POLITIK
23/03/2016 13:14 CET

Das ist die wahre Geschichte hinter Erika Steinbachs rassistischem Twitter-Bild

dpa
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach

  • Erika Steinbach hat auf Twitter ein Bild mit einer rassistischen Botschaft geteilt

  • Tatsächlich soll das Foto für Toleranz und Verständnis werben

Erika Steinbach, Bundestagsabgeordnete der CDU, landete am 27. Februar einen viralen Hit - so muss man es wohl nennen. Der Inhalt allerdings war ein peinlicher rassistischer Ausfall: Das Foto eines kleinen blonden Kindes, das einer Gruppe indischer Mädchen gegenübersteht - betitelt mit dem Text: "Deutschland 2030 - woher kommst du denn?"

Der Tweet sollte wohl ein Statement gegen die sogenannte Überfremdung sein, Angst ausdrücken vor einer völligen Übernahme Deutschlands durch Einwanderer (in rechten Kreisen Volkstod genannt). Nun ist bekannt geworden, welche Geschichte wirklich hinter dem Foto steht - es ist eine völlig andere als die, die Erika Steinbach erzählen will.

Recherchiert hat die Geschichte des Bild der NDR-Journalist Fiete Stegers vom Medienmagazin "Zapp". Nach Hinweisen von Zuschauern und Internetnutzern ist die Quelle nun aufgedeckt: die Fotocommunity eines US-Magazins. Dort wurde es im Januar 2012 hochgeladen.

Das Foto zeigt den Besuch einer australischen Familie in einem Kinderheim im indischen Chennai. "Zapp" hat die Eltern des Kinds kontaktiert. Die sagten über die Verwendung des Bild in einem ganz anderen Kontext: "Wir sind sehr traurig, dass das Bild für solche Propaganda verwendet wird. Wir hatten genau das Gegenteil im Sinn." Tatsächlich hätten sie dem Heim zu Aufmerksamkeit verhelfen wollen - die Aufnahme sei in einem "Moment voller Liebe und Freude" entstanden.

Auch die Leiterin des Kinderheims äußerte sich zu dem Tweet: "Als ich gehört hatte, wofür das Foto meiner Mädchen missbraucht wurde, konnte ich den ganzen Abend nichts mehr machen. Ich habe mir die ganze Zeit nur die Frage gestellt: Warum macht jemand so etwas?"

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