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28/03/2016 18:19 CEST

Deutscher Botschafter muss sich der Türkei wegen "Extra 3"-Beitrags rechtfertigen

PSSOCIATED PRESS
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

  • Der deutsche Botschafter in der Türkei ist wegen eines Satirebeitrags ins Außenministerium einbestellt worden

  • In dem NDR-Video wird Staatspräsident Erdogan kritisiert

Die Grenzen der Satire sind in der Türkei offenbar sehr schnell erreicht: Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, hat sich wegen eines Beitrags im NDR-Satiremagazin "Extra 3" vor Vertretern des Außenministeriums rechtfertigen müssen. Er sei einbestellt worden und am vergangenen Dienstag zu einem längeren Gespräch erschienen, berichtet "Spiegel Online".

Grund für die ernste Unterredung war ein Beitrag aus der Sendung vom 17. März, in dem es um Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht. Auf die Melodie des Nena-Songs "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" werden darin Menschenrechtsrechtsverletzungen von "Erdowie, Erdowo, Erdogan" angeprangert.

Erdogan wehrt sich heftig gegen Kritik

Thema darin ist auch die Pressefreiheit: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast", heißt es etwa in dem Beitrag. An anderer Stelle: "Gleiche Rechte für die Frauen, die werden auch verhauen." Zudem wird Erdogan mit Micky Maus verglichen und in unschmeichelhaften Posen gezeigt.

Erdogan wehrt sich auf diese Art offenbar erneut sehr drastisch gegen Kritik an ihm. Am Freitag hatte in Istanbul der Prozess gegen die Journalisten Can Dündar und Erdem Gül begonnen. Sie müssen sich unter anderem wegen Spionage und der Vorbereitung eines Staatsstreichs verantworten. Die Anklage wird von Menschenrechtlern als Versuch gewertet, die Pressefreiheit einzuschränken.

Zum Prozessauftakt erschienen auch mehrere hochrangige Diplomaten. Unter ihnen: Martin Erdmann, der deutsche Botschafter.

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