POLITIK
27/03/2016 04:26 CEST | Aktualisiert 27/03/2016 06:10 CEST

Margot Käßmann: "Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Liebe zu begegnen"

Margot Käßmann hat einen durchaus radikalen Vorschlag, um auf den Terrorismus zu antworten
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Margot Käßmann hat einen durchaus radikalen Vorschlag, um auf den Terrorismus zu antworten

  • Nach den Anschlägen in Brüssel ruft Margot Käßmann zur Besonnenheit auf

  • Die frühere EKD-Ratspräsidentin forderte, dem Terrorismus mit "Beten und Liebe zu begegnen"

Die frühere EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann hat dazu aufgerufen, terroristische Gewalt wie in Brüssel nicht mit Gegengewalt zu beantworten. "Jesus hat eine Herausforderung hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!", sagte Käßmann im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Und weiter: "Für Terroristen, die meinen, dass Menschen im Namen Gottes töten dürfen, ist das die größte Provokation. Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen."

"Dürfen die Werte der offenen Gesellschaft nicht aufgeben"

Es sind starke Worte von Käßmann, die im Netz - wen wundert es - für eine Welle des Hasses sorgen. Auf Twitter lassen Hunderte Hunderte Nutzer ihrer Wut freien Lauf. Einer kommentierte:

Käßmann scheint mit dieser Reaktion gerechnet zu haben. Im Interview sagt sie:

"Zwar ist es der menschliche Instinkt, Rache zu üben, aber auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung. Die größten Persönlichkeiten in der Geschichte sind nicht Stalin, Hitler oder Pol Pot, sondern Martin Luther King, Mahatma Ghandi oder Aung San Suu Kyi, die nicht mit Gewalt reagierten. Als Christin bin ich fest davon überzeugt, dass wer den Kreislauf der Gewalt durchbricht, am Ende der Mächtigere ist. Jesus wurde unvergesslich, weil er am Kreuz starb und nicht zum Schwert griff."

Zugleich warnte Käßmann davor, die Werte der offenen Gesellschaft im Kampf gegen den Terror aufzugeben. "Ja, der Staat muss seine Bürger schützen", sagte Käßmann. "Aber was wir in Europa an Freiheit erreicht haben, das sollte der Staat nicht durch Terroristen einschränken lassen."

"Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen"

Sie plädierte dafür, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. "Wir sollten unsere Freude und unseren Stolz darüber zeigen, dass wir leben können, wie wir wollen", sagte Käßmann.

"Wir sollten jetzt erst recht auf die Straße gehen, tanzen, in den Cafés sitzen und Fußballspiele nicht absagen. Damit zeigen wir den Terroristen: Wir lassen uns von euch nicht Angst machen! Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen."

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