POLITIK
29/03/2016 11:55 CEST | Aktualisiert 29/03/2016 13:10 CEST

BKA-Chef Münch: Elf Anschläge in Deutschland seit 2000 vereitelt

dpa
BKA-Chef Münch sieht eine erhöhte Terror-Gefahr in Deutschland

  • BKA-Präsident: "Islamismus ist auch hier präsent"

  • Elf Anschläge konnten in Deutschland verhindert werden

  • Deutschland wird als Transitland von Terroristen genutzt

Nach den Anschlägen von Brüssel ist die Frage wieder da: Hat der Terrorismus auch Deutschland im Visier? Der BKA-Chef Holger Münch sagt, ja. Nach dessen Angaben sind seit der Jahrtausendwende elf Terroranschläge in Deutschland vereitelt worden.

"Wir können aus der Vergangenheit schon sehen, der Islamismus ist auch hier präsent. Aber es ist nicht nur Glück, sondern auch ein gutes Zusammenwirken der Sicherheitsbehörden", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) am Dienstag im Bayerischen Rundfunk.

BKA-Chef geht von erhöhtem Anschlagsrisiko aus

Doch er kann zugleich beruhigen. Denn aktuell gebe es keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag. Aber: "Wir sind sehr wachsam."

Generell sieht Münch auch in Deutschland eine erhöhte Terrorgefahr: "Wir können festhalten, dass Europa, und damit auch Deutschland, im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus steht. Damit gehen wir hier ein Deutschland von einem erhöhten Anschlagsrisiko aus", erklärte der BKA-Chef.

Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern stehen nach Angaben des Bundeskriminalamtes in ständigem Austausch untereinander. Auch mit den ausländischen Partnern erfolge eine enge Zusammenarbeit, erklärte eine Sprecherin.

Elf Anschläge konnten verhindert werden

Bei den elf vereitelten Terroranschlägen handelte es sich nach ihren Angaben um folgende Vorkommnisse:

  • Im Jahr 2000 sei ein Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geplant gewesen, bei dem die Haupttätergruppe aus Frankfurt/Main kam.
  • 2002 seien das Jüdische Gemeindezentrum in Berlin sowie zwei Lokale in Düsseldorf.
  • 2003 israelische und US-amerikanische Ziele seien im Visier gewesen.
  • 2004 sei ein Anschlag auf den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi in Berlin und 2005 ein Selbstmordattentat verhindert worden.
  • Das BKA listete auch die 2006 geplanten Anschläge auf Regionalzüge nach Hamm und Koblenz auf, die jedoch daran scheiterten, dass die bereits in den Zügen deponierten Kofferbomben nicht explodierten.
  • Im Jahr 2007 wurden laut BKA rechtzeitig geplante Anschläge der "Sauerland-Gruppe" bekannt.
  • Für 2011 sei ein Sprengstoff geplant gewesen - und ein Schusswaffenattentat.
  • In den Jahren 2012 und 2013 seien der Bonner Hauptbahnhof sowie der Vorsitzende der Partei pro NRW im Visier der Terroristen gewesen.

Zahl der Gefährder in Deutschland stark gestiegen

Das BKA prüft laut Münch laufend mögliche Verbindungen zu den Attentätern von Brüssel. Bislang könne seine Behörde aber nur feststellen, "dass Deutschland als Transitland genutzt wurde und keine direkten Verbindungen bestehen".

Allerdings habe man auch in Deutschland relevante Personen, die gefährlich seien. "Wir zählen aktuell 470 solcher Gefährder, und die Zahl ist in den letzten Jahren stark gestiegen."

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