POLITIK
12/03/2016 08:16 CET | Aktualisiert 12/03/2016 10:18 CET

"Erschießen wäre zu soft"- So durchgeknallt sind die AfD-Landtagskandidaten tatsächlich

Jens Schlueter via Getty Images
AfD-Demonstranten.

  • Eine Zeitung analysierte die Facebook-Einträge von zahlreichen AfD-Landtagskandidaten

  • Manche Äußerungen überraschen, andere sind ein Fall für den Staatsanwalt

Am Sonntag werden, wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, dutzende AfD-Politiker in deutsche Landesparlamente einziehen. Doch wie radikal denken die Kandidaten der Rechtskonservativen und in weiten Teilen flüchtlingsfeindlichen Partei wirklich?

Die „Rheinische Post“ (RP) analysierte Facebook-Posts von zahlreichen AfD-Landtagskandidaten. Und die Recherchen der Zeitung ergeben ein eindeutiges Bild, welche Geisteshaltung eine Vielzahl der Parlamentarier in spe tatsächlich hat.

Da ist etwa Felix Zietmann, AfD-Landtagsanwärter für Sachsen-Anhalt. Er fordert eine "Politik ohne Denkverbote". Als ausländische Jugendliche bei einem Public Viewing in Essen während der WM 2014 Deutschland-Fans attackiert haben sollen, kommentierte Zietmann laut “RP“: "Ich hoffe es sind genug Deutsche unter die Räder gekommen, nur so kann, wenn überhaupt, unserem blinden Volk noch die Augen geöffnet werden."

Ein Foto des Accounts "Geschichte der Wehrmacht" kommentierte er der Zeitung zufolge mit den Worten: "Ewig lebt der Toten Tatenruhm." Und unter ein Bild, das deutsche Wehrmachtssoldaten beim Hochziehen der Hakenkreuzflagge in Athen zeigt, schrieb er nach Angaben der „Rheinischen Post“: "Griechenland Urlaub 41".

Angesichts der Tatsache, dass die Wehrmacht und die SS in Griechenland viele tausend Menschen töteten, sind solche Aussagen unsäglich. Der Huffington Post war es am Samstag zunächst nicht möglich, Zietmann für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dieses Posting ist mittlerweile gelöscht worden, doch „RP“ veröffentlichte davon und auch von anderen Entgleisungen von AfD-Politikern aussagekräftige Screenshots.

Ein anderer Landtags-Kandidat der AfD in Sachsen-Anhalt ist offenbar auch kein großer Freund des deutschen Rechtsstaats. Er hatte sich laut RP mit der Bestrafung von Tierquälern auseinandergesetzt. Eine Lokalzeitung hatte von einem Schäferhund berichtet, der am Rande eines Gewerbegebietes angebunden worden war und dort verendete. Die Strafe, die der AfD-Politiker bei Facebook laut „RP“ gefordert haben soll: „Erschießen wäre zu soft.... Das Schwein kann man nicht genug strafen....“

Ein weiterer AfD-Mann, der gerne in den Magdeburger Landtag einziehen würde, ist nicht besser: Als ein anderer User ein Video postet, das angeblich eine große Menge Flüchtlinge auf einer Brücke zwischen Deutschland und Österreich zeigt, soll er offenbar mit Blick auf die deutsche Vergangenheit geschrieben haben: "Damals hat man Brücken gesprengt um eine Invasion zu verhindern".

Ein anderer Landtagskandidat setzte angeblich das Foto eines Afrikaners, der sich an einer Ziege vergeht, unter einen Artikel über abgeschobene Asylbewerber. Auf dem Foto steht laut „RP“: "Do you have a minute to talk about Islam?"

Mancher dieser Kandidaten könnten demnächst tatsächlich in einem demokratischen Parlament sitzen: Schließlich steht die AfD in Sachsen-Anhalt in Umfragen bei 17 bis 18 Prozent. Mehr als jeder sechste Wahlberechtigte will in Sachsen-Anhalt offenbar eine Partei mit offenbar derart durchgeknallten Kandidaten wählen.

Doch auch in anderen Bundesländern stellt die AfD mitunter auch sehr zweifelhafte Kandidaten auf: Stefan Räpple, ein Landtagskandidat für Baden-Württemberg, spricht laut „RP Online“ vom "Geburtenrückgang durch Feminismus und damit verbundene Rentenkatastrophe".

Ein AfD-Landtagskandidat in Rheinland-Pfalz, stenkert in sozialen Medien massiv gegen die Pressefreiheit, fordert wahlweise den Rausschmiss einer Redaktion oder wirft einem Fernsehsender „Volksverhetzung“ vor.

Und Matthias Joa (Rheinland-Pfalz) erklärt der „Rheinische Post“ zufolge einer amerikanischen Kongressabgeordneten, woran man in Deutschland Islamisten erkennt: "But in fact, the threat to the us are not people with names like 'Klaus Müller' or 'Max Meier'. Many of this extremist guys could be detected by their names."

Auch auf HuffPost:

Wahlschock in Hessen: AfD erreicht aus dem Stand zweistelliges Ergebnis