POLITIK
09/03/2016 15:14 CET | Aktualisiert 09/03/2016 15:23 CET

Kanada plant Pilotprojekt für bedingungsloses Grundeinkommen

monkeybusinessimages via Getty Images
Im kanadischen Bundesstaat Ontario sollen ausgewählte Bürger demnächst ein Grundeinkommen erhalten (Symbolbild)

  • Kanada will das bedingungslose Grundeinkommen testen

  • Auch andere Staaten befassen sich mit dem Sockel-Gehalt

  • Kritiker befürchten Einbruch der Wirtschaftskraft

Für die einen ist es eine Spinnerei von Sozialromantikern - für andere der Code für eine bessere Gesellschaft: Am bedingungslosen Grundeinkommen scheiden sich die Geister.

Ein festes Gehalt für jeden, auch ohne Arbeit - seit Jahren arbeiten Initiativen weltweit daran, dass aus dieser Utopie Realität wird. In Deutschland scheint die Idee des Geldes ohne Gegenleistung anzukommen. Mehr als jeder vierte Deutsche ist laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für das Modell.

Pilot-Projekt in kanadischer Kleinstadt

Ihren Ursprung hat die Idee in Kanada. In der Kleinstadt Dauphin startete die Regierung 1974 ein soziales Experiment: 1000 Familien erhielten damals fünf Jahre lang Geld vom Staat - ohne etwas dafür zu tun. Das Projekt war ein voller Erfolg - verschwand dann jedoch in der Versenkung.

Jetzt nimmt das Land um seinen liberalen Premier Justin Trudeau offenbar einen neuen Anlauf: Wie das Online-Portal "Mic.com" berichtet, plant der Bundesstaat Ontario ein Pilotprojekt zum Grundeinkommen.

Laut dem Bericht geht aus dem Haushaltsplan von Ontario für 2016 hervor, dass ausgewählte Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten sollen.

Kanada testet, ob das Bürger-Taschengeld funktioniert

Das Sozial-Experiment in Ontario soll zeigen, "ob die Einführung eines Grundeinkommens die Erfolge der Mindestlohnpolitik und der Kindergeld-Erhöhung fortführen kann, indem es eine größere Stabilität und planbare Unterstützung vor dem Hintergrund des heutigen dynamischen Arbeitsmarkts bieten kann", zitiert "Mic.com" aus dem Haushaltsplan. Mit anderen Worten: Kanada testet, ob das Bürger-Taschengeld funktioniert.

Die Befürworter des Grundeinkommens werden offenbar immer zahlreicher. Zuletzt war bekannt geworden, dass Finnland ab Anfang 2017 untersuchen lässt, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Praxis gestaltet werden könnte. Das Experiment soll zwei Jahre laufen.

Und auch bei Deutschlands Nachbar scheint man sich für ein anderes soziales Modell zu interessieren: Am 5. Juni stimmt die Schweiz darüber ab, den Anspruch auf ein Grundeinkommen in der Verfassung zu verankern.

"Grundlage für ein menschenwürdiges Leben"

Zuletzt hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges im Interview mit der "Zeit" gesagt: "Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine Grundlage sein, um ein menschenwürdiges Leben zu führen." Es gehe um die Frage, wie man ein faires System für eine Welt von morgen schaffe, sagte Höttges.

Und SAP-Vorstand Bernd Leukert erklärte vor kurzem der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass von einem Grundeinkommen auch diejenigen profitieren würden, die weiterhin höhere Gehälter beziehen. "Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen."

Gegner des Sockel-Gehalts befürchten, dass damit vielen Menschen den Anreiz genommen wird, überhaupt einen Job anzunehmen. Das würde dann wiederum zu steigender Arbeitslosigkeit und geringerer Wirtschaftskraft führen, so die These der Kritiker.

Auch auf HuffPost:

Schwarzbuch: Die 5 absurdesten Beispiele, wie unser Steuergeld verschwendet wird