POLITIK
14/03/2016 12:59 CET | Aktualisiert 16/03/2016 05:00 CET

Politologe Patzelt: "Die AfD verspricht, die bundesweite CSU zu werden"

dpa
Wird die AfD zur bundesweiten CSU?

Es sind erstaunliche Zahlen, die zeigen, wie stark die AfD auch unter bürgerlichen Wählern längst Fuß gefasst hat. Beinahe drei von vier Afd-Wähler in Rheinland-Pfalz gaben nach der Wahl gegenüber den Meinungsforschern von Infratest Dimap an, es wäre "gut, wenn man hier CSU wählen könnte“.

In Baden-Württemberg stimmten 61 Prozent dieser Aussage zu, in Sachsen-Anhalt waren immerhin 57 Prozent der Wähler der Alternative für Deutschland dieser Meinung.

Könnte also eine bundesweite CSU die AfD in die Knie zwingen? "Sicher gibt es viele AfD-Wähler, die eine bundesweite Variante des bayerischen Unions-Ablegers wählen würden“, ist zumindest der renommierte Dresdner Politologe Werner Patzelt überzeugt.

Es habe in den vergangenen Jahren eine "Repräsentations-Lücke“ rechts der politischen Mitte gegeben. Vielen Konservativen sei die CDU längst "zu sozialdemokratisch“. Die AfD sei, wie das Wahlergebnis eindeutig zeige, "in diese Lücke vorgestoßen".

"Risiko für CSU bei deutschlandweiter Expansion groß"

Eine bundesweite CSU könne diese Lücke in weiten Teilen zwar ebenfalls schließen. Doch Patzelt glaubt nicht, dass die bayerischen Unions-Vertreter diesen Schritt gehen würden. Die Risiken seien "zu hoch“. Denn durch eine bayerische CDU würde die bayerische Machtbasis der CSU gefährdet, weiß Politikprofessor Patzelt.

Auch aus einem anderen Grund sei eine Expansion der Bayern wenig erfolgversprechend. "Die AfD verspricht, die bundesweite CSU zu werden“, sagt der Gründungsprofessor des Dresdner Instituts für Politikwissenschaft. Er gibt der Partei „gute Chancen, diesen Schritt zu schaffen“.

Damit die AfD sich dauerhaft als bundesweite CSU etablieren könne, müsse sich die Partei jedoch von den dort auch vertretenen Rechtsradikalen trennen. Rechtsextreme Parteien hätten in Deutschland „keine Chance“.

Zudem müssten drei weitere Voraussetzungen erfüllt sein: Die Zuwanderung von Flüchtlingen in großer Zahl müsse anhalten und die AfD dürfe nicht in Skandale verwickelt werden. Auch, wenn der CDU die Integration des rechten Randes noch gelinge, werde sich der AfD-Plan nicht erfüllen.

"Frage der sozialen Gerechtigkeit ist wichtige Ursache für AfD-Erfolg"

Patzelt überrascht das Top-Ergebnis der AfD nicht. Er hatte der Partei schon sehr früh ein gutes zweistelliges Ergebnis prophezeit.

"Die Einwanderungspolitik der CDU hat schon länger viele ihrer Wähler abgeschreckt.“ Eine weitere wichtige Ursache sei aber auch "die Frage der sozialen Gerechtigkeit“, erläutert der Politikforscher. Die Menschen fragten sich etwa, ob die hohe Zahl an Flüchtlingen den Sozialstaat gefährde. "Bleibt da noch etwas für uns?“ Diese Aspekte spielten eine „gigantische Rolle“.

Aufgrund der zwischen CDU und CSU unterschiedlichen Haltung zur Flüchtlingspolitik, wurde zuletzt immer wieder über die Frage diskutiert, ob die CSU bundesweit antreten sollte.

Wie groß das Stimmenpotential für eine solche Partei wäre, haben die Landtagswahlen eindrücklich gezeigt. Die rechtskonservative und zumindest in Teilen flüchtlingsfeindliche AfD hat in allen drei Bundesländern mehr als 10 Prozent der Stimmen bekommen. In Baden-Württemberg erreichte die Partei 15,1 Prozent und in Sachsen-Anhalt sogar 24,4 Prozent.

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