POLITIK
14/03/2016 23:54 CET | Aktualisiert 15/03/2016 04:24 CET

"Militärisch geplanter Grenzdurchbruch": Griechenland sieht sich mit unglaublichen Vorwürfen konfrontiert

  • Sicherheitsbehörden eines Balkanstaates werfen Griechenland vor, die Situation an der Grenze Mazedonien bewusst eskalieren zu lassen

  • Dazu sollen angeblich Grenzdurchbruchsversuche von Flüchtlingen organisiert werden

  • Mehreren Hundert Migranten gelang gestern die Überquerung der Grenze nach Mazedonien

Seit Tagen wuchs die Verzweiflung der gestrandeten Menschen bei Idomeni. Nun machten sie sich auf und suchten Lücken in der geschlossenen mazedonischen Grenze.

Bis zu 2000 Migranten sind am Montag trotz geschlossener Grenze von Griechenland aus auf mazedonisches Gebiet vorgedrungen. Dort nahmen Polizei und Militär Hunderte Menschen fest. Jetzt kommt der Vorwurf auf, solche Aktionen seien von Griechenland organisiert gewesen.

"Es ist griechisches Interesse, die Situation eskalieren zu lassen"

Die "Regierung eines Staates der Balkanroute" erhebt schwere Vorwürfe gegen die griechische Regierung. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Laut eines "streng vertraulichen" Berichts, den Sicherheitsbehörden nach einer kürzlich erfolgten Inspektionsreise verfasst haben, sei es "offenbar griechisches Interesse, die Situation eskalieren zu lassen".

Es bestehe die "Gefahr eines absichtlich herbeigeführten humanitären Desasters" - und die Gefahr von "quasi militärisch geplanten" wenn auch unbewaffneten "Grenzdurchbruchsversuchen", so die Warnung des Berichts. Damit wolle Griechenland die eigene "Opferrolle" unterstreichen und eine Weiterreise der Flüchtlinge nach Mazedonien "erzwingen".

Es ist nicht schwer zu erraten, um welchen "Staat der Balkanroute" es sich hier handeln dürfte. Mazedoniens Präsident Gjorge Ivanov pflegt gute Kontakte zur "Bild" und hat der Zeitung erst vor wenigen Tagen ein bemerkenswertes Interview gegeben, in dem er Griechenland schwerste Vorwürfe machte.

Bis zu 14.00 Flüchtlinge warten in Idomeni

Mazedonien hatte seit zehn Tagen keine Flüchtlinge mehr aus Griechenland einreisen lassen, weil die Länder weiter nördlich die Durchreise und Aufnahme von Flüchtlingen beschränkt hatten, allen voran Österreich.

Deshalb stauten sich auf griechischer Seite beim Übergang Idomeni bis zu 14.000 Menschen bei Regen, Matsch und Kälte in einem überfüllten Camp.

Hunderte machten sich dann am Montag auf eigene Faust auf den Weg, um eine Lücke im Grenzzaun zu nutzen. Sie liefen bei Regen kilometerweit und wateten durch einen Fluss. Dabei spielten sich chaotische Szenen ab. Die Migranten ignorierten Aufforderungen der griechischen Polizei zum Umkehren.

Beim Durchqueren des knietiefen Flusses hielten viele ihre Kinder und Habseligkeiten über ihre Köpfe. Griechische und internationale Freiwillige halfen den Menschen, indem sie ein Seil über den schnell fließenden Strom spannten.

Sie halfen so älteren Menschen und Frauen mit Kindern, den Grenzfluss zu überqueren. Auch Bilder eines Mannes in einem Rollstuhl, der über den Fluss getragen wird, waren zu sehen.

Mehr als 500 Migranten soll es so am Montag gelungen sein, den Grenzfluss Suva Reka an der griechisch-mazedonischen Grenze zu überqueren.

Auf der mazedonischen Seite der Grenze wurden die Flüchtlinge von der Armee gestoppt. Die Soldaten schritten in der Nähe von Gevgelija ein, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Fotografen berichteten im griechischen Staatsfernsehen (ERT) aus der Region, fast alle Flüchtlinge seien von den mazedonischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden. Auch Journalisten seien in Polizeigewahrsam genommen worden.

Ausgelöst haben dürfte diese Aktion ein Flugblatt, das im Camp verteilt wurde. Darauf war eine Karte abgedruckt, die eine Lücke im Grenzzaun zeigt.

Auf Arabisch werden auf dem Flyer Fluchtrouten beschrieben: "Fünf Kilometer entfernt gibt es eine Stelle, wo kein Zaun mehr vorhanden ist und man nach Mazedonien kann." Unten rechts war auf den Zetteln der Schriftzug "Kommando Norbert Blüm" abgedruckt.

Mit Material der AP und der DPA