POLITIK
09/03/2016 07:11 CET | Aktualisiert 09/03/2016 16:01 CET

Nazis rächen sich für ein "Hitler Waxing" an dieser Friseurin - sie tut das einzig Richtige

pr

  • Ursula Gresser startet eine Kampagne gegen Rechts

  • Die Friseurin sammelt Spenden für Aussteiger aus der Nazi-Szene

  • Dann wird sie von Nazis bedroht - wegen einer besonderen Aktion

Mit Glatzen kann Ursula Gresser nicht viel anfangen. Auf dem Stuhl der Friseurin aus Cham, einer Kleinstadt im Bayerischen Wald, brauchen Kunden Haare auf dem Kopf - und Hirn, Herz und Haltung, findet die 28-Jährige.

Auch Ursula Gresser sorgt sich, dass in Deutschland die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch sind und Stimmung gegen Flüchtlinge machen.

Bei den Kommunalwahlen in Hessen hat die NPD zuletzt zweistellige Ergebnisse eingefahren, in einem Stadtteil von Büdingen sogar 31 Prozent geholt.

Gegen den Vormarsch der Rechten hat Gresser auf ihre ganz eigene Weise reagiert: Warum dafür nicht das Idol der Nazis blank rasieren?

Unsere neue Aktion.. Lasst uns die Welt gemeinsam schöner machen!!Genauere Infos gibt's bald! Vielleicht schon morgen.. Aus der Presse... Oder so... :-)

Posted by Boderwerk on Freitag, 4. März 2016


"Waxing gegen Rechts", hat Gresser ihre Aktion getauft. Mit dem Hinweis „Mach die Welt zu einem schöneren Ort“ können Kunden Adolf Hitler den Bart waxen.

Wirkt da der Führer nicht gleich entspannter?

Jedes Mal, wenn jemand den Papierstreifen auf dem Plakat abzieht, spendet Gresser einen Euro an "Exit-Deutschland". Die Organisation möchte Mitglieder der rechtsradikalen Szene bei ihrem Ausstieg helfen.

"In der Flüchtlingsdebatte soll gesunder Menschenverstand zählen", sagt die 28-Jährige der Huffington Post. Politisch sieht sich die Friseurin bei dem Thema "weder links noch rechts".

Letzte Woche hat sie die Plakate für die "Waxing-Aktion" aufgestellt. Über die Aktion berichtete auch die Lokalpresse. Montagmorgen dann kam sie zu ihrem Salon - und sah das:

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"Maria statt Scharia" klebt auf Hitlers Gesicht

"Natürlich Deutsch“ und „Maria statt Scharia“ steht auf den NPD-Aufklebern. Bilder von blonden Mädchen kleben auf dem Adolf Hitler-Foto. "Ich dachte zuerst, das ist ein Jungenstreich", sagt die Friseurin.

Auf Facebook wünscht sie allen einen "wunderschönen Guten Morgen". Zynisch schreibt sie unter ihren Post: "Hoffe ihr hattet alle ein schönes Wochenende!"

Das richtete sich auch an die Täter, bei denen es sich ganz offensichtlich um Anhänger der rechtsextremen NPD handelt; der Partei, der zur Zeit ein mögliches Parteiverbot droht.

Inzwischen ist Ursula Gressers anfängliche Ironie verflogen. In der Reaktion der Nazis sieht sie ein alarmierendes Signal, das man ernst nehmen müsse: "Es zeigt, dass es auch bei uns auf dem Land immer mehr Rechtsradikale gibt."

Rechtsnationale Splittergruppen breiten sich aus

Neben NPD, AfD oder Pegida schlagen in Bayern zunehmend auch rechtsnationale Splittergruppen, wie der "Dritte Weg" oder das verbotene "Freie Netz Süd" Profit aus der rechten Stimmungsmache in der Asyldebatte.

Laut ersten Stimmungstests vor dem anstehenden "Super-Sonntag" könnten rechte Parteien auch bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg als Sieger der zögerlichen EU-Krisenpolitik hervorgehen.

Ursula Gresser möchte sich von dem Gegenwind der Rechten nicht aufhalten lassen. Und sie ist damit nicht allein. Angesichts der anstehenden Landtagswahlen ergriffen in den letzten Wochen immer mehr Anti-Rechts-Aktivisten die Initiative.

"Wollt ihr den Tortalen Krieg?"

So haben Mitglieder des "Peng!"-Kollektivs, einer Art Spaß-Guerilla, die schon die Bundesregierung, die Bundeswehr und Google gegen sich aufgebracht haben, der AfD ihre Sprüche unter die Nase gerieben.

Bei einem Treffen der AfD in Kassel haben die Aktivisten der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland Beatrix von Storch eine Torte ins Gesicht geklatscht. Sie wollen der AfD damit den "Tortalen Krieg" erklären.

Andere Aktivisten griffen zu weniger zuckerhaltigen Mitteln, um ihren Protest gegen die AfD Kund zu tun. 30 maskierte Menschen in weißen Overalls, wie sie beispielsweise in Atomkraftwerken verwendet werden, schlichen sich vergangene Woche vor die Berliner Parteizentrale. Dort legten sie diesen Schutt vor dem Gebäude ab:

Zwar sorgten diese Bilder nicht wirklich für Aufsehen. Umso eindringlicher war dafür die Botschaft hinter der Aktion. "August 2015: Brandanschlag in Nauen - Wir bringen die Überreste der AfD zurück" stand in einer Nachricht neben dem Schutt.

Im brandenburgischen Nauen war im vergangenen August eine Sporthalle niedergebrannt. In der Halle hätten 100 Asylbewerber vorübergehend untergebracht werden sollen.

"Man kann ja nicht immer nur Torten vorbei bringen", sagte ein Sprecher der Aktion "Nationalismus ist keine Alternative".

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