WIRTSCHAFT
26/03/2016 08:25 CET | Aktualisiert 04/04/2016 14:06 CEST

"Marktcheck": Premium-Produkte von Lidl und Aldi halten nicht, was sie versprechen

Diese gewöhnlichen Artikel sind bei Aldi und Lidl jetzt 800 Prozent teurer
Remy de la Mauviniere/AP
Diese gewöhnlichen Artikel sind bei Aldi und Lidl jetzt 800 Prozent teurer

  • Zu Ostern bieten Aldi und Lidl wieder Produkte an, die von besonders hoher Qualität sein sollen

  • Ein SWR-Magazin kommt zu dem Fazit: Die Lebensmittel sind teurer, nicht besser

  • Eins der Produkte ist sogar 800 Prozent teurer als eines aus dem üblichen Sortiment

Zu Ostern soll nur das Beste auf den Tisch kommen. Die gute Nachricht: Erlesene Lebensmittel feinster Qualität sind zum Discounter-Preis zu bekommen. Denn Aldi und Lidl tischen dieser Tage groß auf für das Festtagsmenü. "Deluxe" heißt die Produktlinie bei Lidl, "Gourmet" steht auf den Artikeln von Aldi.

Das Angebot klingt so lecker als komme es direkt aus der Küche eines Sternerestaurants: Riesengarnelen-Zweierlei, Zanderfilet auf Safrantagliatelle und Spinatpesto, als Nachtisch Birnensoufflé (Aldi). Zweierlei Lachsröllchen, Lammfilet mit Herzoginkartoffeln und Cognac-Senfsoße gefolgt von Schokoladensoufflé (Lidl). Ein Hochgenuss!

"Das kann mir keiner erzählen"

Oder möglicherweise auch reine Geldschneiderei. Schon zu Weihnachten war der Vorwurf aufgekommen, die führenden Discounter würden zu den Festtagen Produkte überteuert unter Premium-Labels vertreiben. Jetzt legt das SWR-Magazin "Marktcheck" nach. Und kommt zu dem Fazit: "Nur weil Gourmet oder Deluxe draufsteht, stecken noch lang keine Delikatessen drin."

Das Magazin hat das Discounter-Angebot mit Unterstützung durch den Mainzer Sternekoch Philipp Stein getestet. Der sagt etwa zu Aldis Riesengarnelen: "Das kann mir keiner erzählen, dass das die beste Qualität ist." Der Fisch-Hauptgang von Lidl überzeugt den Berufsgourmet nicht, "weil das einfach kein hochwertiger Lachs ist, es ist kein Deluxe-Lachs".

Deluxe allerdings sind die Preise: Lachs bei Lidl - 50 Prozent teurer. Öl bei Aldi - ein Plus von 114 Prozent auf dem Etikett. Essig bei Lidl - 800 Prozent teurer als das Standardprodukt. Kann die Qualität solche Aufschläge auch nur ansatzweise rechtfertigen?

"Werbung verspricht mehr, als die Produkte halten"

Eine deftige Klatsche für die Discounter, die ja nicht müde werden, zu betonen, dass sie bei Preisen wie Qualität keinerlei Kompromisse eingingen. Verlegen sie sich stattdessen auf Etikettenschwindel? Bei beiden Premium-Menüs ist ein Soufflé der Nachtisch. Koch Stein urteilt allerdings: In beiden Fällen kann von einem Soufflé im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein. "Die Werbung verspricht also mehr, als die Produkte halten können", heißt es im Fazit der Sendung. Lidl hingegen verteidigt die Bezeichnung als Soufflé, für das typisch sei, dass es sich beim Backen aus der Form hebt und einen flüssigen Kern hat.

Eine Nachricht, die den Discounter-Kunden den Appetit verderben könnte. Die Händler freilich halten dagegen. Auf den Vorwurf, die Garnelen seien gar nichts Außergewöhnliches, verteidigt sich Aldi gegenüber "Marktcheck", die Meeresfrüchte aus dem "Gourmet"-Angebot seien größer und normalerweise nicht im Sortiment. Lidl wird nicht mit einer Stellungnahme zitiert.

Gegenüber der Huffington Post schreibt die Lidl-Pressestelle, die Produkte "heben sich durch Herkunft, Rezepturen,

Zutaten sowie durch aufwändigere Herstellungsverfahren ab" - etwa bei einem Parmesankäse, der sechs Monate länger als üblich gereift sei. Auch das Soufflé werde "aus ausgesuchten Zutaten hergestellt". Aldi war für eine Stellungnahme für die Huffington Post am Samstag zunächst nicht erreichbar.

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