die Sonne bietet eine unerschöpfliche Energiequelle.

Wundermaterial senkt Kosten

Das einzige Problem bisher: Solarenergie ist noch vergleichsweise teuer - denn der Sonnenstrom lässt sich nur mit hohen Kosten speichern. Wirklich ersetzen konnte er Kohlestrom, die Stromquelle Nr. 1 weltweit, deshalb noch nicht.

Das könnte sich aber mit einer Entwicklung von Forschern aus Oxford, Cambridge and Amsterdam jetzt ändern. Denn sie haben einen Werkstoff gefunden, sogenannte Perowskite, der Sonnenenergie "recyceln" kann. Die Solarzellen aus diesem Material holen aus der Sonneneinstrahlung also mehr Energie heraus.

Das senkt die Kosten. Außerdem ist das Material sehr viel günstiger als das heute vor allem für Solarzellen verwendete Silizium.

Entwicklung steckt noch in den Anfängen

Bisher sind Perowskit-Solarzellen noch in der Entwicklungsphase. Aber in den vergangenen Jahren gab es entscheidende Fortschritte. So schreibt das Grüne-Energie-Portal "WiWo Green":

"In den fünf Jahren ihrer Entwicklung haben die Zellen im Labor einen Wirkungsgrad von mehr als 20 Prozent erreicht – heute übliche Silizium-Technik erreichte diesen Wert erst nach Jahrzehnten."

Der Wirkungsgrad beschreibt, wie viel Strom Solarzellen aus einer bestimmten "Menge" Sonnenlicht machen können. Theoretisch möglich sind laut dem Stand der Forschung rund 33 Prozent (manche Solarzellen im Labor erreichen mehr).

Stromerzeugung könnte deutlich steigen

Und hier kommen die Perowskit-Solarzellen ins Spiel, die Sonnenlicht recyceln können. "Das ist deshalb so ein großes Ding", erklärt Felix Deschler, einer der beteiligten Forscher von der Cambridge Universität, gegenüber dem Portal "Christian Science Monitor", "weil unsere Ergebnisse darauf hindeuten, dass wir das Limit von 33 Prozent wirklich erreichen können."

Der Mechanismus selbst ist kompliziert. Vereinfacht gesagt haben die Forscher aber herausgefunden, dass die Perowskit-Solarzellen selbst auch schwache Lichtstrahlen erzeugen können, die dann in Strom umgewandelt werden können.

Das bedeutet: Die Perowskit-Zellen würden damit mindestens ein Drittel mehr Strom erzeugen als heutige Solarzellen. Das würde den Preis für Sonnenstrom massiv senken. Laut japanischen Forschern könnte Solarstrom dann fünf Mal billiger sein als er heute ist.

Dann würde es sich wohl auch lohnen, Solarstrom zu speichern - und Kohlekraftwerke abzuschalten. Außerdem könnten Elektroautos mit dem günstigen Treibstoff angetrieben werden. Die Gefahr eines zerstörerischen Klimawandels wäre gebannt.

Schon 2018 soll in der Türkei die erste Massenfertigung der neuartigen Perowskit-Solarzellen beginnen.

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