POLITIK
21/03/2016 23:18 CET | Aktualisiert 21/05/2016 12:01 CEST

"Hart aber fair": Wiso-Journalist gibt Sparern einen bitteren Rat

DPA
Der "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg

Jeden Tag verliert unser Erspartes an Wert. Seit EZB-Chef Mario Draghi den Zins auf Null geschraubt hat, ist das Thema Sparen wieder aktuell. Wer sein Geld zur Bank trägt, verliert: Für Überziehung des Kontos holen sich die Banken etwa zehn Prozent, jegliches Guthaben wird demnächst vielleicht sogar noch bestraft.

Aktien, Sparstrumpf oder es doch mit beiden Händen ausgeben? Das war die Frage, die sich die Gäste in Frank Plasbergs Sendung "Zocker belohnen, Sparer bestrafen - Zinspolitik gegen die Bürger?" stellten.

Sarah Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken: "Seit der Finanzkrise hat sich nichts verändert"

Die Linke bekommt an diesem Abend den meisten Applaus. Natürlich bemüht sie die Standardphrase ihrer Partei, dass "die Reichen stärker besteuert werden müssen". Sie geht als Volkswirtin aber durchaus in die Tiefe. Die weltweiten Verschuldungen – politisch wie privat – "können nicht bedient werden". Und auch wenn diese These vielleicht nicht durchdringend belegt werden kann: "Seit der Finanzkrise 2008/2009 hat sich nichts verändert." Heißt: Die Banken deklarieren ihre Produkte um, beraten aber genauso wenig sinnhaft wie zuvor.

Michael Opoczynski, "WISO"-Journalist: "Riester und Rürup machen keinen Sinn"

Ähnlich sieht es der Finanzjournalist Opoczynski. Er war lange der Mann fürs Geld beim ZDF. "Es lohnt sich nicht zu sparen", sagt der einstige "Wiso"-Mann. Auch das: "Riester und Rürup machen keinen Sinn." Das Grundproblem sieht der Finanzfachmann darin, "dass Kunden glauben, sie werden von Banken objektiv beraten".

Er kennt Fälle von Menschen, die fürs Alter zurücklegen wollten und dann merkten, dass sie 104 Jahre alt werden müssten, um in den Genuss ihres Ersparten kommen zu können. "Der Sinn des Sparens ist vorbei, und ich bleibe dabei, es ist im Moment nicht sinnvoll."

Michael Kemmer, Geschäftsführer Bundesverband deutscher Banken: "Es gibt keinen realen Verlust"

Bei solcher Kritik hat es der Bänker nicht leicht. Kemmer schägt sich aber wacker. Er weist darauf hin, dass man die niedrige Inflation bei der Rechnung berücksichtigen müsse. "Es gibt keinen realen Verlust", sagt er. Es bewege sich alles in die "richtige Richtung". Und auch das zum Thema Kleingedrucktes: "Der Kunde muss nur richtig lesen."

Ralph Brinkhaus, Finanzpolitiker der CDU: "Nicht zu sparen ist verantwortungslos"

Der CDU-Mann versuchte zu Anfang noch die These, dass sich Sparen eben doch lohne. Er betont, dass es verantwortungslos sei zu sagen, dass junge Leute nicht mehr sparen sollen.

Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker: "Wir haben ein gesellschaftliches Problem"

Der Ex-Banker spricht von einem "Endspiel“ in der Finanzwelt. "Wir haben ein gesellschaftliches Problem“, resümiert er. Die Gier sei groß, bei den Finanzproduktverkäufern, aber auch ebenso bei Anlegern. Und sein Symbol aus dem Fußball trifft es doch ganz gut: "Herr Ribéry kickt auch nicht für 5000, wenn er weiß, dass Ronaldo 10 Millionen kriegt."

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