POLITIK
24/03/2016 03:32 CET

Nach den Brüssel-Anschlägen - Maas: "Terroristen sind keine Flüchtlinge"

dpa
Bundesjustizminister Heiko Maas: "Die meisten Männer, die in den vergangenen Monaten diese grauenhaften Anschläge verübt haben, sind bei uns in Europa zu einer terroristischen Bedrohung herangewachsen"

  • Justizminister Maas: Attentäter wachsen meist in Europa zu Terroristen heran

  • Europa müsse Parallelgesellschaften verhindern

  • Zuvor hatte sich EU-Kommissionspräsident Juncker ähnlich geäußert

Bundesjustizminister Heiko Maas sieht nach den Brüsseler Anschlägen weiterhin keinen Grund dafür, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Flüchtlingszustrom und Terrorgefahr herzustellen.

"Die meisten Männer, die in den vergangenen Monaten diese grauenhaften Anschläge verübt haben, sind bei uns in Europa zu einer terroristischen Bedrohung herangewachsen", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Sie sind keine Flüchtlinge."

"Stadtteile wie Molenbeek gar nicht erst entstehe lassen"

Vielmehr müsse die Entstehung von Parallelgesellschaften verhindert werden, um Terrorismus vorzubeugen. "Solche Stadtteile wie Molenbeek sollten möglichst erst gar nicht entstehen", sagte Maas. "Die verrückte Ideologie von islamistischen Terroristen darf für niemanden attraktiver sein als das Angebot unserer freien und demokratischen europäischen Gesellschaft."

In der Brüsseler Gemeinde Molenbeek, die als Islamistenhochburg gilt, war vergangene Woche der Terrorverdächtige Salah Abdeslam gefasst worden, der für die Pariser Anschläge vom 13. November mit 130 Toten verantwortlich gemacht wird.

Debatte um importierten Terrorismus

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich in einem Interview mit der "Welt" ähnlich geäußert. "Die Terroristen von damals (1960er bis 1990er Jahre - Anm. d. Red.), das waren unsere eigenen. Aber wenn ich jetzt mal eine Dimension hinzufüge, die es damals noch nicht gab: das sind religiöse Fanatiker, die Namen tragen, die nicht belgisch, luxemburgisch, deutsch oder französisch klingen", sagte Juncker dem Blatt.

Es mache den Eindruck, erklärt Juncker in dem Interview, als ob der Terrorismus, der Europa heute attackiere, von außen importiert worden sei.

"Dabei wurden diejenigen, die diese Taten begehen, in Wahrheit hier geboren, oft sogar auch ihre Eltern. Sie sind durch unsere Schulsysteme gegangen und haben aktiv an unserem sozialen Leben teilgenommen. Sie vermitteln nur den Eindruck, dass sie von woanders kämen, dabei sind sie von hier!"

Auch auf HuffPost:

Im Mülleimer gefunden: Das steht im Testament des Brüssel-Attentäters