POLITIK
20/03/2016 05:40 CET | Aktualisiert 20/03/2016 06:44 CET

Warum deutsche Flüchtlingsunterkünfte massenhaft leer stehen

Über 200 Feldbetten für die Erstunterbringung von Flüchtlingen stehen am 07.09.2015 in der Neuwerker Sporthalle (Nordrhein-Westfalen)
dpa
Über 200 Feldbetten für die Erstunterbringung von Flüchtlingen stehen am 07.09.2015 in der Neuwerker Sporthalle (Nordrhein-Westfalen)

  • In etlichen Bundesländern stehen als Flüchtlingsunterkünfte genutzte Turnhallen wieder leer

  • Dabei gibt es ein großes Gefälle zwischen Ost und West

Zwischen Fußballtoren und Basketballkörben lief lange Zeit überhaupt nichts: Die Turnhallen der Republik wurden gebraucht, weil Flüchtlinge untergebracht werden mussten. Feldbetten standen eng aneinander, selbst die größten Hallen waren hoffnungslos überfüllt.

Doch nun wird zumindest mancherorts wieder geturnt in deutschen Sporthallen. Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünfte stehen im Schnitt zur Hälfte leer, wie eine Recherche der "Welt am Sonntag" ergab.

Dabei gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während in Bremen weiterhin jede noch so dünne Matratze belegt ist, sind in Thüringen gerade einmal 18,6 Prozent der Kapazitäten ausgeschöpft.

Darum ist die Lage im Osten komfortabler

Generell gibt es ein deutliches Gefälle zwischen Ost und West: Thüringen und Sachsen bilden bei der Belegungsquote die Schlusslichter, Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegen im Mittelfeld, an der Spitze stehen die Stadtstaaten. Hessen hatte zwischenzeitlich 23 Hallen als Übergangsunterkünfte ausgewiesen - sie sind alle wieder Stätten des Sports.

Die Unterschiede zwischen den Ländern seien im sogenannten Königsteiner Schlüssel begründet, heißt es in dem Bericht. Demnach müssen Länder mit höherem Steueraufkommen und höherer Bevölkerung mehr Flüchtlinge aufnehmen - das trifft typischerweise die West-Länder. Zudem stehen im Osten generell mehr Immobilien leer, was die Unterbringungslage komfortabler macht.

Auch wenn die Route über den Balkan abgeriegelt ist und der Flüchtlingsandrang deutlich nachgelassen hat, bedeutet das nicht, dass die Massenunterkünfte nun dauerhaft ihrem eigentlichen Zweck zur Verfügung stehen: Im Sommer dürften die Zahlen wieder kräftig steigen. Die Länder bereiten sich darauf vor: Manche, wie Schleswig-Holstein und Hamburg, stocken die Kapazitäten sogar auf.

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