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19/03/2016 06:46 CET | Aktualisiert 19/03/2016 06:49 CET

Warum das moderne Leben unseren Kindern den Schlaf raubt

Warum das moderne Leben unseren Kindern den Schlaf raubt
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Warum das moderne Leben unseren Kindern den Schlaf raubt

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Die Schlafprobleme von Babys und Kleinkindern sind in unserer heutigen Gesellschaft bekannt, aber war das wirklich immer schon so problematisch? Hatten unsere Vorfahren auch all diese Probleme? Hier sind sechs Gründe, warum unser alltägliches Leben im 21. Jahrhundert bei unseren Kindern zu Schlafproblemen führen kann - und was ihr dagegen tun könnt.

1. Primitive Babys in einer modernen Welt

Die Babys von heute haben dieselben Bedürfnisse wie die Babys vor tausenden von Jahren. Unser modernes Leben hat sich allerdings grundlegend verändert. Als Erwachsene führen wir komplexe Leben und haben Schwierigkeiten, das mit den nächtlichen Bedürfnissen eines Babys zu kombinieren.

Mehrmals in der Nacht aufzuwachen, ist normal, aber schwierig, wenn man am nächsten Morgen ins Büro muss und niemanden hat, der einem etwas abnimmt. Das heißt aber nicht, dass unsere Babys und Kleinkinder ein “Schlafproblem” haben.

2. Elektrisches Licht

Im späten 19. Jahrhundert entstanden die ersten kommerziellen Glühbirnen. Was wir dadurch an Licht dazugewonnen haben, haben wir an Schlaf wieder verloren. Elektrisches Licht sitzt stark auf dem blauen Spektrum, vor allem das von modernen Energiesparlampen und jenes, das aus Bildschirmen von Handys, Computern oder Fernsehern kommt.

Dieses blaue Licht trickst unseren Körper aus und gaukelt ihm vor, es sei helllichter Tag. Deshalb schickt unser Sehnerv an unser Gehirn das Signal, dass es nicht an der Zeit ist, Melatonin (das Schlafhormon) auszuschütten. Dasselbe passiert, wenn wir Lichtspiele, Nachttischlampen oder Nachtleuchten im Kinderzimmer anschalten, wenn das Licht blau, grün oder lila ist.

Blaues Licht gaukelt unserem Körper vor, es sei helllichter Tag

Die einzige Farbe, die keine negative Auswirkung auf die Melatonin-Produktion hat, ist rot. Die Farbe von Feuer und Kerzenschein, also die einzige Art von Licht, die unsere Vorfahren hatten.

Rotes Licht hat keinen negativen Einfluss auf unsere Melatonin-Ausschüttung und unseren Schlaf. Aus diesem Grund ist rot die einzige Lichtfarbe, die ihr im Kinderzimmer verwenden solltet. Hier gibt es Tipps zu einer schlaffreundlichen Beleuchtung.

3.Warme Umgebung

Die ideale Temperatur zum Schlafen liegt zwischen 16 und 17 Grad Celsius. Die Körperkerntemperatur muss abends sinken, damit das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet wird. Das sollte abends auf natürliche Art und Weise geschehen, wenn die Sonne untergeht und die Temperatur deshalb sinkt.

Unsere Vorfahren konnten sich nur mit einem Lagerfeuer wärmen und haben daher in einer sehr viel kühleren Umgebung geschlafen, als wir es heute tun. Moderne Isolierung und zentrale Heizsysteme überhitzen unsere Umgebung und wir schlafen durchschnittlich bei 20 Grad.

Für besseren Schlaf müssen wir mehr wie unsere Vorfahren denken und in kühleren Räumen schlafen. Indem wir ein Fenster öffnen, den Thermostat herunterdrehen und die Zentralheizung mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen ausschalten.

4.Moderne Medizin

Dank der modernen medizinischen Forschung können wir unseren Kleinen Linderung verschaffen, wenn sie krank sind oder zahnen. Diese Möglichkeit hatten unsere Vorfahren nicht. Viele dieser Analgetika können Schmerzen lindern, Fieber senken und dafür sorgen, dass unsere Kinder einfacher einschlafen. Aber in den Medikamenten sind auch Inhaltsstoffe, die den Schlaf nachweislich stören.

Zucker macht unsere Kinder nicht hyperaktiv - E-Nummern hingegen halten sie vom Schlaf ab

Entgegen der allgemeinen Annahme macht Zucker unsere Kinder nicht hyperaktiv und hat keine negative Auswirkungen auf ihren Schlaf. E-Nummern hingegen schon. Dabei handelt es sich um Farb- und Geschmacksstoffe. Für einen gesunden Schlaf, solltet ihr E102, E104, E110, E122, E124 und E129 meiden. Leider enthalten viele gängigen Medikamente diese Stoffe. Also achtet genau darauf.

5.Milchpulver

Historisch betrachtet, wurden unsere Kinder immer gestillt. Wenn sie nicht von ihrer eigenen Mutter gestillt wurden, dann von einer Säugamme (einer Frau, die dafür bezahlt wurde, die Kinder anderer Leute zu stillen). Aber der Milchkonsum war immer menschlicher Natur. Flaschenmilch ist eine sehr moderne Sache.

Viele glauben fälschlicherweise, Babys würden länger schlafen, wenn sie Milch aus der Flasche bekommen. Es stimmt zwar, dass Kuhmilch für den menschlichen Körper schwieriger zu verdauen ist als Muttermilch, aber Studien haben bislang nicht belegen können, dass die Babys dadurch länger schlafen.

Die Inhaltsstoffe der Muttermilch verändern sich im Laufe des Tages. Abends und nachts enthält sie das Schlafhormon Melatonin und andere Stoffe, die dabei helfen, den Schlafrhythmus zu regulieren. Milch aus dem Fläschchen hingegen bleibt den ganzen Tag gleich.

6. Kinderbetten und Wiegen

Geschichtlich betrachtet sind diese Betten modern und relativ neu in der Kindeserziehung. In vielen Teilen der Welt sind sie noch immer ungewöhnlich und andere Kulturen sehen die westliche Kultur, Kind und Eltern nachts zu trennen als seltsam an.

Unsere frühen Vorfahren schliefen sehr nah bei ihren Babys und Kindern. Viele Naturvölker machen das noch heute. Das Bett zu teilen kann dem Kind , wenn die Sicherheitsregeln beachtet werden, wichtige Nähe geben, die es braucht. Und das bedeutet einen erholsameren Schlaf für alle.

Für mehr Tipps und Tricks zum Schlaf von Babys und Kleinkindern, lies The Gentle Sleep Book und Why Your Baby's Sleep Matters.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.


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