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29/03/2016 13:40 CEST | Aktualisiert 02/04/2016 08:30 CEST

So knapp ist Belgien wirklich einer Atomkatastrophe entkommen

Atomkraftwerk in Belgien
dpa
Atomkraftwerk in Belgien

  • Aktuelle Erkenntnisse zeigen, wie nah Terroristen den Atomanlagen in Belgien kamen

  • Die Sicherheitslage in belgischen Atomanlagen geriet in den letzten Jahren immer wieder in Kritik

In Belgien treffen zwei brandgefährliche Faktoren aufeinander: Das Land geriet in den letzten Jahren nicht nur vermehrt für seine Rolle als Produktionsstätte für Terroristen, sondern auch für die fragliche Sicherheitslage seiner Atomkraftwerke in Verruf.

Doch wie knapp Belgien womöglich einer Kombination dieser beiden Faktoren - einem atomaren Terrorangriff - entging, wird erst nach den Terroranschlägen von Brüssel langsam deutlich:

Die Behörden hatten bereits im Dezember bei den Ermittlungen zu den Anschlägen von Paris ein Video entdeckt, das darauf hindeutete, dass Terrorverdächtige einen führenden belgischen Nuklearspezialisten ausgespäht hatten.

Attentäter von Brüssel betrieben atomare Spionage

Nach belgischen Medienberichten ist mittlerweile klar, dass die Brüsseler Terrorzelle um die beiden Selbstmordattentäter Ibrahim und Khalid El Bakraoui hinter der Spionage steckte.

Hatten die Terroristen vor, nukleares Material zu stehlen, um eine sogenannte schmutzige Bombe zu bauen? Oder wollten sie sich gar Zugang zu einem Atomkraftwerk beschaffen? Noch können diese Fragen nicht beantwortet werden.

Nur eines ist klar: Es ist nicht das erste Mal für Belgien, dass Terroristen mit Atomanlagen in Verbindung gebracht werden konnten.

Erst im Laufe der Ermittlungen um einen mysteriösen Sabotageakt im belgischen Kernreaktor Doel-4 im August 2014 stießen die Behörden auf einen Mitarbeiter, der offenbar Verbindungen zur islamistischen Szene hatte, berichtet die "Welt".

IS-Kämpfer hatte "Zugang zum sensibelsten Teil des Reaktors"

Der Mann war demnach 2009 über eine externe Firma an die Atomanlage vermittelt worden und verfügte anscheinend über "Zugang zum sensibelsten Teil des Reaktors".

Ein Zusammenhang zum Sabotageakt 2014 konnte ausgeschlossen werden - dann zu diesem Zeitpunkt war der ehemalige Mitarbeiter bereits als IS-Mitglied in Syrien getötet worden.

Bereits 2012 hatte der Mann den Reaktorkomplex Doel verlassen um sich der Terrormiliz anzuschließen. Als Mitglied der terroristischen Gruppe "Sharia 4 Belgium" wurde er wegen terroristischer Ziele in Abwesenheit verurteilt.

Ob seine Anstellung in der belgischen Atomanlage zu einem größeren Plan der Terrormiliz gehörte, ist nicht bekannt.

"Bewaffnung des Sicherheitspersonals würde Menschen falsches Sicherheitsgefühl vermitteln"

Bekannt ist nun: Nach dem Tod des Mannes wurden wohl "mehreren Personen der Zutritt zu nuklearen Anlagen wegen erkennbarerer Sympathien für Extremismus verweigert", sagte Nele Scheerlink, die Sprecherin der belgischen nuklearen Aufsichtsbehörde, am Freitag.

Doch Mitarbeiter mit Extremismus-Hintergrund bilden nicht die einzige Sicherheitslücke im der nuklearen Infrastruktur des Landes.

Seit Jahren kritisieren vor allem die USA die mangelnden Sicherheitsverkehrungen in belgischen Atomanlagen. Denn: Anders als in Deutschland und Frankreich etwa weigern sich die belgischen Behörden seit Jahren, Wachpersonal vor Nuklearanlagen zu bewaffnen - bis heute.

Scheerlitz erklärte diese Entscheidung damit, dass die Bewaffnung "den Menschen ein falsches Gefühl der Sicherheit" vermittele, so die "Welt". Beruhigend.

Mit Material von dpa

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