POLITIK
19/03/2016 18:01 CET | Aktualisiert 20/03/2016 05:24 CET

Norwegen will Benzin- und Dieselfahrzeuge von den Straßen verbannen - innerhalb kürzester Zeit

dpa

  • In Norwegen sollen ab 2025 nur noch Elektroautos verkauft werden

  • In weniger als 40 Jahren soll der Straßenverkehr praktisch schadstofffrei sein

Wahrscheinlich werden wir in Deutschland eher mit Raketenrucksäcken durch die Gegend fliegen als mit Elektroautos herumfahren - so schleppend verläuft hierzulande der Verkauf von umweltschonenden Stromfahrzeugen.

Nur 0,6 Prozent der Fahrzeuge hierzulande wurden zu Beginn des vergangenen Jahres von einer Batterie angetrieben. Anders gesagt: In Deutschland muss man einen Parkplatz mit 167 Autos suchen, um darauf ein einziges Elektroauto zu entdecken - statistisch gesehen.

Experten streiten sich seit Jahren über die Ursachen für den Misserfolg der Stromer. Ist die Zeit noch nicht reif? Sind die Autos zu teuer, die Tankmöglichkeiten zu rar?

Während die einen noch über diese Fragen debattieren, schafft Norwegen Tatsachen und will bald nur noch E-Autos zulassen.

In kürzester Zeit sollen die Emissionen halbiert werden

Der revolutionäre Plan der Skandinavier geht so: Benzin- und Dieselautos sollen nicht mehr verkauft werden, vom Händlerhof rollen nur noch Fahrzeuge mit großen Akkupacks oder Brennstoffzellen-Technologie. Zudem müssen die Hälfte aller neu zugelassenen Lkw und drei Viertel aller Fernbusse einen umweltfreundlichen Antrieb haben. Gelten soll dies ab dem Jahr 2025, wie es in Medienberichten heißt.

Allerdings will Norwegen die herkömmlichen Fahrzeuge nicht verbieten. Deren Kauf soll aber durch hohe Steuern unattraktiv gemacht werden.

Hinter der Strategie steckt der sogenannte Nationale Transportplan, erdacht von den Behörden für Straßenbahn, Eisenbahn, Küsten und Flugplätze. Die Ziele, die damit erreicht werden sollen, sind hoch gesteckt: Im Jahr 2030 soll der Schadstoffausstoß des Straßenverkehrs nur noch halb so groß sein wie heute, im Jahr 2050 soll er klimaneutral sein.

Ein Gesetz ist der Plan noch nicht, doch Anfang 2017 soll er dem Parlament vorgelegt werden - die Chancen für eine Zustimmung gelten als gut.

Norwegen steht vor denselben Hürden wie Deutschland - packt sie aber anders an

Was aber machen die Skandinavier anders? Warum ist dort ein Plan parlamentsfähig, der in Deutschland wohl krachend scheitern würde?

Das Überraschende: Norweger haben bei Elektroautos mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie Deutsche - etwa mit der langen Suche nach einer Tankmöglichkeit. Darum ist ein Elektroauto Schätzungen zufolge für 90 Prozent aller Besitzer nur der Zweitwagen neben einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Das bedeutet aber auch, dass der Schritt zur vollständig elektrifizierten Verkehr dort längst nicht mehr so weit ist wie hierzulande.

Steuerboni für Stromauto-Käufer (die bis zu 9000 Euro beim Autokauf sparen können) und Sanktionen für Halter von konventionellen Fahrzeugen haben die Verbreitung der Stromer in den vergangenen Jahren enorm angekurbelt. Hinzu kommt, dass Norweger an Stromtankstellen umsonst laden können, viele Parkplätze für E-Autos reserviert sind und Autobahngebühren wegfallen.

Der Plan der Verkehrsbehörden geht außerdem davon aus, dass durch technischen Fortschritt die Preise für die moderne Art der Fortbewegung weiter sinken werden. Dadurch, dass per Gesetz die Käufe praktisch garantiert sind, dürfte sich diese Vorhersage von selbst erfüllen.

Der Weg dorthin ist, wie gesagt, nicht mehr weit: Wer derzeit in Norwegen ein Elektroauto entdecken will, muss gerade einmal einen Parkplatz mit fünf Autos darauf besuchen. Knapp 20 Prozent aller Neuzulassungen sind heute schon Elektrofahrzeuge.

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