POLITIK
20/03/2016 12:21 CET | Aktualisiert 20/03/2016 13:35 CET

Pfarrer provoziert mit Rassismus-These: Muslime sind selbst Schuld an Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit
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Islamfeindlichkeit

  • Ein früherer Pfarrer glaubt, dass bestimmte Muslim-Gruppen mitverantwortlich für Islamfeindlichkeit seien

  • Jürgen Miksch engagiert sich gegen Rassismus

  • Ein Verband weist eine seiner Thesen zurück

Der Mann weiß, wovon er redet - sollte man jedenfalls meinen: Jürgen Micksch, früherer evangelischer Pfarrer und Gründer der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl ist praktisch von Haus aus ein erklärter Gegner des Rassismus.

Gerade finden in Deutschland die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt, veranstaltet von einem gleichnamigen Verein, dessen Vorsitzender er ist. Umso erstaunlicher, in welche Thesen sich der 75-Jährige nun verstiegen hat. Es geht um Feindlichkeit gegen Muslime - und wer dafür verantwortlich ist.

In einem Thesenpapier fasst Micksch sechs Gründe für Rassismus gegen Anhänger des Islam zusammen, wie die "Welt" berichtet. Darauf sind die zu erwartenden Punkte zu finden: Medien, Politik, islamistischer Terror etwa. Nummer sechs allerdings hat es in sich: Muslime selbst seien schuld an der Islamophobie.

"Schreckliche Erfahrungen gemacht"

Jedenfalls eine Untergruppe: islamfeindliche Muslime. Bei Micksch heißt es dazu, es gebe Gruppen unter den Muslimen, die Vorurteile aufgriffen und sie bestätigten - und so dafür sorgten, dass sie in der öffentlichen Diskussion wiederholt werden. So verfestigten sich dann Vorurteile, die die Grundlage für islamophoben Rassismus bilden.

Beispielsweise hätten Aleviten, Anhänger einer in der Türkei verbreiteten Strömung des Islams, "mit ihren Familien so schreckliche Erfahrungen in der Türkei gemacht, dass sie hier aggressiv auf Muslime reagieren und Debatten zum Beispiel in gewerkschaftlichen, politischen oder medialen Bereichen prägen", heißt es in dem Thesenpapier. Ähnlich gelagert sei der Fall bei Christen aus dem Nahen Osten, die durch Muslime verfolgt wurden.

Verbände weisen Mickschs Äußerungen zurück: So seien geflüchtete Christen, die vor ihren muslimischen Verfolgern Schutz suchen würden, in ihrer Haltung nicht rassistisch, heißt es etwa vom Zentralrat Orientalischer Christen.

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