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24/03/2016 15:21 CET | Aktualisiert 24/03/2016 15:35 CET

Deutsches Zugunternehmen will abgetrennte Frauenabteile einführen

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Deutsches Zugunternehmen will abgetrennte Frauenabteile einführen

  • Mitteldeutsche Regiobahn führt spezielle Frauenabteile ein

  • Das entfachte eine Debatte im Netz

Ruhe- und Handybereiche oder Kleinkindabteil: Mit verschiedenen Abgrenzungen soll schon länger garantiert werden, dass sich Zugreisende nicht voneinander gestört fühlen.

Jetzt soll sich diese Trennung aber nicht nur auf die Lautstärke, sondern auch auf Geschlecht beziehen: Die Mitteldeutsche Regiobahn führt in ihren Zügen spezielle Frauenabteile ein. Eingerichtet werden sollen sie in den Wägen, die auf der Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz verkehren, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Frauenabteil in der Nähe des Schaffners

Gedacht sind die Abteile für alleinreisende Frauen und Müttern mit Kindern. Das Ziel: Das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste stärken. Dabei soll auch helfen, dass sich der Bereich direkt neben dem Dienstabteil des Zugpersonals befinden. "Die örtliche Nähe zum Kundenbetreuer ist dabei bewusst gewählt", hieß es in der Mitteilung.

Die Mitteldeutsche Regiobahn gehört nicht zur Deutschen Bahn, sondern zum privaten Konkurrenzunternehmen Transdev GmbH. Dieses betreibt unter anderem die Bayerische Oberlandbahn BOB und mehrere Busunternehmen.

Grund angeblich nicht sexuelle Belästigungen

Die Meldung zu den Frauenabteilen in der MRB hatte eine rege Debatte im Netz ausgelöst. Es kam vor allem die Frage auf, ob es einen Zusammenhang mit der Problematik sexueller Belästigung gebe. Auf Anfrage des "Mitteldeutschen Rundfunks" wies das Unternehmen diesen Verdacht jedoch zurück - stattdessen stehe der Servicegedanke im Vordergrund:

Frauenabteile - international nach wie vor erfolgreich

Wie in dem Statement bereits anklingt, ist die Idee eines Frauenabteils in Zügen alles andere als neu. In Großbritannien wurden die letzten Frauenabteile 1977 als Relikt aus vergangenen Zeiten abgeschafft. Außerhalb von Europa sind Frauenabteile nach wie vor noch üblich. Unter anderem in Indonesien, Indien, Japan und Mexiko reisen Frauen getrennt.

In Europa setzte sich das Konzept bisher nur in den Liegewägen wieder durch. Die Deutsche Bahn bietet in ihrer "City Night Line" reine Damenabteile.

In Waggons mit Sitzplätzchen wurde das Sicherheitskonzept vor fast 15 Jahren in der Schweiz erneut getestet, allerdings wieder eingestellt. Der Grund war die geringe Nutzung.

In Tschechien scheiterte die Idee 2012 schon in der Planung am Widerstand aus der Bevölkerung. Der sogenannte "Väter-Bund" reichte Klage gegen die Bahn ein. Er warf dem Unternehmen Diskriminierung und "Aprtheid-ähnliche Regelungen" vor. Sie kritisierten vor allem, dass so der Eindruck erweckt werde, dass Männer eine Bedrohung für die Frauen seien.

Auch in Großbritannien wurde das Thema vergangenen Sommer erneut kontrovers diskutiert - dort aber in klarem Zusammenhang zum Problem von sexuellen Übergriffen im Zugverkehr.

In dieser Debatte bezeichneten Forscher der Middlesex University die Idee in einer Studie als "Rückschritt", der "beleidigend" sowohl gegenüber Frauen als auch Männern verstanden werden könnte.

Mit Material der dpa

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