POLITIK
27/03/2016 06:37 CEST | Aktualisiert 27/03/2016 07:20 CEST

Terroranschläge von Paris und Brüssel: Polizei wurde schon vor Monaten gewarnt

Vincent Kessler / Reuters
A masked Belgian police officer takes part in police operations in Schaerbeek following Tuesday's bomb attacks in Brussels, Belgium, March 25, 2016. REUTERS/Vincent Kessler

  • Nach den Terroranschlägen in Paris und Brüssel fahnden Sicherheitsbehörden nach mindestens acht Verdächtigen

  • Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Sicherheitskreise

  • Islamisten kündigten schon im August 2015 Anschläge an

Zwar melden die Fahnder erste Erfolge bei den Ermittlungen zu den Anschlägen in Brüssel - dennoch sind weiterhin mindestens acht Terrorverdächtige der Anschläge in Paris und Brüssel auf der Flucht.

Die Islamisten, darunter mehrheitlich Franzosen und Belgier, sollen sich entweder in Syrien aufhalten oder irgendwo in Europa auf der Flucht sein, schreibt die "Welt am Sonntag". Sie zählen nach Informationen der "Welt am Sonntag" zu den Kontaktpersonen des mutmaßlichen Chef-Logistikers der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, und des in Belgien gefassten Terrorhelfers Salah Abdeslam.

Kopf der Terrorzelle wurde am 15. März erschossen

An der Fahndung nach den Personen ist in Deutschland unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt. Dort wurde nach den Pariser Anschlägen im November die Besondere Aufbauorganisation (BAO) "Echo" eingerichtet, die gegen das Terrornetzwerk ermittelt.

Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen aus Frankreich und Belgien soll der mutmaßliche Kopf der europäischen Terrorzellen des IS der Algerier Mohamed Belkaid alias "Samir Bouzid" gewesen sein, der am 15. März bei einer Polizeiaktion in Belgien erschossen wurde.

Warnung vor großen Terroranschlägen in Europa

Er soll gemeinsam mit Najim Laachraoui alias "Soufiane Kayal", einem Bombenbauer und späteren Brüssel-Attentäter, die Terrorkommandos bei den Pariser Attentaten vom 13. November 2015 von Belgien aus per Telefon angeleitet und koordiniert haben. Der Anführer der Terroristen in Paris soll nach französischen Ermittlungsergebnissen der Belgier Abdelhamid Abaaoud gewesen sein.

Bereits im vergangenen Jahr warnten zwei Dschihadisten in Frankreich vor den Anschlagsplanungen des IS. Der "Welt am Sonntag" liegen Verhörprotokolle von Réda Hame und Nicolas Moreau aus dem Juni und August 2015 vor.

Die beiden Islamisten waren in Syrien vom IS ausgebildet worden und anschließend nach Frankreich zurückgekehrt. Im Verhör mit dem französischen Inlandsgeheimdienst DGSI warnten sie davor, dass große Terroranschläge in Europa bevorstünden.

"Terrorfabrik in Syrien"

"Was ich Ihnen sagen kann ist, dass es sehr bald passieren wird", sagte der IS-Terrorist Hame im Gespräch mit französischen Agenten am 13. August 2015. "Dort (in Syrien) gibt es eine regelrechte Fabrik und sie versuchen in Frankreich oder Europa zuzuschlagen."

Der Syrien-Rückkehrer berichtete auch davon, dass der Belgier Abdelhamid Abaaoud dafür verantwortlich sei, die Anschläge in Europa zu planen. Abaaoud habe ihm geraten, sagte der französische Dschihadist Hame, eine große Menschenansammlung anzugreifen, etwa "ein Konzert".

Opfer von Brüssel identifiziert

Vier Tage nach den Terroranschlägen in Brüssel sind die meisten Todesopfer identifiziert. Bei 24 der 31 von Selbstmordattentätern getöteten Menschen sei nun geklärt, um wen es sich handelt, teilte die Staatsanwaltschaft laut Nachrichtenagentur Belga am Samstag mit. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Aachen.

Mittlerweile geht das Gesundheitsministerium von 340 Verletzten aus - bisher war von 300 Personen die Rede. Rund 100 Verletzte sind danach noch im Krankenhaus, davon 62 auf der Intensivstation. Einige Opfer haben schwere Verbrennungen. Auch der Mann der getöteten Aachenerin liegt nach Angaben vom Freitag noch im Krankenhaus.

Mit Material der dpa

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