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15/03/2016 12:49 CET | Aktualisiert 16/03/2017 06:12 CET

Miriam Pielhau hat Krebs erneut besiegt: "Sterben ist keine Option"

Miriam Pielhau hat Krebs erneut besiegt
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Miriam Pielhau hat Krebs erneut besiegt

Mit "Dr. Hoffnung: Die Geschichte eines echten Wunders" (Allegria, 240 Seiten, 18 Euro) will Miriam Pielhau (40) Mut machen und zeigen, dass es neben Therapien und Medikamenten auch die innere Einstellung war, die zu ihrer Heilung beigetragen hat.

Nachdem sie 2008 an Brustkrebs erkrankt war, erhielt sie im Januar 2014 die Diagnose, dass die Krankheit zurückkehrt ist, dieses Mal "unheilbar". Besiegt hat sie den Krebs trotzdem. Warum in dem Buch ihre Freundin Johanna krank ist und was ihr gegen die Angst am besten geholfen hat, verrät sie spot on news.

Hatten Sie von vornherein geplant, öffentlich zu machen, dass Sie selbst Johanna sind?

"Dr. Hoffnung: Die Geschichte eines echten Wunders" von Miriam Pielhau findet ihr hier

Miriam Pielhau: Das hatten wir uns relativ lange offen gehalten und es von meinem Gesundheitszustand abhängig gemacht. Meine Ärzte hatten mir geraten, zu sagen, dass es in dem Buch um mich geht.

Dadurch gibt es Betroffenen mehr Mut und Kraft, als wenn von einer namen- und gesichtslosen Johanna die Rede ist - die man nicht sehen und zeigen kann, weil es sie nicht gibt.

Hat es Ihnen sehr geholfen, das Buch über Johanna zu schreiben?

Pielhau: Ja. Ich habe es wie ein Tagebuch verfasst, relativ parallel zu dem, was wirklich passiert ist. Nach einem schweren Tag abends zu schreiben, dass ich heute in ein tiefes depressives Loch aus Ängsten, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gefallen bin, lässt einen alles noch mal durchleben, was man tagsüber schon schwer bewältigt hat. Dadurch dass ich das einer anderen Person ins Herz und auf die Zunge gelegt habe, ging es besser. Die Distanz hat geholfen.

Bei der Diagnose "unheilbar krank" sind Sie in dem Buch zu zweit - die zunächst nur geschockte Johanna hat eine starke Miriam an ihrer Seite. Wie war es tatsächlich?

Pielhau: Es war eine Mischung aus beidem. Ich habe das Gefühls-Potpourri entzerrt, das Starke mir zugeschrieben und das Schwache Johanna. Ich war beides: zwischen Tränen und Bockigkeit, zwischen "Ich schaffe das" und totaler Verzweiflung. Da geben sich die chaotischen Gefühle die Klinke in die Hand.

Und jetzt gelten Sie bei den Ärzten als medizinisches Wunder?

Pielhau: Ja, das Wort fiel.

Sie erzählen aber auch von vielen Tiefs. Was war das Schlimmste?

Pielhau: Das war der Tiefpunkt im Krankheitsverlauf im Januar 2015. Da hieß es, die Leber ist übersät mit Metastasen, die Überlebensprognose war bescheiden.

Auch damals haben Sie nie ans Aufgeben gedacht?

Pielhau: Einen Satz hatte ich immer im Herzen: Sterben ist keine Option. Bei den Therapien, die einen über Monate schwächen, konnte ich schon verstehen, warum einige Patienten sagen, dass sie jetzt keinen Bock mehr haben und es zu Ende gehen lassen wollen. Ich konnte das nachvollziehen. Aber das war für mich nie eine Wahlmöglichkeit.

Sie wollen anderen Menschen Mut machen und zeigen, dass es neben Therapien und Medikamenten auch die innere Einstellung ist, die zu Ihrer Heilung beigetragen hat: Selbstprogrammierung in Richtung Hoffnung und Optimismus. Was war dabei das Wichtigste?

Pielhau: Über die Meditation habe ich es geschafft, meine Angst ziemlich gut in den Griff zu bekommen. Es ist auch wissenschaftlich nachgewiesen: Wer regelmäßig meditiert, ist in der Lage, das Angstzentrum im Gehirn auszuschalten.

Und Angstfreiheit ist das schönste Geschenk, was man in so einer Situation, die eigentlich permanent nur Angst macht, haben kann. Insofern war die Meditation das wirklich Entscheidende, um zu innerer Gelassenheit und Ruhe zu kommen und auch die Hoffnung nicht zu verlieren.

Haben Sie sich mit dem Tod bewusst auseinandergesetzt?

Pielhau: Ich habe meine Dinge geregelt. Mehr Raum habe ich diesem Thema nicht gegeben. Ich dachte, dass je mehr ich das in mein Leben lasse, umso breiter und größer wird die Macht, die dieser Tod haben kann. Ich habe mich auf das Leben und Überleben konzentriert.

Sie waren auch begleitend bei der Psychotherapie.

Pielhau: Ich würde allen Menschen grundsätzlich empfehlen, regelmäßig oder zumindest eine Zeit lang psychotherapeutische Sitzungen in Anspruch zu nehmen. Um sich selbst, seinen eigenen Schwächen und auch den Dingen, die man gerne an sich mag und die man kultivieren möchte, zu nähern.

In dieser schnelllebigen Welt ist es wichtig, dass man sich mit Hilfe eines Therapeuten auf die spannende Reise zu sich selbst macht und dann nach ein paar Sitzungen noch genauer weiß, wer man eigentlich ist. Mit dem Ziel, mit sich im Reinen und in Frieden zu sein.

Viele Menschen suchen sich Hilfe im Internet. Wie geht man damit am besten um?

Pielhau: Wenn man nicht diszipliniert ist, würde ich zum Internet-Verbot raten. Ansonsten muss man wirklich nach bestimmten Regeln surfen: Wenn es um wissenschaftliche Artikel geht, immer nach dem Einstellungsdatum schauen.

Eine ein oder zwei Jahre alte Studie ist nicht mehr aktuell. Zweitens: Ich habe nicht nach Überlebenszeit oder Prognosen gegoogelt, ich habe immer positive Dinge gesucht: Spontanheilung, Wunderheilung, ungewöhnliche Heilung, kombiniert mit meiner Erkrankung.

Es gab Geschichten, die unfassbar viel Mut machten. Das kann man in so einer Situation deutlich besser brauchen als deprimierende statistische Zahlen oder Trauerklos-Meldungen.

Sie haben vor Ihrer Tochter eine Perücke getragen. Wie hat die Krankheit Ihre Rolle als Mutter beeinflusst?

Pielhau: Gar nicht so sehr. Dadurch dass ich Mutter bin, konnte ich viel besser Normalität im Alltag walten lassen als ohne Kind.

Sie sprechen im Buch vom "K-Ding". In den Medien ist die Krankheit durch den Tod einiger Persönlichkeiten allgegenwärtig. Wie gehen Sie damit um?

Pielhau: Das Jahr fing in der Hinsicht tatsächlich radikal an. Das führt einen dann noch mal vor Augen, wie zerstörerisch die Krankheit ist, wie viel Macht sie hat. Noch - denn ich glaube, wir werden es irgendwann schaffen, den Krebs zu besiegen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

Wie sehen Sie das Engagement von Angelina Jolie?

Pielhau: Bei mir ist es anders als bei ihr, sie hat eine genetische Vorbelastung. Sie hat dieses Brustkrebsgen, bei dem die Wahrscheinlichkeit, dass man erkrankt, bei 80 Prozent liegt. Ich bin nicht familiär vorbelastet.

Angelina Jolie hat eine Vorbildfunktion übernommen und gesagt: Wenn das bei euch ein Thema ist, kümmert auch darum. Es gibt immer noch genügend Frauen, die wissen, dass sie eine Veranlagung haben, die aber zum Beispiel nicht regelmäßig zum Check gehen oder das verdrängen.

Brustkrebs ist nicht nur die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, sondern auch die, die am häufigsten geheilt werden kann, wenn sie nur früh genug erkannt wird.

Sie haben zweimal den Krebs besiegt, den Tsunami überlebt und die Trennung von Ihrem Mann verkraften müssen. Denken Sie manchmal: Warum ich?

Pielhau: Das nicht. Aber ich bin ein sehr gläubiger Mensch und habe dem lieben Gott gesagt: Ich finde, dass es jetzt langsam reicht. Ich möchte meinen Schutzengel gerne mal in Ferien schicken. Jetzt ist genug passiert. Wenn die nächsten 50 Jahre meines Lebens gemütlich werden, hätte ich nichts dagegen.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Pielhau: Ich bin mit dem Buch unterwegs und gehe mit dem Musical "Burnout" ab dem 7. April auf Tour. Da freue ich mich sehr drauf. Ich starte zudem einen eigenen Youtube-Kanal mit einer speziellen Anti-K-Ernährung: vegan und ohne Kohlenhydrate.

Krebszellen ernähren sich von Zucker und Kohlenhydrate werden im Körper auch in Zucker umgewandelt. Die Ernährungsweise ist sehr streng und man soll es auch nicht jahrelang durchziehen, aber die Therapien wirken deutlich besser, wenn man die Krebszellen zusätzlich schwächt und ihnen Kohlenhydrate entzieht.

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