POLITIK
11/03/2016 00:23 CET | Aktualisiert 11/03/2016 03:46 CET

Wutausbruch von Mazedoniens Präsident: "EU hat uns angelogen und manipuliert"

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Der mazedonische Präsident Gjorge Ivanov

  • Der mazedonische Präsident macht der EU und Deutschland in der Flüchtlingskrise schwere Vorwürfe

  • Sein Land schütze die EU mit seinem Grenzzaun vor Griechenland

  • Er wirft Deutschland vor, bei der Zusammenarbeit zum Aufspüren von Dschihadisten im Flüchtlingszug "versagt" zu haben

Dieses Interview hat es in sich. Zu einem Wutausbruch wurde ein Gespräch zwischen Mazedoniens Präsident Gjorge Ivanov und der "Bild"-Zeitung. Der Politiker kritisierte in scharfer Form die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik - und den Nachbarn Griechenland.

Das kleine Land an der Grenze zu Griechenland hatte einen Grenzzaun errichtet und nur noch syrische und irakische Flüchtlinge weiterziehen lassen, die aus umkämpften Gebieten stammen. Zusammen mit Slowenien, das nur noch Reisende mit Schengen-Visa einreisen lässt, hat es so den Flüchtlingsstrom praktisch abgeschnitten.

"Wir bezahlen für die Fehler der EU"

Mazedonien fühlt sich von der EU alleine gelassen. "In der Flüchtlingskrise bezahlen wir jetzt die Fehler der EU", sagte Ivanov. Sein Land sei aus Sicht der EU "nichts, kein EU-Land, kein Schengen, keine Nato. Niemand will uns." Dennoch schütze jetzt Mazedonien als "Nicht EU-Land Europa vor einem EU-Land, nämlich Griechenland".

Vor allem mit dem Nachbar Griechenland geht er hart ins Gericht. Das Land habe "die Flüchtlinge mangelhaft kontrolliert beziehungsweise einfach weitergeschickt", so Ivanov. Dennoch bekomme Griechenland "jetzt schon wieder 700 Millionen Euro von der EU, die kriegen alles, was sie wollen. Das Problem ist nur: Sie machen damit nichts!"

Mazedonien habe dagegen von Europa nichts bekommen, "keinen Cent", so Ivanov. Der Präsident wörtlich: "Ich habe verstanden, dass wir Europa egal sind. Aber ich lasse nicht zu, dass wir jetzt auch noch die Schuld für die Fehler der anderen tragen sollen!" Die EU solle "Mazedonien nicht länger beschuldigen. Wir passen nur auf uns auf", so Ivanov weiter.

"Wie sind angelogen und manipuliert worden"

"Die Sicherheit wurde in der Flüchtlingskrise völlig aus den Augen verloren", sagte Ivanov. "Wenn wir uns auf Brüssel verlassen und nicht selbst reagiert hätten, wären wir längst mit Dschihadisten überspült worden."

So hätten mazedonische Behörden bei Flüchtlingen 9000 gefälschte Pässe und Dokumente sichergestellt. Ivanov: "Sogenannte Flüchtlinge reisen mit falschen Identitäten durch ganz Europa, und Griechenland gibt ihnen einfach die Stempel zur Weiterreise. Wir müssen davon ausgehen, dass viele, die mit diesen Papieren unterwegs waren, als radikale Kämpfer auf der Flüchtlingsroute einreisen wollten."

Während die Türkei am Verhandlungstisch mit der EU sitze, sei Mazedonien lediglich "Teil der Speisekarte. Wir waren schon immer Opfer der EU-Institutionen. 25 Jahre lang sind wir angelogen und manipuliert worden", so Ivanov weiter. Mazedonien stecke "sozusagen seit 25 Jahren in einem Aufzug fest".

Auch am Verhalten der deutschen Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel übte Ivanov scharfe Kritik: "Bei der Humanität hat Deutschland sehr gut gehandelt. Aber bei der Sicherheit hat Ihr Land völlig versagt. Nur ein Beispiel: Wir wollten mit Europa, wir wollten mit Deutschland unsere Informationen über diese mutmaßlichen Dschihadisten austauschen."

" Deutschland hat immer alles abgelehnt"

Aber keiner habe die Daten gewollt. Man habe gesagt: "Wir können nicht mit euch zusammenarbeiten, ihr seid ein Drittland, wir dürfen die Daten nicht austauschen." Auch bei technischer Hilfe habe die Regierung in Berlin sich verweigert, so der mazedonische Präsident: "Wir brauchten Ausrüstung für den biometrischen Datenabgleich, Deutschland hat immer alles abgelehnt."

Angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen forderte Ivanov von Kanzlerin Merkel "den Mut, jetzt zu sagen, was da noch alles kommen kann". Ivanov: "Kanzlerin Merkel hat sich ihre Rolle als Retterin Europas ja selbst ausgesucht und mit ihren Entscheidungen Europa alleine in eine Richtung gedrängt. Jetzt will sie es mit der Türkei schaffen. Es wird sich zeigen, ob das wirklich so ist. Ich bin da sehr skeptisch."

Ivanov versicherte, zur Abwehr von Flüchtlingen entlang der Grenze zu Griechenland werde sein Land keine Schusswaffen einsetzen: "Wir sind doch keine Tiere, die auf Kriegsflüchtlinge schießen!"

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