WIRTSCHAFT
21/03/2016 15:20 CET | Aktualisiert 22/03/2016 05:03 CET

Südeuropäische Haushalte haben mehr Geld als deutsche

Italienische Haushalte haben mehr Geld als deutsche
Andrew Bret Wallis via Getty Images
Italienische Haushalte haben mehr Geld als deutsche

  • Die deutsche Bundesbank hat veröffentlicht, wie viel deutsche Haushalte im Schnitt besitzen

  • Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit schlecht da

Ungleich, ungleicher, unfair. So ließen sich die wichtigsten wirtschaftlichen Botschaften dieses Montags zusammenfassen.

Mal geht es um die Finanzen der Bundesländer, mal um die Armut in Deutschland – und „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) der Bundesbank geht es darum, wie viel Geld deutsche Haushalte haben – auch im internationalen Vergleich.

Die Bundesbank hat dazu im Jahr 2014 bei 4500 Haushalten nachgefragt, wie viel Geld in Form von Immobilien, Schmuck, Autos, Aktien und andere Wertgegenstände sie besitzen.

214.500 Euro im Schnitt

Das Ergebnis: Im Schnitt verfügt jeder Haushalt 240.200 Euro brutto. Zieht man die Schulden ab, bleiben noch 214.500 Euro. Das klingt erst einmal üppig – und ist auch geringfügig mehr als noch vier Jahre zuvor (brutto: 222.200 Euro, netto 195.200 Euro).

Ungleich verteilt - in Deutschland und Europa

Aber: Die Verteilung ist sehr ungleich. 10 Prozent der reichsten Haushalte gehören 60 Prozent des Nettovermögens. Innerhalb der EU steht Deutschland damit nicht gut da. „Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum – relativ ungleich verteilt“, heißt es in dem Bericht des Bundesbank.

Das Vermögen der deutschen Normalverdiener bleibt damit weit unter den Vermögen der Italiener, auch wenn diese in den Jahren der Krise gesunken sind. Das zeigen die neue Daten aus der Bundesbank-Befragung tausender Haushalte sowie einer entsprechenden Umfrage der italienischen Zentralbank.

Demnach hatte der mittlere Haushalt (Median) in Deutschland im Jahr 2014 rund 60.000 Euro Nettovermögen, wie die Bundesbank am Montag mitteilte. Der Median-Haushalt in Italien hatte hingegen 138.000 Euro.

Der Median-Haushalt teilt die Gesamtheit der Haushalte in zwei Hälften, die eine ist ärmer, die andere reiche. Er ist deutlich aussagekräftiger als das schlichte Durchschnittsvermögen. Der Median zeigt eher, wie hoch das Durchschnittsvermögen tatsächlich ist. Schließlich wird der pure Durchschnitts-Wert des Vermögens durch einige wenige Superreiche dramatisch verzerrt.

Letzterer unterscheiden sich zwischen Deutschland und Italien weniger: Hierzulande beträgt das durchschnittliche Vermögen der Privathaushalte 214.500 Euro, in Italien sind es 218.000 Euro. Doch hier schlagen die Milliarden-Vermögen von Dynastien wie etwa den BMW-, Lidl- oder Aldi-Erben durch.

Zum Vermögen gehörten bei beiden Studien sowohl Geldvermögen und Finanzanlagen als auch Sach- und Immobilienwerte, davon werden eventuelle Schulden und Hypotheken abgezogen.

Doch selbst mit der durch die vielen deutschen Millionäre verzerrten absoluten Höhe ihres Vermögens stehen die Deutschen im europäischen Vergleich nicht besonders gut da. Als die Bundesbank vor einigen Jahren solche Ergebnisse erstmals veröffentlicht hatte, war die Fassungslosigkeit groß gewesen. Denn etwa in Spanien war das Nettovermögen dreimal so hoch gewesen wie in Deutschland.

Das deutsche Median-Vermögen lag damals in Deutschland mit 51.400 Euro weit unter dem Durschnitts-Median im Euroraum von rund 109.000 Euro. Angesichts der vielen Milliarden Euro an Stabilisierungshilfen für Länder wie Griechenland, Portugal und Zypern bergen solche Zahlen einigen politischen Sprengstoff.

Abstand zu Italien ist kleiner geworden

Zwar weist die Bank darauf hin, dass die Vergleichszahlen für 2014 aus vielen Ländern außer Italien und Deutschland noch nicht vorliegen. Aber noch immer dürfte Deutschland unter dem Euro-Durchschnitt liegen. Und das nicht nur beim Median. Allerdings hat sich der Abstand zwischen Deutschland und den südeuropäischen Staaten vermutlich verringert.

Darauf deuten die italienischen Zahlen hin. Während das durchschnittliche Nettovermögen in Deutschland um zehn Prozent auf 214.500 Euro stieg, sank es in Italien um 16 Prozent auf 218.000 Euro.

Dass in vielen Ländern das Vermögen der Menschen offenbar größer ist, als in Deutschland, hat mehrere Gründe - wohl der Wichtigste: in Deutschland besitzen nur 44 Prozent der Haushalte eine selbst genutzte Wohnimmobilie. In Italien, Spanien oder Griechenland sind es weit mehr.

Und, bevor nun der Neid zu groß wird: Ansprüche aus der gesetzlichen Rente zählen nicht zu der Erhebung – und das ist in Deutschland ein wichtiger Baustein im Vermögen.

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