LIFESTYLE
29/03/2016 05:41 CEST

So werden Langschläfer von der Gesellschaft diskriminiert

Creatas Images via Getty Images
Langschläfer werden diskriminiert - hier ist der Beweis

"Morgenstund' hat Gold im Mund", "Der frühe Vogel fängt den Wurm", "Wer den Fuchs fangen will, muss mit den Hühnern aufstehen" - rund ums Aufstehen gibt es so einige Sprichwörter und Redewendungen, die uns darauf hinweisen sollen, wie sinnvoll es doch ist, möglichst früh in den Tag zu starten.

Unsere Gesellschaft verlangt den Menschen seit Jahrhunderten ab, früh aufzustehen, um früh mit der Arbeit zu beginnen. Wer gerne länger schläft, gilt oft automatisch als "faul".

Das Schlimme daran: Bei vielen Menschen widerspricht das dem inneren Biorhythmus. Chronobiologie nennt man die Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, wie sich zeitliche Organisation auf unseren Körper und unseren Geist auswirkt.

Eine Studie, die von der König Saud Universität in Saudi Arabien durchgeführt wurde, legt nahe, dass es zwar für viele Menschen vollkommen in Ordnung ist, von 23 Uhr abends bis 7 Uhr morgens zu schlafen - doch 40 Prozent der Menschen können von Natur aus mit diesem Schlafrhythmus nichts anfangen.

Die innere Uhr ist genetisch bedingt

Manche bleiben einfach von Natur aus etwas länger wach, manche leiden sogar an sogenanntem Verzögerten Schlafphasensyndrom und können erst spätnachts einschlafen - und folglich auch erst später aufstehen.

Diese innere Uhr ist genetisch bedingt und lässt sich schwer bis kaum umstellen. Das größte Problem: Wenn wir gegen unsere innere Uhr ankämpfen, kann das gesundheitliche Folgen haben.

Denn jedes Säugetier - ja, dazu zählt auch der Mensch - hat eine innere Uhr. Sie liegt in einem Teil des Gehirns, der sich Nucleus suprachiasmaticus nennt. Außerdem hat jede Zelle unseres Körpers eine eigene Uhr, die wiederum an die "Master-Clock" im Gehirn zurückkoppeln - so wird die innere Uhr gestellt.

Jene Menschen, die abends länger wach bleiben, könnten eine innere Uhr haben, die abends länger läuft und sich daher auch länger wieder aufladen muss.

Diese Möglichkeit gibt ihnen aber unsere Arbeitsgesellschaft nicht: Die Schule geht um 8 Uhr los, die Arbeit spätestens um 9 Uhr. Das ist für manche Körper einfach zu früh. Sie leiden unter "Sozialem Jetlag". Ihre innere Uhr funktioniert anders als die Uhren der Gesellschaft, und das hat körperliche und psychische Auswirkungen.

Eine Studie aus dem Jahr 2012, die unter anderem vom Zentrum für Neurowissenschaften der LMU München durchgeführt wurde, legt nahe, dass jene Menschen, die unter "Sozialem Jetlag" leiden, eher zu Übergewicht, Suchtverhalten und Depression neigen.

Die Gesellschaft muss sich den Langschläfern anpassen

Da es Langschläfern also quasi genetisch unmöglich ist, sich anzupassen, ist zu hinterfragen, ob es nicht die Gesellschaft ist, die sich ändern muss. Denn wir diskriminieren Langschläfer. Wer bis mittags schläft, wird als Taugenichts gesehen. Wer morgens in der Arbeit nicht produktiv ist, gilt als faul.

Zwar gibt es bereits viele Arbeitgeber, die es ihren Angestellten ermöglichen, sich ihre Zeit frei einzuteilen, doch der "9-to-5-Job" ist nach wie vor das verbreitete Modell in Deutschland. Doch Besserung ist in Sicht: Einer Studie zufolge, bei der Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Irland befragt wurden, legt nahe, dass 73 Prozent der Führungskräfte ihre Arbeitszeiten aufweichen - und dies auch von ihren Angestellten fordern.

Pünktlichkeit ist den Arbeitgebern nicht mehr so wichtig, sie wollen lieber Flexibilität von ihren Mitarbeitern. Also, dass sie zwar nicht um 8 Uhr morgens im Büro stehen, aber dafür nach 18 Uhr noch erreichbar sind.

Doch bis dieses Modell auch gesellschaftlich akzeptiert ist, wird es noch eine Weile dauern. Und so lange kann man den Langschläfern nur sagen: Haltet durch! Zumindest biologisch seid ihr im Recht.

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