POLITIK
23/03/2016 03:51 CET | Aktualisiert 24/03/2016 13:06 CET

Terroristen haben offenbar Belgiens Atomkraftwerke im Visier

  • Terroristen in Belgien könnten auch Atomkraftwerke ins Visier genommen haben

  • Die beiden Kraftwerke werden nur noch mit Minimalbesetzung gefahren

  • Ein Terrorverdächtiger hat offenbar den Leiter des Atomprogramms ausgespäht

Was könnte schrecklicher sein als solche Bombenanschläge wie am Dienstag, als Menschen am Brüsseler Flughafen und in der Metro zerfetzt wurden?

Es ist keine rhetorische Frage. Eine kleine Meldung, die am Dienstag in all dem Drama nur eine von vielen war, vermag eine Antwort zu geben:

Am Nachmittag wurde bekannt, die belgische Atomaufsicht AFCN anordnete, dass alle Mitarbeiter der Atomkraftwerke Doel und Tihange, die nicht dringend im laufenden Betrieb gebraucht werden, nach Hause gehen sollten.

Die Vorkehrungen sollen dem Bericht zufolge das Risiko minimieren, dass Personen, die Böses im Schilde führen, auf das Gelände gelangen.

Atomforscher ausgespäht

Es gibt Hinweise, dass sich Terroristen bereits intensiv mit einem Anschlag auf Atomkraftwerke auseinandergesetzt haben. Die belgische Tageszeitung "Dernière Heure" hatte bereits am 18. Februar berichtet, dass bei einem Verdächtigen namens Mohamed Bakkali im Zusammenhang mit den Attentaten von Paris im November ein Video gefunden wurde.

Offenbar hat der Verdächtige den Leiter des Forschungs- und Entwicklungsprogramms für Kernenergie in Belgien beobachtet. Das Video soll um die zehn Stunden Material enthalten und ein Haus in Flandern zeigen, in dem sich der Leiter befand.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in den Atomkraftwerken

Bis auf Weiteres sollen die belgischen Atomkraftwerke mit Minimalbesetzung betrieben werden – wie an Wochenenden. "Etwa tausend Personen arbeiten in solch einer Anlage. Sie werden alle einer genauen Prüfung unterzogen, aber wir gehen kein Risiko ein", hieß es bei der AFCN.

Der Betreiber Electrabel unterstrich im Kurzmitteilungsdienst Twitter, dass es keine Evakuierung gegeben habe. Vielmehr sei verzichtbares Personal nach Hause geschickt worden. Allerdings bestätigte Electrabel erhöhte Sicherheitsvorkehrungen:

Tihange liegt 70 Kilometer von Aachen entfernt nahe der ostbelgischen Stadt Lüttich. Der Standort besteht aus drei Druckwasserreaktoren. Zuletzt waren dort 940 Mitarbeiter beschäftigt. Doel liegt bei Antwerpen. Der Standort hat vier Druckwasserreaktoren. Dort waren zuletzt rund 880 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit Material von dpa

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