WIRTSCHAFT
10/03/2016 12:00 CET | Aktualisiert 10/03/2016 13:10 CET

Einkommens-Analyse: Warum junge Menschen heute weniger Geld haben als vor 30 Jahren

Einkommens-Analyse: Warum junge Menschen heute ärmer als vor 30 Jahren sind
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Einkommens-Analyse: Warum junge Menschen heute ärmer als vor 30 Jahren sind

  • Gehaltsanalyse zeigt: Millenials haben weniger Geld zur Verfügung

  • Lage in Italien und Frankreich besonders prekär

  • Ökonom warnt vor Ungleichheit der Generationen

Nie zuvor waren junge Menschen so gut ausgebildet wie heute. Nie zuvor hatten sie so einfach Zugang zu Bildung und nie waren sie ehrgeiziger, heißt es immer wieder.

Eigentlich müssten sich die "heimlichen Revolutionäre", wie sie der Jugendforscher Klaus Hurrelmann in einer Studie über die Generation Y nennt, also keine Gedanken um ihre Zukunft machen.

Eigentlich. Denn ihr Wissen zahlt sich finanziell nicht aus. Das ist das Ergebnis einer Gehälter-Analyse des britischen "Guardian". Das Blatt hat Zahlen der Gehaltsdatenbank LIS ausgewertet, die zuvor bereits Informationen aus acht Ländern verglichen hatte - auch aus Deutschland.

Einbruch beim verfügbaren Einkommen

Das Ergebnis: 25- bis 29-Jährige müssen heute mit deutlich weniger Geld auskommen als noch vor drei Jahrzehnten. Demnach liegt das verfügbare Einkommen der Millenials um bis zu 19 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt des jeweiligen Landes von vor 30 Jahren, heißt es in der "Guardian"-Analyse.

Das Blatt macht eine "Kombination aus Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Demografie und steigender Immobilienpreise" als Ursache für den Trend aus.

Dabei ist die Entwicklung in Deutschland laut der Analyse noch vergleichsweise harmlos: In der Bundesrepublik ist das verfügbare Einkommen der 25- bis 29-Jährigen im Vergleich lediglich um fünf Prozent gesunken. In Frankreich (acht Prozent) und Italien (19 Prozent) ist die Lage dramatischer.

"Junge Menschen haben es schwerer als ihre Eltern"

"Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Vor allem die jungen Menschen heute haben es ungleich schwerer als ihre Eltern, mit ihrer Arbeit Vermögen aufzubauen und Vorsorge zu betreiben", sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Huffington Post.

Die Armutsquote unter jungen Menschen steige besonders stark, gerade auch in Deutschland, warnt Fratzscher: "Die Generationengerechtigkeit nimmt vor allem in Deutschland weiter ab."

Auch andere Experten hatten zuletzt trotz guter Konjunktur in Deutschland vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich gewarnt. Die Einkommensungleichheit habe seit den 1990er Jahren zugenommen, vor allem zwischen 1999 und 2005, warnte vor kurzem die Sozialexpertin Dorothee Spannagel.

Zunehmende Ungleichheit in Deutschland

"Damals hat sie in Deutschland europaweit so stark zugenommen wie in sonst keinem anderen Land." Zwar sank die Ungleichheit gemessen am Haushaltseinkommen von da an bis 2010 wieder. Dann vergrößerte sich die Kluft aber wieder. Die Daten, auf die sich Spannagel in ihrer jüngsten Studie für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung beruft, reichen allerdings nur bis 2012.

Hauptursache für die Ungleichheit sei, dass es Lohnzuwächse vor allem bei den höheren Gehältern gegeben habe. Der Niedriglohnbereich sei davon weitgehend abgekoppelt, sagte Spannagel. Zudem sei die Bedeutung der Kapitaleinkünfte im Vergleich zum Lohneinkommen gewachsen.

Spannagel betonte, für die untere Mitte hätten sich die Aufstiegschancen verringert und die Abstiegsrisiken vergrößert. In den Jahren seit 2005 seien mit knapp 16 Prozent etwa deutlich mehr Menschen aus der unteren Mitte der Einkommensverteilung abgestiegen als dies in den 80er Jahren mit knapp 12 Prozent der Fall gewesen sei. "Das ist ein massiver Einschnitt in die Chancengleichheit", sagte Spannagel.

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