POLITIK
25/03/2016 18:29 CET | Aktualisiert 25/03/2016 18:29 CET

Das Netzwerk: Wie die Anschläge von Paris und Brüssel zusammenhängen

dpa
Khalid El Bakraoui

Gehören die Attentäter von Brüssel und Paris zu einer Terrorzelle? Vieles deutet auf eine Verbindung hin zwischen den Anschlägen auf den Flughafen und die Metro-Station in Brüssel und die Anschlagsserie in Paris im November 2015:

  1. Einer der beiden Brüder - Khalid El Bakraoui - wurde schon vor den Brüsseler Anschlägen wegen der Attentate in Paris gesucht. Er soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Pariser Anschläge genutzt wurde.
  2. Auch eine weitere Wohnung in der Brüsseler Stadtgemeinde Forest lief auf Khalid El Bakraouis Tarnnamen. Dort wurde der 35-jährige Algerier Mohamed Belkaid vergangene Woche bei einer Polizeiaktion erschossen. Auch der Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der am Freitag festgenommen wurde, soll sich dort aufgehalten haben.
  3. Najim Laachraoui, der als zweiter Selbstmordattentäter vom Flughafen identifiziert wurde, soll einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein. Er wurde am Montag vor den Anschlägen in Brüssel öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben.
  4. Laachraoui geriet Anfang September 2015 mit der falschen Identität Soufiane Kayal zusammen mit Abdeslam und Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich.
  5. Die DNA von Laachraoui wurde nach Angaben der Brüsseler Staatsanwaltschaft an mehreren Tatorten in Paris gefunden: dem Stadion Stade de France und dem Musikclub Bataclan. DNA-Spuren wurden außerdem an einem Sprengstoffgürtel entdeckt sowie in einem Mietshaus in Auvelais und in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek. Dort sollen die Pariser Anschläge vorbereitet worden sein.
  6. Im Pariser Vorort Argenteuil wird am Donnerstagabend der Terrorverdächtige Franzose Reda Kriket festgenommen, in einer Wohnung wird Sprengstoff gefunden. Im Zusammenhang mit dieser Aktion gibt es am Freitag in Brüssel weitere Razzien.

Höchstwahrscheinlich werden die Behörden noch weitere Verbindungspunkte finden. Und mit jedem Punkt wird die Frage drängender werden, warum im Zuge der intensiven Ermittlungen nach den Anschlägen von Paris die Belgier nicht viel früher aufgefallen sind.

Politik fordert besseren Datenaustausch

Europas Innenpolitiker und Polizisten forderten in den vergangenen Tagen einen wesentlich besseren Datenaustausch zwischen den EU-Institutionen. Und auch konkrete Fehler gibt es aufzuarbeiten.

Schuldiger an der Fahndundspanne muss sich verantworten

So soll eine der Fahndungspannen nun konkrete Folgen haben: Nach dem Willen des belgischen Innenministers Jan Jambon soll es ein Disziplinarverfahren gegen einen Polizisten geben, der als Verbindungsoffizier in Istanbul tätig war. „Jemand aus dem Polizeiapparat hat gepatzt“, sagte der Minister am Freitag laut Nachrichtenagentur Belga.

Der Polizist habe im vergangenen Jahr erfahren, dass die Türkei einen der späteren Selbstmordattentäter von Brüssel, Ibrahim El Bakraoui, wegen Terrorverdachts festgenommen und schließlich in die Niederlande ausgewiesen hatte. Auf diese Information habe der Verbindungsoffizier nicht schnell genug reagiert, so Jambon.

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