LIFE
26/03/2016 13:14 CET | Aktualisiert 26/03/2016 14:54 CET

Was mein Mann von seiner zweiten Frau erwartet

Smiling Mature Man and Woman hiking
Robin Skjoldborg via Getty Images
Smiling Mature Man and Woman hiking

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Gestern Abend fragte mich meine High School-Liebe und Ehemann seit 32 Jahren, ob ich Lust auf eine „Date Night“ hätte. Es war ein anstrengender Tag, aber ich brachte grade noch ein recht begeistertes „Na klar, aber lass‘ uns zu Hause bleiben! Die Kinder sind unterwegs, wir sind ganz allein. Wäre das nicht schön?“ hervor. Minuten später waren wir umgezogen und auf dem Weg in ein Restaurant. Mit meinem Vorschlag, den Abend zu Hause auf dem Sofa mit einer Flasche Sekt und Essen vom Lieferservice zu verbringen, konnte ich meinen Mann nicht überzeugen.

Wenig später saßen wir in einer ruhigen Nische in der Bar eines angesagten Restaurants nicht weit von unserem Haus. Die Atmosphäre war elektrisch, die schönen Menschen jeden Alters und jeder Lebensphase aus unserer Gegend waren hier, um zu sehen und gesehen zu werden.

Als wir saßen, änderte sich auch meine Stimmung. Die Aussicht, mich mit einem Cocktail entspannt zurückzulehnen, die Menschen zu beobachten und uns zu unterhalten, uns gegenseitig von unserem Tag zu erzählen, gefiel mir. Ich war tatsächlich froh, dass wir ausgegangen waren.

Als unsere Getränke kamen, prosteten wir uns zu, nahmen einen Schuck und ließen die Probleme des Tages verschwinden.

Als wir unseren Blick so über die Menschen schweifen ließen, sagte mein Mann plötzlich: „Wahrscheinlich werde ich vor dir sterben, aber wenn aus irgendeinem Grund du zuerst stirbst, dann werde ich sicher keine allzu junge Frau heiraten. Eine Frau in den späten Vierzigern vielleicht, aber Frauen in den Fünfzigern finde ich genauso attraktiv!“

Ist es nicht irgendwie erfrischend, wie dich dein Mann auch nach über dreißig Jahren Ehe noch sprachlos machen kann?

Vielleicht lag es daran, dass es in der Bar dunkel war und auf unserem Tisch nur eine kleine Kerze brannte, aber meinem Mann entging mein Erstaunen. Er machte also damit weiter, die ideale Frau zu beschreiben, die unter Umständen meinen Platz einnehmen könnte…

„Sie sollte natürlich intelligent sein, voller Energie und Liebe. Wenn sie zudem eine gute Hausfrau wäre, wäre das natürlich noch ein Plus.“

Hier ein paar Fakten über mich (Ehefrau Nummer 1):

- Ich bin 52 Jahre alt. Das ist das neue 40, ganz nebenbei bemerkt.

- Ich treibe täglich Sport.

- Ich schnalle mich immer an.

- Ich trinke nicht übermäßig viel.

- Ich rauche nicht den ganzen Tag.

Kurz gesagt, ich habe wirklich nicht vor, bald zu sterben.

Aber hier, in dieser dämmrigen Bar, mit meinem 15-Dollar-Martini in der Hand, hat mein Wunsch, gesund und fit zu bleiben, grade ein ganz neues Level erreicht. Es scheint, als hätte mein zukünftiger Witwer große Erwartungen an seine zweite Frau und auch schon einige stolze Bedingungen aufgestellt, die sie erfüllen muss. Was aber wohl am befremdlichsten ist, ist die Tatsache, dass ich fast so etwas wie Eifersucht gegenüber der Post-Mortem-Vorrats-Frau verspüre.

Lasst uns die Punkte noch einmal zusammenfassen:

Ein heiße Feger in den späten Vierzigern oder Fünfzigern, überdurchschnittlich intelligent und in der Lage, im Schlafzimmer wahre Kunststücke zu vollbringen, nachdem sie noch schnell den Kuchen aus dem Ofen geholt und ein paar Töpfe geschrubbt hat.

Ich schäme mich, es zuzugeben, aber heute Morgen bin ich aufgewacht und sah das Leben mit ganz anderen Augen. Mein Lebenswille war stärker denn je, und er war nie schwach, davon mal ganz abgesehen! Ich bin ein paar Runden um den Block gejoggt, habe 20 Push Ups und 50 Hampelmänner gemacht und einen längst überfälligen Termin für eine Mammographie, eine Darmspiegelung und eine Herzuntersuchung vereinbart. Dann habe ich bei dem Supermarkt um die Ecke für ein paar Vitamine, Orangensaft und eine Flasche Sonnencreme mit Faktor 80 gesorgt.

Ich will dieses Spiel gewinnen. Meine Nachfolgerin hört sich buchstäblich im positiven Sinne „zum Sterben schön“ an!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Link zum Original: https://www.huffingtonpost.com/leslie-blanchard/what-my-husband-wants-in-second-wife_b_9519918.html

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