POLITIK
23/03/2016 13:03 CET | Aktualisiert 23/03/2016 13:21 CET

Wie Russland den Terror in Brüssel für seine perfide Propaganda nutzt

ASSOCIATED PRESS
Russian President Vladimir Putin, foreground, walks to meet with Morocco's King Mohammed VI in the Kremlin in Moscow, Russia, Tuesday, March 15, 2016. Moroccan King Mohammed VI is on an official visit in Russia. (Maxim Shipenkov/Pool photo via AP)

  • Russische und ukrainische Medien nutzen die Brüsseler Attentate für Propagandaschlacht

  • Die Ukraine macht Putin für die Anschläge verantwortlich

  • "Russia Today" schob die Schuld auf drei Terroristen aus Weißrussland

Dass Medien wie "Russia Today" oder "Sputnik News" einen kremlnahen Blick auf die Welt haben, ist bekannt. Kurios ist aber, wie die Anschläge in Brüssel im Osten Europas zu einem Propagandagefecht zwischen der Ukraine und Russland geführt haben.

Kurz nachdem die Nachricht über Explosionen in einer Brüsseler Metro-Station bekannt wurden, meldete sich der Chef des ukrainischen Sicherheitsdienstes, Wasilij Grizak, bei dem Onlineportal "Liga.net" zu Wort. Er machte Russland verantwortlich für die Anschläge in Brüssel, sie seien Teil von Putins hybridem Krieg gegen den Westen.

"Russia Today" blockt "originelle These" ab

„Kein Wunder, wenn die Attentate ein Trick von Russland im Hybrid-Krieg sind. Jetzt wird doch die Schuld dem Islamischen Staat zugeschrieben. Ich mache keine Feststellungen, nur Vermutungen“, sagte Grizak dem Nachrichtenportal "Liga.net".

Die kremlnahen Seite "Russia Today" reagierte prompt. Grizaks Äußerung bezeichnete der Kommentator des Nachrichtenportals ganz süffisant als "originelle These". Als Reaktion zitierte das Magazin die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. Sie verurteilte Grizaks Äußerung als „höchst zynisch“.

Laut russischen Sicherheitsdiensten stammen Brüssel-Attentäter aus Weißrussland

Doch auch das russische Nachrichtenportal nutzte die unübersichtliche Nachrichtenlage, um fragwürdige Informationen zu streuen. Stunden bevor sich der IS zu den Anschlägen bekannte, nannte "Russia Today" bereits konkrete Namen der möglichen Attentäter: Drei Männer aus Weißrussland hätten die Verhaftung des Drahtziehers der Pariser Anschläge, Salah Abdeslam, gerächt, hieß es bereits am Dienstag Mittag.

Der Bericht bezog sich auf ein Interview von Sergej Gontscharow, Vorsitzender des Veteranenverbandes des russischen Anti-Terror-Kommandos Alpha. Dem russischen Fernsehsender "Life News" sagte Gontscharow am Dienstagvormittag, dass russische Sicherheitsdienste Belgien über einen bevorstehenden Anschlag informiert hätten.

Weiter hieß es, drei Weißrussen könnten die Anschläge in Brüssel verübt haben. Darunter zwei Brüder, die Ende Februar nach Belgien gereist seien und von dort aus weiter in ein Trainingslager der Terroristen nach Syrien gefahren seien. Nach dem Training seien die drei Männer wieder in die Europäische Union eingereist, berichtete "Russia Today".

"Sputnik" beruft sich auf weißrussischen Inlandsgeheimdienst

Aufgegriffen wurde die Meldung auch vom Nachrichtenportal "Sputnik", das 2014 vom staatlichen russischen Medienunternehmen Rossija Sewodnja gegründet wurde. Demnach würden die Hinweise auf die möglichen Attentäter aus Weißrussland vom weißrussischen Inlandsgeheimdienst stammen.

Konkret habe der Pressesprecher des weißrussischen Inlandsgeheimdienstes Dmitri Pobjarschin von zwei Personen namens Alexej und Iwan Dowbasch gesprochen, die der Organisation von Terroranschlägen in Brüssel verdächtigt würden.

Was genau hinter der russischen Propaganda und den Einwürfen aus Kiew steckt, lässt sich im Nachhinein nicht sagen. Die Auseinandersetzungen zeigen aber, dass Russland in seinen Propagandaaktivitäten vor nichts zurückschreckt.

Inzwischen hat der belgische Rundfunksender RTBF zwei der drei Attentäter unter Berufung auf die Polizei identifiziert. Bei den toten Selbstmordattentätern soll es sich um die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui handeln. Demnach sind sie der Polizei bekannt gewesen, hätten aber nicht unter Terrorverdacht gestanden.

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