POLITIK
23/03/2016 04:11 CET | Aktualisiert 23/03/2016 04:21 CET

Das sind die 5 größten Rätsel um die Brüsseler Anschläge

Ein Verletzter nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen
AP
Ein Verletzter nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen

Nach der ersten Flut von verwirrenden Meldungen ordnet sich das Bild der Terroranschlägen in Brüssel. Doch viele Fragen bleiben.

Die Anschlagserie begann kurz nach 08.00 Uhr auf dem Flughafen Zaventem. In der Abflughalle gab es zwei schwere Explosionen. Bilanz: mindestens 14 Tote am Flughafen, etwa 100 Verletzte. Punkt 09.11 Uhr dann noch ein Anschlag, dieses Mal in der Metro-Station Maelbeek, mitten im EU-Viertel.

In einer U-Bahn, die gerade steht, explodiert ein Wagen - vermutlich eine Bombe. Bilanz hier: mindestens 20 Tote und etwa 130 Verletzte.

Doch viele Fragen rund um die Anschläge sind noch lange nicht geklärt. Das sind die fünf größten Rätsel, vor denen die Ermittler stehen.

1. Wurde die Attacke in Brüssel vom Terror-Netzwerk um Salah Abdeslam ausgeführt?

Noch ist unklar, ob die Terrorzelle um den Paris-Attentäter Salah Abdeslam hinter dem Angriff von Paris steht.

Bei zwei der Attentäter soll sich um die Brüder El Bakraoui handeln. Sie sollen Verbindungen zu Abdeslam gehabt haben.

Zwei andere Komplizen, Najim Laachraoui und Mohamed Abrini , werden namentlich gesucht. "Für den Augenblick ist es nicht möglich, eine formale Verbindung zu den Anschlägen von Paris herzustellen", sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz.

2. Steht der Anschlag in Verbindung mit der Festnahme von Salah Abdeslam?

Die größte Frage: Hängen die Bluttaten mit der Festnahme eines der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam, am Freitag in Brüssel zusammen? Die Anschläge könnten eine Racheaktion für die Festnahme des Terroristen Salah Abdeslam gewesen sein, der an den Attacken in Paris am 13. September beteiligt gewesen war.

Es könnte sein, dass die Festnahme von Abdeslam die Terroristen unter Druck setzte. Vielleicht befürchteten sie, dass der Paris-Attentäter der Polizei ihren Anschlagsplan verraten könnte, und zogen ihre Attacke daher vor.

Der Terror-Experte Peter Neumann sagte gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Anschläge dieser Art werden über Wochen und Monate geplant, weshalb ich nicht glaube, dass der Plan erst am Freitag nach der Festnahme gefasst worden ist. Aber möglicherweise wurde der Anschlag deshalb vorgezogen und verfrüht in die Tat umgesetzt."

3. War der Anschlag auf die Metro-Station Maelbeek ein Selbstmord-Attentat?

Um 09.11 Uhr detonierte in der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel eine Bombe, die mindestens 20 Menschen tötete und 130 verletzte. Während es von den Angreifern bei der Attacke auf den Flughafen Video-Aufnahmen gibt, wurde zu dem Anschlag auf die Metro noch nichts bekannt.

War es ebenfalls ein Selbstmord-Attentat? Gab es also auch einen vierten Attentäter? Oder detonierte eine ferngezündete Bombe, möglicherweise auch mit Zeitzünder?

4. Warum sprengte sich ein Attentäter am Flughafen nicht in die Luft?

Auf Videoaufnahmen kurz vor den Explosionen ist zu sehen, wie drei Attentäter die Abflughalle betreten und dabei Gepäckwagen mit großen Taschen vor sich herschoben, in denen sich offenbar die Bomben befanden. Zwei der Männer trugen jeweils einen einzelnen Handschuh, der wahrscheinlich den Auslöser der Bombe verdecken sollte. Ihre Gesichter sind erkennbar.

Der dritte Mann trug keinen solchen Handschuh und er verdeckte sein Gesicht mit einem Hut und einer Brille. Anstatt sich in die Luft zu sprengen, ließ er seine Bombe zurück und verließ den Flughafen. Mache er einen Rückzieher - wie Abdeslam bei den Attacken in Paris?

Oder sah der Plan vor, dass er bei dem Anschlag nicht ums Leben kommt - um weitere Terroranschläge vorzubereiten? In diesem Fall könnte es sein, dass seine Bombe mit einem Zeitzünder versehen war. Das würde erklären, warum er keinen Handschuh trug.

Der Sprengsatz wurde kontrolliert gezündet - daher wird es länger dauern, bis feststeht, ob er eine Zeitbombe war oder durch einen Selbstmordattentäter gezündet werden sollte.

5. Planten die Attentäter einen Angriff auf ein Atomkraftwerk?

Im belgischen Atomkraftwerk Tihange wurden alle Mitarbeiter, die nicht unbedingt gebraucht werden, nach Hause geschickt. Hintergrund dieser Evakuierungen war offenbar, dass auf dem Handy eines Paris-Attentäters Fotos und Filme von Kernkraftwerken und Mitarbeitern, die dort arbeiten, gefunden worden sind.

Dazu sagte Terror-Experte Neumann in der "Bild": Ich glaube nicht, dass ISIS dazu fähig ist, eine Kernschmelze auszulösen. Dennoch traue ich den Terroristen einen konventionellen Anschlag auf ein Atomkraftwerk zu, was einen enormen psychologischen Effekt auf die Bevölkerung hätte."

Mit Material der DPA

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