POLITIK
14/03/2016 15:47 CET

Kiffen in der Schweiz? Bern will Testlauf für Cannabis-Verkauf starten

Medioimages/Photodisc via Getty Images
Close-up of young woman in sunglasses smoking a marijuana joint

Mal rechts, mal liberal, jetzt grün. Die Schweiz könnte als Growbox vieler politischer Ideen in Europa durchgehen. Erst recht jetzt: Die Stadt Bern will einen Testlauf im Verkauf von medizinischen Marihuana starten.

Unter Aufsicht der Uni Bern sollen Apotheken versuchsweise Cannabis an eine Gruppe von bis zu 1000 Kiffern verkaufen. Im März 2015 hat sich das Stadtparlament für einen entsprechenden Versuch ausgesprochen, berichtete das Onlinemagazin "Watson".

"Ich will diesem scheinheiligen Zustand etwas entgegenhalten"

Zur Teilnahme an der Studie müssen die Personen mindestens 18 Jahre alt sein, ihren Wohnsitz in Bern haben und bereits Cannabis konsumiert haben, sagte Bürgermeisterin Franziska Teuscher. Durch die Abgabe über Apotheken können zudem professionelle Infrastrukturen für den Testlauf genutzt werden.

"Schweizweit konsumieren zweimal so viele Menschen Cannabis wie in der Stadt Bern leben", sagte Teuscher – "und alle schauen weg. Das kann einfach nicht sein. Ich will diesem scheinheiligen Zustand etwas entgegenhalten." Es brauche bessere Lösungen, damit man zu einer glaubwürdigen Suchtpolitik zurückfinde.

"Die Berner werden künftig noch langsamer"

Ob der Testlauf aber tatsächlich an den Start geht, bleibt noch offen. Inzwischen haben mehrere Schweizer Städte Interesse signalisiert, ein ähnliches Pilotprojekt für den regulierten Zugang zu Cannabis einzuführen, darunter Zürich, Genf und Basel.

Allerdings ist der Cannabis-Konsum, ähnlich wie in Deutschland, nach dem Schweizer Betäubungsmittelgesetz verboten. Ob für das Berner Cannabis-Projekt eine Ausnahmebewilligung erteilt wird, entscheidet der Bund. Und der scheint von der Idee im ersten Moment wenig zu halten:

Spaß beiseite: Reden wir über Vorurteile

Wie der Schweizer Bundesrat am Ende entscheiden wird, lässt sich aus dem Tweet trotzdem nicht ablesen: Es handelt sich um einen Satire-Account. Doch bringt er auf den Punkt, dass Vorurteile bei der Legalisierungsdebatte dominieren, in der Schweiz wie auch in Deutschland. Kritiker sehen in Cannabis hierzulande eine Einstiegsdroge und lehnen eine kontrollierte Abgabe ab.

Doch scheinen die Gefahren eben nicht so schlimm, wie viele Kritiker befürchten. Im Gegenteil: Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist Cannabis sogar sicherer als Alkohol.

Zudem schwören Kranke auf die Heilkraft von Cannabis. Die positive Wirkung von Hanf bei Schmerzen ist auch dem Bundesgesundheitsministerium bekannt. Nach dessen Gesetzentwurf könnten Schmerzpatienten bald Cannabis auf Rezept erhalten.

Bekommt Deutschland bald eine staatliche Cannabisagentur?

Dafür plant das Ministerium die Einführung einer staatlichen Cannabisagentur: "Diese schreibt den voraussichtlichen Bedarf an Medizinalhanf nach den Vorgaben des Vergaberechts aus, vergibt in wettbewerblichen Verfahren Aufträge über die Belieferung mit Medizinalhanf an Anbauer und schließt mit diesen zivilrechtliche Liefer- beziehungsweise Dienstleistungsverträge", heißt es in dem Gesetzesentwurf.

Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler von der CSU, bereits zu Beginn letzten Jahres gefordert, die Droge auf Rezept an chronisch kranke Schmerzpatienten abzugeben. Der eigene Anbau, Besitz und Handel bleibt für die Patienten jedoch weiterhin verboten.

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