LIFESTYLE
11/03/2016 10:58 CET | Aktualisiert 14/10/2016 05:04 CEST

3 Wahrheiten über Kaiserschnitt-Mütter

www.monetnicole.com

Als Geburtsfotografin werde ich gebeten, einige der wichtigsten Geschichten eines Familienlebens festzuhalten. Ich mache einen Schritt an den Ort, wo Mütter ihre Kinder zur Welt bringen und dokumentiere die kleinen und großen Momente. Ich erzähle die Geschichte darüber, wie ihr Sohn oder ihre Tochter das Licht der Welt erblickt hat. Die Anstrengungen, die Ängste, die Schmerzen, die Freude.

Diese Geschichten sind wundervoll.

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Aber in der Geburtenwelt sehe ich einen bestimmten Geburtentyp, der als ideal betrachtet wird und in meiner Arbeit halte ich viele Geburten fest, die diesem Standard entsprechen würden. Die fiktionale Trophäe für den ersten Platz der Geburt eines Kindes scheint immer an die natürlichen Geburten ohne Medikamente zu gehen, wo Mama und ihr Partner aktiv sind und nicht von Ärzten oder Krankenschwestern behindert werden.

Gerade erst letzte Nacht habe ich eine großartige Geburtsgeschichte gelesen, in der die Mutter unbeabsichtigt ihr Kind zu Hause in der Badewanne bekam. Ihr Mann hat das Kind aufgefangen, da niemand sonst da war. Sie saßen zu Hause auf ihrem Sofa und haben all diese neugeborene Güte in sich aufgenommen. Es war eine großartige Geburtsgeschichte... und ich bin sicher, dass sie wieder und wieder die Runde machen wird.

Einige von Ihnen haben vielleicht über die großartige Steißgeburt mit den Füßen voran gelesen, die ich im Februar fotografiert habe. Die Mama wurde bereits für einen Notkaiserschnitt vorbereitet, als sie plötzlich so einen Drang zum Pressen verspürte, dass ihre Tochter kam - mit den Füßen voran, während sie bereits auf dem OP-Tisch lag.

Noch eine dieser großartigen Geburtengeschichten, die zahlreiche Frauen an ihren Geburtszielen festhalten lässt.

Aber letztlich denke ich über die unbesungenen Heldinnen der Geburten nach. Ich denke über die Geschichten nach, die nicht notwendigerweise alle Daumen nach oben und High-Fives bekommen würden, und bei Facebook geteilt werden.

Ich denke über Kaiserschnittentbindungen nach und die tapferen Frauen, die ihr Baby mit solch einer Stärke und Schönheit zur Welt bringen.

Und da der April der Monat für mehr Bewusstsein für Kaiserschnitte ist, möchte ich uns ermutigen, einen Schritt zurück zu machen und diese drei Wahrheiten über Kaiserschnitt-Mamas zu feiern.

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1. Kaiserschnitt-Mamas sind tapfer.

Auf einen Kaiserschnitt vorbereitet zu werden, ist kein Sonntagsspaziergang. Oftmals wird der Partner der Mutter solange nicht im OP geduldet, bis die Epiduralanästhesie gesetzt wurde und jeder „an seinem Platz ist".

Das bedeutet, dass die Ärzte und Krankenschwestern herumwandern, den OP-Saal für die Geburt vorbereiten (sich vielleicht noch über ihr Mittagessen oder den Film unterhalten, den sie letztes Wochenende gesehen haben), während eine starke, schwangere Mutter auf einem kalten OP-Tisch liegt und darüber nachdenkt, was auf sie zukommt - oftmals verängstigt und oftmals mit dem Gefühl, allein zu sein.

Und in diesen Momenten muss eine Kaiserschnitt-Mama an der starken und kämpferischen Liebe für ihr Baby festhalten. Sie lässt die Angst über sich kommen... und dann lässt sie sie von sich weichen.

Sie weiß, dass dies in diesem Moment das Beste für ihr Kind ist, auch wenn „das Beste" eine größere Operation mit echten Wunden und Narben bedeutet. Obwohl „das Beste" bedeutet, den Traum oder die Vision von einer Geburt loszulassen, die sie sich in den vergangenen neun Monaten gewünscht hat.

Wenn Sie zuvor noch keinen Kaiserschnitt hatten, dann ermutige ich Sie, die heftige Realität dieses Moments in Ihre Vorstellung zu lassen - sich in sie hineinzuversetzen, auf diesem Tisch, wartend, möglicherweise ängstlich. Wenn Sie das tun, dann bin ich mir sicher, dass Sie schnell realisieren werden, wie tapfer Kaiserschnitt-Mamas eigentlich sind.

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2. Kaiserschnitt-Mamas sind stark.

Es gibt nicht viele Mütter, die sagen werden, ein Kaiserschnitt wäre der erste Gedanke gewesen, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten. Ein Kaiserschnitt ist im besten Falle medizinische Notwendigkeit; im schlimmsten Falle kann er ein altmodisches Vorgehen eines Arztes sein, der sich eine „bequeme" Geburt wünscht.

Einige Kaiserschnitt-Mamas haben wochenlang Zeit, sich auf die Änderung ihrer Pläne vorzubereiten, aber viele haben nur Tage, Stunden oder Minuten. Plötzlich haben sich alle ihre Visionen, wie sie ihr Kind auf dieser Welt begrüßen möchte, geändert. Ihr Plan für die Geburt wurde über den Haufen geworfen. Eine Operation steht ihr bevor. Sie weiß nicht, wie lange sie nach der Geburt darauf warten muss, ihr Baby in den Armen zu halten.

Wir menschlichen Wesen tun uns schwer mit Situationen, die sich so plötzlich ändern. Und dennoch finden Kaiserschnitt-Mamas einen Weg, ihren Stolz hinter sich zu lassen und die Verbindung zu ihrer inneren Stärke herzustellen, die es ihnen erlaubt, in den OP-Saal gebracht zu werden und dort ihr Kind auf die Welt zu bringen.

Und dann passiert die tatsächliche Operation. Das wirkliche Aufschneiden und Nähen. Die vollständige Heilung dauert oft Monate. Und während viele von uns sich nach einer größeren Operation mit einem großen Napf Eiscreme und einem Stapel Filme zusammenrollen möchten, tun Kaiserschnitt-Mamas das Gegenteil. Sie hegen und lieben ihre hilfebedürftigen, wunderschönen Babys und bauen eine Bindung zu ihnen auf.

Emotional und körperlich sind diese Frauen SO stark. Und diese Stärke ist nicht nur am Tag der Geburt nötig; diese Stärke muss in den Wochen und Monaten und Jahren danach anhalten - wenn ihre Körper und Seelen heilen und neue Träume in ihnen wachsen, während sie ihr Kind in ihren Armen halten.

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3. Kaiserschnitt-Mamas sind schön.

Mutter zu werden hinterlässt bei jedem von uns Narben. Manche sind emotionaler Natur; einige sind körperlich. Kaiserschnitt-Mamas haben oftmals beides. Und dennoch sind ihre Narben starke Erinnerungen an die Stärke und Tapferkeit, die sie bewiesen haben, als sie ihr Kind auf die Welt brachten. Diese Narben sind die Tür, durch die ihr Kind gekommen ist, als es die eine Welt verlassen hat, um in eine neue aufzubrechen.

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Ich bin fasziniert davon, wie unterschiedlich diese Narben doch sind - die Beschaffenheit, die Länge, die Position. So einzigartig wie jede Narbe ist auch jede Geburtengeschichte eines Kaiserschnitts.

Ich bin fasziniert davon, wie diese Narben sich mit der Zeit verändern - wie sie verblassen, wie sie verwachsen, wie sie ausheilen. Diese Narben sind wunderschön und sind es wert, gefeiert zu werden.

Statt unseren Kaiserschnitt-Mamas zu vermitteln, sie müssten sich dafür schämen, müssen wir sie dazu ermutigen, der Welt ihre Narben der Stärke und Tapferkeit zu zeigen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Cord Mamas. Bitte folgen Sie Cord Mamas auf Facebook und Instagram (@cordmamas), um noch mehr starke und wunderschöne Geburtenbilder zu sehen.

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Ramona Biermann aus dem Englischen übersetzt.

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