LIFE
18/03/2016 06:41 CET | Aktualisiert 18/03/2016 07:05 CET

Die Kellnerin war nicht ganz bei der Sache - was er tat, als die Rechnung kam, ist genial

Die Kellnerin war nicht ganz bei der Sache - was er tat, als die Rechnung kam, ist genial
Betsie Van Der Meer via Getty Images
Die Kellnerin war nicht ganz bei der Sache - was er tat, als die Rechnung kam, ist genial

Jeder zahlende Kunde erwartet, in einem Restaurant bestmöglich bedient zu werden. Natürlich ist jedem klar, dass die Arbeit von Kellnern ganz schön hart sein kann, aber trotzdem bleiben einem natürlich jene Servicekräfte besser in Erinnerung, die Spaß an ihrer Arbeit haben.

Als Sean Whalen mit seinem Sohn in einem chinesischen Restaurant zu Abend aß, fiel ihm sofort die amerikanische Kellnerin auf, die ihm bei einem Chinesen irgendwie fehl am Platz vorkam.

Und obwohl sie sich Mühe gab, freundlich zu sein, sah er ihr sofort an, dass sie keine Lust auf diesen Job hatte. Er unterhielt sich ein bisschen mit ihr während des Essens und als sie ihm am Ende eine Rechnung von 26,85 Dollar gab, legte er 100 Dollar auf den Tisch, nahm seinen Sohn und verließ das Restaurant.

Zu Hause verfasste er einen Facebook-Post, der von "Love what Matters" geteilt wurde. Er erklärt darin, wieso er der Kellnerin ein stolzes Trinkgeld von 73,15 Dollar gegeben hat.

"The day my parents split up is forever etched in my mind. Me and dad get into a big fight. Me, mom and my little...

Posted by Love What Matters on Donnerstag, 17. März 2016

Über das Foto, das sein üppiges Trinkgeld zeigt, schrieb er...

"Der Tag, an dem sich meine Eltern trennten, wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. Mein Vater und ich gerieten in einen großen Streit. Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich flüchteten, weil mein Vater total ausrastete.

Die Nacht verbrachten wir in einem Hotel. Als wir am nächsten Morgen zurückkamen, hatte mein Vater die Schlösser ausgetauscht. Ich sah meiner Mutter zu, wie sie meinen Vater durch die Tür anflehte, uns ins Haus zu lassen, um Kleidung zu holen. Er ließ uns nicht ins Haus.

Wir mussten später wieder kommen – begleitet wurden wir von der Polizei.

Ich werde nie vergessen, dass die Polizisten mir eine schwarze Mülltüte in die Hand drückten. Dass ich zehn Minuten hatte, um das Notwendigste zu holen, sagten sie. Ich packte so viele Klamotten in die Tüte wie ich konnte. Es war das letzte Mal, dass ich einen Fuß in das Haus setzte, in dem ich aufwuchs.

Keine Baseball-Trophäen. Keine meiner 10.000 Baseball-Karten. Nichts. Verdammt, ich ließ meine Schildkröte zurück.

Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich zogen in eine kleine Eigentumswohnung. Wir hatten nichts. Menschen aus der Kirchengemeinschaft brachten Kochtöpfe, Pfannen, Sofas, Betten und etwas zu essen.

Mein Vater räumte das Bankkonto leer und ließ meine Mutter nur mit dem Geld zurück, das sie in ihren Taschen hatte. Es gab nichts, was sie tun konnte. Wir hatten keine Familie. Außer den Fremden aus der Kirchengemeinschaft unterstützte uns niemand.

Meine Mutter hatte mehrere Jobs gleichzeitig. Was sie durchgemacht hatte, habe ich erst realisiert, als ich selbst alleinerziehender Vater wurde. Als ich jünger war, konnte ich nie verstehen, wie viel Arbeit sie für mich und meinen kleinen Bruder geleistet, wie viel Aufwand sie auf sich genommen hatte.

Sie tat alles, um Geld zu verdienen. Sie arbeitete sich den Arsch ab, nur um über die Runden zu kommen. Sie tat alles, was sie konnte, damit mein Bruder und ich alles bekamen, was wir uns wünschten.

Und sie hat gearbeitet. Hart gearbeitet. Bis heute weiß ich nicht, wie sie das geschafft hat. Ich habe keine Ahnung, warum sie nie das Handtuch warf. Ich hätte es getan.

Ich erinnere mich, sie unzählige Male auf ihren Knien beten zu sehen, während ich an ihrem Zimmer vorbeiging. Ich kann die Anzahl der Tränen nur erahnen, die das Gesicht dieser unglaublichen Frau herunterliefen, als sie Gott um eine Pause bat.

An diesen Tagen fühlte ich einen intensiven, inneren Schmerz. Ich habe viele Dinge in Frage gestellt, aber die Mutter zweier Söhne gab nie auf. Nicht ein einziges Mal gab sie auf.

Heute Abend saßen mein Sohn und ich bei diesem beschissenen Chinesen, den wir beide lieben. Eine neue Kellnerin bediente uns. Sie fiel auf wie ein bunter Hund.

Die Besitzer sind Chinesen. Die Mitarbeiter sind Chinesen. Und diese kleine, weiße Kellnerin. Sie war absolut fantastisch und lobte meinen Sohn für seine Manieren. Wir aßen zu Abend.

Nachdem sie immer wieder unsere Gläser auffüllte und wir einige Sätze ausgetauscht hatten, bekam ich das Gefühl, dass diese alleinerziehende Mutter gar nicht hier sein wollte. Aber sie musste hier sein und gab ihr Bestes zu lächeln.

Es brach mir das Herz. Ich dachte an meine Mutter, und ich sah denselben Drang in dieser Frau, den ich in meiner Mutter gesehen hatte. Eine alleinerziehende Mutter. Vielleicht aus freien Stücken. Vielleicht auch nicht.

Aber sie arbeitete an einem Mittwochabend, um sicher zu stellen, dass Essen auf den Tisch kam und ihre Kinder Schuhe an den Füßen hatten. Nicht für Reichtum. Nicht als Statussymbol. Aber, um zu leben.

Um hoffentlich in der Lage zu sein, ihren Kindern die Dinge zu bieten, die ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich fühlte mit ihr. Ich fühlte ihren Schmerz. Ich konnte nicht aufhören, an meine Mutter zu denken und wie schwierig es für eine alleinerziehende Frau ist, von der Hausfrau zum Brotverdiener zu werden.

Ich kann nicht einmal annähernd nachvollziehen, wie das für einige Mütter sein muss. Ich weiß, dass mein Trinkgeld ihre Miete nicht abdeckt. Ich weiß, dass mein Trinkgeld nicht für die Zahnspangen ihrer Kinder reicht. Ich weiß, dass mein Trinkgeld ihren Kühlschrank nicht füllt.

Aber irgendwie hoffte ich, dass ich an diesem Abend ein Lächeln in ihr Gesicht zaubern konnte. Und dass sie ihre Kinder nach der Arbeit glücklicher in die Arme schließen konnte, als sie es tat, bevor sie ging.

Ich kenne ihre Geschichte nicht. Ich muss ihre Geschichte auch nicht kennen. An diesem Abend kam mir in den Sinn, dass das vielleicht auch jemand für meine Mutter getan hat. Dass es das war, was sie dazu gebracht hat, weiterzumachen – in Nächten, in denen sie aufhören wollte.

Ich weiß es nicht. Ich werde es wahrscheinlich nie wissen. Aber eines weiß ich. Ich wurde über die Maße hinaus gesegnet mit und meiner Mutter habe ich mein Durchhaltevermögen zu verdanken. Sie lehrte mich, mich nicht unterkriegen zu lassen. Sie lehrte mich, was Arbeit und Mühe sind.

Ich hoffe, diese kleine Geste heitert das Leben dieser Frau auf, sodass sie morgen aufwachen und einen tapferen Kampf führen kann. Alleinerziehende Mütter, die sich abrackern... haben meinen RESPEKT. Ihr seid wunderschön. Und eure Arbeit wird sich belohnt machen. Genauso, wie sich die Arbeit meiner Mutter belohnt gemacht hat. Mama, ich liebe dich. Du bist meine Heldin."

Sean Whalen hat bemerkt, dass die Frau nicht nur eine Servicekraft ist, die ihm sein Essen bringt. Er hat den Menschen dahinter gesehen - er hat seine eigene Mutter in ihr gesehen. Und das hat ihm zu einer guten Tat inspiriert.

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