POLITIK
18/03/2016 19:08 CET

"Wenn sie nicht mitkommt, leg ich sie in Ketten" - Ermittlungen gegen Polizisten nach Einsatz in Flüchtlingsheim

Getty
Close-up of the front of a police car (blurred)

  • Video von brutalem Polizei-Übergriff gegen Flüchtlinge

  • "Ihr Kind ist mir scheißegal"

  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Beamte

Ein Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft lief offenbar komplett aus dem Ruder. Laut einem Bericht des „WDR“ ist es bei einem Polizeieinsatz am vergangenen Mittwoch in einer kommunalen Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Warburg (Kreis Höxter) zu verbalen und körperlichen Übergriffen durch die Polizei gekommen.

Eine syrische Mutter von drei Kindern sollte zwangsweise in eine andere Unterkunft gebracht werden. Dem WDR liegt dazu Videomaterial vor. Darauf ist zu sehen, dass ein Polizist der syrischen Flüchtlingsfrau mit den Worten droht: "Wenn sie nicht mitkommt, leg ich sie in Ketten und zerre sie raus. Ist mir scheiß egal.“ Dann pöbelt er weiter: „Ich habe keine Zeit und keine Lust. Ich bin auch nicht ihr Freund (…), ist mir auch scheißegal, ob da ein Kind ist, das packe ich auch in Ketten."

Innenminister Jäger: „Es wird nichts unter den Teppich gekehrt“

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei Polizisten. Das berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“. Sie sollen sich verbale und körperliche Auseinandersetzungen mit Flüchtlingen geliefert haben. Das Polizeipräsidium Bielefeld prüfe, ob ihnen ein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei, teilte die Staatsanwaltschaft Paderborn am Freitag mit.

Der nordrhein-westfälische Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) kritisierte die Beamten. Ein Disziplinarverfahren sei eingeleitet. „Es wird nichts unter den Teppich gekehrt“, versicherte er.

Die Familie soll mit Zwang in einen Polizeiwagen gezerrt worden sein. Das Video zeigt dem Bericht zufolge weiter, wie ein Polizist den zwölfjährigen Sohn festhält und ein anderer die Mutter zu Boden stößt. Die Vorfälle hätten mehrere Augenzeugen gegenüber dem „WDR“ bestätigt.

„Die in dem Video dokumentierten verbalen Entgleisungen sind nicht akzeptabel“, sagte Jäger laut einer Mitteilung in Düsseldorf, ohne den Wortlaut zu nennen. Es sei Aufgabe jedes Polizisten „auch in problematischen Einsatzsituationen stets die Lage und sich selbst im Griff zu haben“. Darauf müssten die Menschen sich verlassen können.

Auch auf HuffPost:

Video: Unterhaltsam und aufschlussreich: Diese Grafiken lassen Pegida ziemlich blöd aussehen