POLITIK
09/03/2016 14:21 CET | Aktualisiert 09/03/2016 18:00 CET

"Es stinkt und schimmelt": So schlimm steht es wirklich um deutsche Schulen

Marode Schule in Darmstadt
Getty
Marode Schule in Darmstadt

  • Zwei aktuelle Umfragen zeigen, wie marode die Bausubstanz vieler deutscher Schulen längst ist

  • Vor allem die Toiletten sind oft in einem erbärmlichen Zustand

  • Der Investitionsstau an deutschen Schulen soll sich bereits auf 32 Milliarden Euro belaufen

Für manche Schüler ist es sicher eine gute Nachricht: Seit Tagen fällt an der Berliner Beethoven-Gymnasiums ein Großteil des Unterrichts aus. Die meisten Schüler müssen deshalb zu Hause bleiben. Der Grund ist ein durchgerostetes Heizungsrohr. Dadurch können die Räume im Altbauteil der Schule seit vergangenem Freitag nicht mehr beheizt werden.

"Es ist zu kalt dort, um Schüler sechs Stunden lang zu unterrichten“, sagte Schulleiterin Gunilla Neukirchen dem "Tagesspiegel“. Viele Väter und Mütter treiben die ausfallenden Unterrichtsstunden freilich zur Weißglut.

Und auch anderenorts in Deutschland leiden Eltern, Kinder und Lehrer unter der maroden Bausubstanz vieler Schulen. „Seit vielen Jahren gibt es bei deutschen Schulbauten einen massiven Investitionsstau“, sagt Ulf Rödde, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Gespräch mit der Huffington Post.

Sanierungsbedarf bei 32 Milliarden Euro

Der Sanierungsbedarf der öffentlichen Schulen belief sich bundesweit im vergangenen Jahr Schätzungen des Deutschen Institut für Urbanistik zufolge auf fast 32 Milliarden Euro. In vielen Schulen reicht das Budget gerade einmal aus, um die notwendigsten Kosten für Kopierpapier und Reinigung zu decken. Das berichtet zumindest "Stern TV“.

Der Sender sammelte in einer nicht repräsentativen Online-Umfrage Berichte von deutschlandweit über 1300 Eltern von Schülern. Die Aussage "In den Toiletten stinkt und schimmelt es", war nur eine der vielen erschreckenden Alltags-Berichten von Vätern und Müttern.

Ein Elternteil beschrieb die Schule seines Kindes als "alte Bruchbude, eklig und dreckig". Die Missstände und Mängel seien "offensichtlich“. Quer durchs Land würden Schulen "verfallen“, so das Resümee der Umfrage. Teils gebe es "katastrophale hygienische Zustände“. Mancherorts mangele es sogar am Brandschutz.

85 Prozent der Schulen in NRW beklagen Mängel

In einer Vielzahl von Städten quer durch die Republik klagten zuletzt Eltern über Gammel-Schulen. Gerade erst befragte der "Westdeutsche Rundfunk“ mehr als 1000 Schulen im bevölkerungsreichsten Land NRW über den Zustand ihrer Einrichtungen. 85 Prozent aller befragten Bildungsinstitute meldeten Mängel an den Klassenräumen, Toiletten, Sporthallen oder anderen Gebäudeteilen.

Bei der Hälfte aller Schulen bestanden die Mängel nach Angaben der befragten Rektoren seit vier Jahren oder sogar noch länger. Bei mehr als jedem sechsten Institut war das Problem den zuständigen Behörden bereits seit über einem Jahrzehnt bekannt – und wurde dennoch nicht behoben.

Und auch die Schultoiletten sind nach WDR-Angaben vielerorts versifft. Jede fünfte weist seit fünf bis zehn Jahren Mängel auf. Auf Nordrhein-Westfalen hochgerechnet ergebe das einen Gesamtbedarf von etwa 2,4 Milliarden Euro. Auf Deutschland hochgerechnet wäre die Summe damit deutlich geringer als die Zahlen des Instituts für Urbanistik.

Eltern streichen Klassenräume selbst

Angesichts des bildungspolitischen Staatsversagens fordert GEW-Mann Rödde, Bund und Länder in der Huffington Post auf, "dringend die finanziellen Mittel für den Erhalt der Schulen aufzustocken“.

In der Not helfen sich frustrierte Eltern allerdings immer öfter schlicht selbst. In über der Hälfte der befragten nordrhein-westfälischen Schulen waren Eltern schon für das Streichen der Klassenräume im Einsatz.

Auch auf HuffPost:

Flüchtlingskrise: Dieses Land will Flüchtlinge aufnehmen – aber die wollen nicht dort leben