POLITIK
20/03/2016 03:23 CET | Aktualisiert 20/03/2016 04:59 CET

Wagenknecht: "AfD-Wähler nicht in die rassistische Ecke stellen"

dpa
Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht wirbt um AfD-Wähler

  • Wagenknecht warnt vor Kritik an AfD-Wählern

  • Der Streit bei den Linken scheint sich zuzuspitzen

  • Parteichefin Kipping hatte sich zuvor von Wagenknecht distanziert

Viele Wähler der Linken dürften derzeit ziemlich verwirrt sein. Nicht nur, dass ihre Partei im Nebel stochert, was eine gemeinsame Linie beim Kurs in der Flüchtlingspolitik betrifft. Da ist auch noch Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, die immer wieder betont, es könnten nicht alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen - und sich dabei ein bisschen so anhört, als wäre sie in der CSU.

Wagenknecht hatte am Tag vor den Landtagswahlen in einem Zeitungsinterview von "Kapazitätsgrenzen und Grenzen der Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung" gesprochen.

"AfD-Wähler nicht in die rassistische Ecke stellen"

Jetzt hat die Linke-Politikerin ihren Kritikern erneut Zündstoff geliefert. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" warnt die Linke-Politikerin davor, nach den schlechten Wahlergebnissen ihrer Partei AfD-Wähler und andere Gegner der Flüchtlingspolitik als Rassisten zu bezeichnen.

"Wir müssen darüber nachdenken, warum wir den Zugang zu einem erheblichen Teil unserer früheren Wähler verloren haben", sagte Wagenknecht dem Blatt.

Kipping: "AfD ist teilweise faschistische Partei"

"Natürlich darf man nicht pauschal alle Menschen, die sich angesichts hoher Flüchtlingszahlen noch stärker um Arbeitsplätze, Sozialleistungen, Wohnungen und steigende Mieten sorgen, in eine rassistische Ecke stellen." Das gelte auch für Wähler der AfD, erklärte Wagenknecht.

So manch einer in ihrer Partei dürfte diese Aussagen als offenes Werben um Wähler der Rechtspopulisten deuten.

Bei den Landtagswahlen vom 13. März hatte die Linke in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg den Einzug in die Landtage verpasst und in Sachsen-Anhalt deutlich Stimmen verloren.

"Das ist keine fortschrittliche oder menschliche Politik"

Parteichefin Katja Kipping hatte als Konsequenz zu einem "breiten gesellschaftlichen Bündnis gegen den Rechtsruck" aufgerufen. Die AfD nannte Kipping eine "teilweise faschistische Partei".

In dem Interview bedauert Wagenknecht zudem, sich zu sehr für den Flüchtlingskurs von Kanzlerin Merkel "mitverhaften" gelassen zu haben. "Flüchtlinge mit Großmutsgeste aufnehmen, aber gleichzeitig mit Waffenlieferungen in alle Welt dafür sorgen, dass blutige Kriege weiter eskalieren und immer mehr Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, das ist keine fortschrittliche oder menschliche Politik", sagte sie.

Auch auf HuffPost:

Dieses Land will Flüchtlinge aufnehmen – aber die wollen nicht dort leben