POLITIK
27/03/2016 03:46 CEST | Aktualisiert 27/03/2016 06:45 CEST

Balkanroute dicht - jetzt bereiten Schlepper eine neue Flüchtlingsroute nach Italien vor

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Schlepper wollen neue Routen über das Mittelmeer anbieten

  • Die Balkanroute ist für Flüchtlinge seit einigen Wochen gesperrt

  • Nun bereiten Schleuser neue Routen nach Europa vor

  • Für die Flüchtlinge sind sie lebensgefährlich

In den vergangenen Tagen kamen kaum noch Flüchtlinge nach Deutschland. Nur noch ein paar Hundert sind es pro Tag, die sich an den Grenzen registrieren lassen. Der Grund ist einfach: Seit Wochen ist die Balkanroute geschlossen, über die vergangenes Jahr Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

Mehrere zehntausend Flüchtlinge sitzen deshalb derzeit in Griechenland fest.

Was viele Experten als Reaktion auf die Schließung der Balkanroute befürchtet haben, trifft nun ein: Schlepper bereiten laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) neue Routen über das Mittelmeer nach Italien vor. Wie Recherchen der "FAS" ergaben, soll das Geschäft in der ersten Aprilwoche in großem Stil beginnen.

Eine Fahrt soll zwischen 3000 und 5000 Euro kosten

Ausgangspunkte für Überfahrten mit Fischkuttern und kleinen Handelsschiffen sollen der türkische Badeort Antalya, die türkische Stadt Mersin nahe der syrischen Grenze und die griechische Hauptstadt Athen sein.

Die Flüchtlinge würden angewiesen, unter Deck zu bleiben, bis die Schiffe internationale Gewässer erreichten, heißt es unter Berufung auf Schleuser, deren Handynummern bei Facebook stünden. Eine Fahrt koste zwischen 3000 und 5000 Euro. Manche Schlepper wollten zwei Fahrten wöchentlich anbieten, einer habe vor, bis zu 200 Personen in ein Schiff zu zwängen.

Die Fahrt nach Italien ist deutlich gefährlicher

Die Fahrt sei deutlich teurer, als von der Türkei aus auf die griechischen Inseln in der Ägäis überzusetzen. Außerdem ist sie auch sehr viel gefährlicher, denn der Seeweg ist deutlich länger. Im Mittelmeer sind in den vergangenen Jahren Tausende Flüchtlinge ertrunken. Die Nachfrage nach neuen Routen steige seit Wochen, heißt es. Der Weg nach Europa könnte für viele Flüchtlinge damit den Tod bedeuten.

Schon jetzt sollen Flüchtlinge, die in Griechenland aus der Türkei ankommen wieder in die Türkei zurückgeschickt werden. Das sieht das Abkommen zwischen der Türkei und der EU vor, das kürzlich geschlossen wurde. Es sieht vor, dass für jeden Flüchtling, der in Griechenland registriert wird und in die Türkei zurückkommt, ein Flüchtling von der Türkei in die EU kommt.

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz hat auf die Möglichkeit einer neuen Route nach Europa schon reagiert. Nach der Schließung der Balkanroute, sollten nun auch die Grenzen entlang der Mittelmeerroute dicht gemacht werden.

Er sagte kürzlich: "Schlepperei lässt sich nicht ganz verhindern. Wir werden daher alles, was wir jetzt an der Westbalkanroute tun, auch entlang der Italien-Mittelmeer-Route tun müssen, damit klar ist, die Zeit des Durchwinkens der Flüchtlinge nach Mitteleuropa ist vorbei - egal auf welcher Route.“

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