POLITIK
17/03/2016 12:39 CET

Irre Posse: Tränen und Tumulte bei Münchner Nikab-Prozess

DPA
Burka.

  • Großes Medienaufgebot bei einem eher kleinen Beleidigungsprozess

  • Muslimische Zeugin lüftet nun doch ihren Gesichtsschleier

Große Frage bei einem simplen Beleidigungsprozess: Lüftet die muslimische Belastungszeugin diesmal ihren Gesichtsschleier? In der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht hatte sich die Nikab-Trägerin geweigert; der Richter ließ sie damals gewähren: Sie durfte in kompletter Verhüllung aussagen, nur ihre Augen waren zu sehen. Im Berufungsprozess am Donnerstag vor dem Landgericht München jedoch zeigte die Zeugin den Verfahrensbeteiligten ihr Gesicht; dem Publikum blieb es verborgen. An dem Urteil änderte das nichts - der Angeklagte wurde erneut freigesprochen.

9.45 Uhr im Strafjustizgebäude: Verschleiert betritt die 43-Jährige in Begleitung eines Rechtsbeistands den Sitzungssaal 177. Der Anwalt übergibt ein Attest, wonach die Muslimin in posttraumatischer Behandlung sei. Beim Disput mit der Vorsitzenden Richterin tritt sie gleichwohl selbstbewusst auf. Sie könne ihren Strafantrag zurücknehmen und so der Entschleierung entgehen, schlägt die Richterin vor, doch das weist die Zeugin zurück: "Er hat mich angegriffen", sagt sie auf Deutsch – sie ist in Deutschland geboren. Dann hebt sie mit dem Rücken zum Publikum das braune Tuch über ihrem Kopf.

"Ihr Arschlöcher"

Sie wiederholt ihre Beschuldigung: Der Angeklagte habe sie im Mai 2015 im S-Bahn-Geschoss des Münchner Hauptbahnhofs übel beschimpft. "Ihr Arschlöcher" habe der Mann mit Blick auf die vollverschleierte Frau gesagt, und: "Du gehörst nicht her!". "Ist Ihnen so etwas schon öfter passiert?", will Richterin Claudia Bauer wissen. "Was geht das Sie an?", antwortet die Zeugin. Sie sei schon oft verbal attackiert und auch angespuckt worden, ergänzt sie dann.

Der Angeklagte, ein 59 Jahre alter Architekt, bestreitet die Beleidigungen. Die Zeugin habe vielmehr zu einer Frau auf deren Bemerkung über ihren Gesichtsschleier gesagt: "Immer diese intoleranten Deutschen!" Er habe nur sinngemäß geäußert, warum sie Deutschland nicht verlasse, wenn es ihr hier nicht gefalle.

Ein Ohrenzeuge gibt zu Protokoll, der Angeklagte habe lediglich gefragt, warum eine Frau in Deutschland Burka trage. Eine Beleidigung hat er nicht vernommen. Daher plädiert dann auch die Staatsanwaltschaft, die gegen das erstinstanzliche Urteil Rechtsmittel eingelegt hatte, auf Freispruch - mit Erfolg.

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