POLITIK
29/03/2016 04:05 CEST | Aktualisiert 29/03/2016 04:16 CEST

Drei Flüchtlinge dürfen in Deutschland bleiben - so danken sie es uns

Drei Flüchtlinge dürfen in Deutschland bleiben - so danken sie es uns
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Drei Flüchtlinge dürfen in Deutschland bleiben - so danken sie es uns

Ich möchte euch die Geschichte von drei Flüchtlingen erzählen. Wahrscheinlich werden einige von euch sagen: "Das sind doch nur Einzelfälle". Mag sein.

Doch es ist wichtig, über diese Einzelfälle zu reden. Denn nur so sehen wir das ganze Bild. Ich werde nicht aufhören, von Geschichten wie diesen zu erzählen. So lange nicht, bis die Botschaft auch bei denen von euch angekommen ist, die sich weigern, sie einzusehen.

Wenn ihr also das nächste Mal über die Flüchtlingskrise nachdenkt (und das wird bald sein), erinnert euch an Saad, Okba und Siba. Sie kamen aus Syrien nach Oberfranken. Eines Tages spazierten sie in ein Pflegeheim in Hof und boten ihre Hilfe an. Einfach so.

Sie wollten etwas für die Senioren tun, die in dem Heim wohnten. Das ist bemerkenswert, weil sich in Deutschland nicht viele für alte Menschen interessieren. Vielleicht, weil unsere Gesellschaft die aussortiert, die nicht mehr genug leisten können.

Die drei Syrer helfen also dabei, die Bewohner des Heims zu versorgen. Wie der Münchner Merkur berichtet, spielen sie mit ihnen, erledigen kleine Arbeiten, sind einfach da.

Saad, Okba und Siba hätten auch warten können. Sie hätten in der Asylunterkunft sitzen und nichts tun können. Sie haben sich anders entschieden. Sie hatten die Wahl.

Drei Jahre dürfen sie erst einmal in Deutschland bleiben - und aus dieser Zeit wollen sie etwas machen.

In Syrien sei es üblich, dass Jüngere den Älteren helfen", sagt Saad dem "Merkur". Sie wollten etwas zurückgeben von der Hilfe, die Deutschland ihnen bietet.

Ich möchte, dass ihr eines versteht: Die drei Syrer sind keine Einzelfälle. Man kann sie nicht aufwiegen gegen die Flüchtlinge, die in Deutschland Straftaten begehen.

Man kann sie auch nicht wegrechnen oder ausklammern. Denn es gibt diese drei Menschen und sie sind nicht die einzigen, die helfen wollen.

Also spart euch den Versuch und die hanebüchenen Rechnungen. Das ist Schwachsinn. Es gibt keine Mathematik der Menschlichkeit.

Saad, Okba und Siba erinnern uns daran, dass es gute Menschen gibt. Auch unter den eine Million Flüchtlingen, die vergangenes Jahr in unser Land gekommen sind.

Die drei Syrer kümmern sich in dem Pflegeheim um Menschen, die oft einsam sind. Die sich über jeden freuen, der ihnen zuhört. Und in den nächsten Jahrzehnten wird es immer mehr solcher einsamer, älterer Menschen geben. Und immer weniger Junge, die sich um sie kümmern können.

Und fällt euch noch etwas auf? Die drei Flüchtlinge entkamen dem Krieg. Nun helfen sie den Menschen, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut haben. Ist das nicht ein schöner Gedanke?

Was Saad, Okba und Siba tun, ist eine Chance. In vielen Pflegeheimen müssen die Mitarbeiter Enormes leisten. Oft gibt es viel zu wenig Personal. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, wenn sich nichts ändert.

Anfangs haben die drei Helfer in Hof ehrenamtlich angepackt. Inzwischen leisten sie ein Jahr Bundesfreiwilligen-Dienst. Er steht seit einiger Zeit auch Asylbewerbern offen.

Das ist ein kleiner Schritt, aber einer in die richtige Richtung. Denn so können Flüchtlinge sofort anfangen, einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten.

Alle unter euch, die Hoffnung sehen, möchte ich um eines bitten: Erzählt Geschichten wie diese weiter. Hört nicht auf. Erzählt Geschichten, die Mut machen und das ganze Bild zeigen. Denn gerade in dieser Zeit der Angst müssen sie gehört werden.

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