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13/03/2016 12:25 CET | Aktualisiert 13/03/2016 12:25 CET

Dieses Foto einer Mutter löste eine weltweite Diskussion aus

HelenCarminaPhotography
Dieses Foto einer Mutter löste eine weltweite Diskussion aus

Fotografin Helen Aller hat schon häufig Bilder von Neugeborenen und deren Müttern aufgenommen. Aber auf die Reaktion, die sie für ihre letzte Aufnahme erhalten hat, war sie nicht vorbereitet.

Auf den ersten Blick sieht man nur ein Neugeborenes, das auf dem Schoß seiner Mutter liegt. Das ganze Foto offenbart jedoch eine beeindruckende Geschichte.

Als Aller im Juli eine Schwangere fotografierte, erfuhr sie, dass die werdende Mutter Angst vor der Vorstellung hatte, einen Kaiserschnitt zu bekommen.

Nachdem die Frau ihr Kind geboren hatte, rief sie Aller an und sagte ihr, dass ihre Ängste sich bestätigt hatten.

Die Fotografin sagte der Huffington Post: “Sie hatte einen Notkaiserschnitt. Sie fragte mich, ob ich dieses besondere Bild fotografieren kann, um zu zeigen, dass ihre größte Angst damit endete, dass beide Leben gerettet wurden.

Seitdem das Bild am 11. August hochgeladen wurde, ist es fast 37.000 Mal geteilt, 17.000 Mal kommentiert und mehr als 128.000 Mal geliked worden.

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Aller fügte hinzu: “Meine Bilder werden gewöhnlich von nicht mehr als 100 Personen angesehen, weshalb ich auch niemals damit gerechnet hätte, dass das Bild so gut ankommen könnte. Bisher wurde es von über 7,5 Millionen Personen angeschaut.”

Auf dem Bild liegt das drei Tage alte Neugeborene direkt unter der mütterlichen Narbe des Notkaiserschnitts.

Die Fotografin erzählte der HuffPost: “Für mich ist es ein großartiges Bild, das sowohl Bemühung als auch etwas Wunderschönes zeigt.”

“Ich habe so viele Geschichten von Müttern mit Kaiserschnitt erhalten, die erzählen, wie sich durch dieses Bild auch die Sicht auf ihre Narben veränderte.”

“Ich kann nicht glauben, dass sich so viele Frauen für ihre Narben schämen und sich fühlen, als hätten sie etwas nicht richtig gemacht, nur weil sie keine natürliche Geburt hatten. Eigentlich bin ich fassungslos.”

“Ich bin stolz ein Bild gemacht zu haben, das den Menschen erlaubt, ihre Erfahrungen mitzuteilen und wie sich dadurch ihr Denken über etwas verändert hat, auf dass sie stolz sein sollen.”

“Leben zu schenken sollte nicht davon abhängen, wie es passiert ist.”

“Ich denke auch, es geht um mehr als nur um das Bild. Ich denke, es geht darum, dass Menschen zusammenkommen und ihre Gefühle zu etwas teilen, das oftmals übersehen wird.”

Aller sagte, dass sie bei der Platzierung des Babys sehr bedächtig vorging.

Sie erklärte dem Baby Center: “Das Baby konnte nicht höher gelegt werden, denn ich war über den Druck besorgt, wenn es zu nahe an der Narbe gelegen hätte.”

“Sein Kopf ist vom Schambein der Mutter gestützt. Wir haben auch Aufnahmen mit dem Baby, schlafend auf einem Knautschsack gemacht, sodass die Mutter ihre Position einnehmen konnte und ich das schlafende Baby direkt auf sie gelegt und fotografiert habe.”

Als Aller das Bild auf ihrer Facebook-Seite hochgeladen hatte, kommentierten Mütter und werdende Mütter und schrieben, wie inspirierend sie ihr Foto fanden.

Eine werdende Mutter schrieb: “Ich brauche wahrscheinlich auch einen Kaiserschnitt...erschreckend! Dieses Bild hat mich beflügelt. Glückwunsch.”

Eine andere schrieb: “Ich bin mit meinem ersten Baby schwanger und ich habe große Angst vor einem Kaiserschnitt. Nachdem ich dieses wundervolle Foto gesehen habe, bin ich viel beruhigter. Danke, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Du bist wunderschön.”

Auch andere fühlten sich ermutigt, ihre eigenen Geburtsgeschichten zu teilen.

Eine Mutter schrieb: “Ich hatte einen Notkaiserschnitt bei meinem Sohn und das macht mich immer sehr emotional. Was für eine mutige Mama und fantastisches Foto.”

Eine andere Mutter fügte hinzu: “Es ist nicht einfach, einen Kaiserschnitt zu haben! Du fühlst, wie sie an dir zerren und ziehen und du erbrichst, was nicht gerade einfach ist. Dann braucht es Monate für die Erholung.”

“Du kannst nicht einfach aufstehen und laufen. Jedes Mal wenn du hustest, ist es eine Qual und du fühlst dich als ob deine Fäden aufplatzen. Kaiserschnitte sind harte Arbeit. Diese Mutter ist wundervoll.”

Eine Mutter kommentierte ebenfalls: “Dieses Bild ist so wunderschön. Ich kann zwar nicht helfen, aber ich kann die Emotionen nachvollziehen, die das Bild zeigt.”

“Ich hatte bei meinem ersten Baby einen Kaiserschnitt, aber bei meinem zweiten eine natürliche Geburt. Es ist einfach unglaublich, dass wir für solch einen besonderen Zweck geschaffen sind. Unglaublich!”

Aber es waren nicht nur Mütter, die von diesem Foto angeregt waren. Viele Väter schalteten sich in die Unterhaltung ein, voller Stolz über ihre Frauen, die einen Kaiserschnitt gehabt haben.

Ein Vater schrieb: “Ich habe bisher keinen Mann getroffen oder gehört, der gesagt hat ‘Allmächtiger, Kaiserschnittnarben sind ekelhaft und schrecklich’. Wir sehen aber auch die Schönheit, ein Kind zu gebären, egal wie es passiert.”

Ein anderer Vater kommentierte: “Frauen sind wunderschön und geben Leben.”

“Ich habe größten Respekt vor jeder Mutter, denn ich glaube, wenn man Männern diese Gabe gegeben hätte, wären wir ausgestorben.”

“Helen Aller du hast ein wunderschönes Bild gepostet, auf das alle Frauen und Väter stolz sein sollten. Gute Arbeit!”

Ein Vater erinnerte sich an die Geburtsgeschichte seiner Frau zurück: “Meine Frau hatte bei unseren beiden Kindern einen Kaiserschnitt. Sie versuchte, ihre Narbe zu verstecken und wünschte sich, sie wäre nicht da, aber jedes Mal wenn ich es sehe, denke ich daran, dass sie die beste Mutter ist, die ich für meine Kinder haben kann.

“Ich sehe keine Narbe - ich sehe eine Liebe, die nie endet. Ich sehe eine Mutter, die alles gibt, was sie hat. Ich sehe den Grund, warum ich sie immer geliebt habe.”

Ein anderer Vater fügte hinzu: “Narben eines Kaiserschnitts sollten ein Fest und eine Erinnerung daran sein, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, wo Frauen und ihre Babys oftmals während einer Schwangerschaft oder Geburt starben.”

“Ich lächle jedes Mal, wenn ich die Narbe meiner Frau sehe, denn es erinnert mich daran, was für ein Glück wir haben, drei wundervolle Kinder zu haben und wie dankbar ich bin, meine Frau zu haben, mit der ich meine Kinder aufwachsen sehen kann.”

Aber nicht jeder war von dem Foto überzeugt, als sie es sahen. Aller sagte, dass das Bild bei Facebook gemeldet wurde, man sich dort aber weigerte, es von der Plattform zu nehmen.

Sie sagte uns: “Es gab auch Negatives. Ich musste mir in den letzten Tagen definitiv eine dicke Haut zulegen. Jeder hat eine Meinung dazu und das ist gut. Menschen müssen Meinungen haben, denn das ist es, wodurch etwas großartig gemacht wird.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Carola Hoffmann aus dem Englischen übersetzt.