POLITIK
18/03/2016 09:52 CET

Syrischer Schriftsteller rechnet mit Deutschen ab: "Islamphobie ist der salonfähige Antisemitismus"

dpa

Es ist eine scharfe Abrechnung mit allen, die sich gerade kritisch gegen den Islam äußern. Sie stammen von dem syrisch-stämmigen schriftsteller Rafik Schami aus einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger".

Darin wirft er deutschen Intellektuellen wie Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski vor, wegen ihrer Aussagen zur Flüchtlingskrise Hass auf den Islam geschürt zu haben.

"Die Islamphobie ist salonfähiger Antisemitismus", sagte Schami dem "Kölner Stadtanzeiger". Und weiter:

"Es klingt lächerlich, wenn diese Hasser die Sorge um die „jüdischen Mitbürger“ als Grund ihrer Verachtung der Muslime in diesem Land angeben."

In seinem 40-jähigen Bemühen um die Aussöhnung zwischen Juden und Arabern sei „nie einer dieser Herren auch nur in Sichtweite anzutreffen“ gewesen. Aus den Kreisen der genannten Intellektuellen sei ihm über Jahrzehnte hinweg Feindseligkeit entgegen geschlagen.

„Ein Araber ist gut, wenn er dreitausend Kilometer entfernt ist"

Diese Feindseligkeit sei ihm unerklärlich. Dem "Kölner Stadtanzeiger" sagte er:

Es ist die Feigheit dieser Herren, sich mit ihren Klischeebildern über die arabischen Kulturen auseinanderzusetzen. Ein Araber ist gut, wenn er dreitausend Kilometer entfernt ist, und höchstens, wenn er die Herren oder ihre Vorurteile bedient, aber nicht, wenn er sich hier in ihrer Sprache zu Wort meldet oder auch noch kritisiert. Nicht, wenn er ihnen als Christ ihre Islamphobie vorhält und sie nicht nur an 200 Jahre Kreuzzüge erinnert, sondern auch beschuldigt, die Aggressionen der Islamisten gegen Christen und Juden in den arabisch-islamischen Ländern zu schüren.

Zugleich formulierte Schami einen Zehn-Punkte-Katalog mit Erwartungen an Flüchtlinge. Im Zentrum stehen Dankbarkeit, Achtung und Respekt vor dem „christlichen Abendland“ mit seinen Freiheiten, Werten und Gesetzen. Die Diskussionen darüber „müssen wir wieder an uns reißen und nicht den Populisten und Menschenhassern überlassen.“

Dankbarkeit für die Aufnahme in Deutschland bestehe nicht darin, „unterwürfig und schleimig gegenüber den Deutschen zu sein, um insgeheim rassistisch über sie zu denken“, sondern vor allem im Respekt den Helferinnen und Helfern gegenüber. „Diese tapferen Frauen und Männer sind ein Garant für die Flüchtlinge gegen die Rassisten und Populisten“, so Schami im "Kölner Stadt-Anzeiger".

Schami gehört mit seinen Romanen zu einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. 1971 ging er von Syrien ins Exil nach Deutschland.