POLITIK
22/03/2016 13:25 CET | Aktualisiert 23/03/2016 10:10 CET

So missbraucht eine Journalistin den Terror von Brüssel für eine politische Botschaft

The Washington Post via Getty Images
CAMBRIDGE, UNITED KINGDOM - FEBRUARY 3: British writer Allison Pearson, the mother of 'mommy lit', who is debuting her much-anticipated second novel. Photographed February 3, 2011 in Cambridge. (Photo by Emily Mott/The Washington Post via Getty Images)

  • Die Anschläge von Brüssel erschütterten die Welt - und wurden für politische Botschaften instrumentalisiert

  • So auch von einer britischen Journalistin, die mit einem Statement für Ärger sorgte

Nicht nur in Deutschland versuchen politische Akteure bereits, die schrecklichen Anschläge von Brüssel für ihre Zwecke zu nutzen.

Auch in anderen europäischen Ländern und den USA mischen sich unter die Beileids- und Solidaritätsbekundungen politische Kampfbotschaften.

Allison Pearson, Kolumnistin des britischen „Telegraph“ und überzeugte EU-Gegnerin, vereinnahmte das tödliche Attentat, um für den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, zu werben.

Pearson twitterte: "Brüssel, de facto Hauptstadt der EU, ist zudem auch die Dschihadisten-Hauptstadt Europas. Und die Unterstützer des EU-Verbleibs wagen es da noch zu sagen, wir seien sicherer in der EU!“

Die Kritik folgte prompt

Völlig zu Recht hagelte es nur kurz nach ihrem Tweet Kritik aus allen Richtungen: Führende Politiker und renommierte Journalisten verurteilten den Beitrag Pearsons als „furchtbar“ und „respektlos“.

Nicht nur ist die Aussage Pearsons – so unmittelbar nach den Vorfällen - pietätlos, sie zeugt auch von brutaler Naivität.

EU als Anti-Terror-Gemeinschaft

Einer Erklärung, wie ein EU-Austritt Großbritannien zu einer größeren Sicherheit vor terroristischen Anschlägen verhelfen solle, bleibt die Kolumnistin schuldig.

Denn die EU bietet ein starkes Vehikel für eine gemeinsame Anti-Terror-Arbeit. Im Rahmen eines Aktionsplans zur Terrorismusbekämpfung wird seit Jahren - unter großem finanziellen Aufwand - an einer gemeinsamen Lösung des Sicherheitsproblems gearbeitet. Eine gemeinsame Strategie, die sich, das vergisst man an Tagen wie dem heutigen leicht, bislang im Großen und Ganzen bezahlt macht.

Noch gibt es Verbesserungspotential, zum Beispiel bei der Kommunikation von Daten zwischen den Geheimdiensten. Ein Ausklinken aus dem Euroraum scheint jedoch kaum die sicherere Lösung zu sein.

Denn dass ein EU-Austritt Großbritanniens das Königreich zu einem für Terrororganisationen weniger attraktiven Ziel machen würde, ist zu bezweifeln. Der IS etwa beschränkt sich bei weitem nicht auf Ziele in der Europäischen Union, wie auch die Anschläge in Istanbul und Beirut zeigen.

Großbritannien ist zudem ohnehin kein Mitglied des Schengen-Raums und somit nicht an die europäische Grenzpolitik gebunden. Angst vor den Risiken offener Grenzen kann somit nicht hinter Pearsons bizarrem Tweet stecken.

Anschläge könnten Abstimmung beeinflussen

Der Telegraph-Journalistin scheint derzeit jede Maßnahme Recht zu sein, um für den EU-Austritt Großbritanniens zu werben. Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib ab. Manche scheint der Terror von Belgien zu einem "Nein“ zur EU bewegen.

Bei anderen könnte die Erkenntnis wachsen, dass ein europäischer Zusammenhalt in Zeiten wie diesen so wichtig ist wie nie.

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